Thomas Ehlert, Vorsitzender und Sprecher der Fraktion der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) der Gemeinde Biederitz, äußerte auf der Sitzung des Gemeinderates am Donnerstagabend den Vorschlag, eine der beiden Grundschulen der Gemeinde Biederitz schließen zu wollen.

Biederitz/Gerwisch. Anlass zu dieser Überlegung war die während der Ratssitzung geführte Diskussion um einen Vertragsabschluss mit der Gemeinde Möckern zur Beschulung von Kinder aus Königsborn und Woltersdorf in der Grundschule Wörmlitz. Damit verbunden ist die Erschließung von Einsparpotenzialen für den Biederitzer Gemeindehaushalt oder eben nicht.

Nach Auffassung der Abgeordneten Eva Marquardt (SPD) sollten die Schüler aus Königsborn und Woltersdorf, die derzeit die Grundschule in Wörmlitz besuchen, in die Gerwischer Grundschule geholt werden. Für diese Kinder ist an die Gemeinde Möckern - Wörmlitz ist ein Ortseil von Möckern - jährlich ein Lastenausgleich in Höhe von rund 25 000 Euro zu zahlen.

Thomas Ehlert hat nicht explizit von der Gerwischer Grundschule gesprochen. Er schlug der Verwaltung vor, eine Schule zu schließen und in dem frei werdenden Gebäude das Verwaltungsamt der Gemeinde Biederitz unterzubringen. Allerdings hat der UWG-Fraktionsvorsitzende sicher die Gerwischer Schule im Blick, denn es ist nach reinem Menschenermessen wohl nicht denkbar, dass die größere Grundschule von Biederitz in der kleineren von Gerwisch aufgehen sollte. Die Auseinandersetzung zu dieser Problematik ist schon einmal im Winter im Ausschuss für Soziales, Bildung, Kultur und Sport geführt worden. Auf dieser Sitzung war deutlich geworden, dass die Woltersdorfer und die Königsborner Seite Veränderungen ablehnt. Thomas Ehlert wohnt in Woltersdorf und war dort auch Gemeinde- und Ortschafts- bürgermeister. So könnte hinter dem Vorschlag des UWG-Vorsitzenden durchaus die Bemühung stecken, die knapp über 20 Kinder in Wörmlitz zu belassen und nicht nach Gerwisch zu schicken. Damit könnte die Gerwischer Schule geschlossen werden und die Kinder könnten gut und gern in die Biederitzer Grundschule umziehen.

Allerdings hätte dieser Idee Fraktionskollege Torsten Sawallisch unverzüglich widersprechen müssen. Er ist Vorsitzender des Ausschusses für Soziales, Bildung, Kultur und Sport und hat bei den Ortsbegehungen, die der Ausschuss in den letzten Monaten durchgeführt hat, durchaus erfahren, dass die Grundschulen sowohl in Gerwisch als auch in Biederitz gut ausgelastet sind und weiter Bestand haben. Auch wenn die Woltersdorfer und Königsborner Schüler nicht sofort nach Gerwisch wechseln würden.

Mit konkreten Zahlen wartet Gemeindebürgermeister Kay Gericke auf. Etwa 140 Schüler lernen derzeit und im kommenden Schuljahr in der Biederitzer Grundschule. Ausgelastet die ihre Kapazität von 200 Schülern damit zwar nicht, aber die knapp 90 Gerwischer Schüler dieses Schuljahres und die knapp 80 des Schuljahres 2011/2012 hätten dort auch keinen Platz. Sehr wohl könnte Gerwisch die knapp über 20 Kinder aus Königsborn und Woltersdorf aufnehmen. Schon jetzt gibt es Schüler aus diesen Orten, die in Biederitz oder Gerwisch lernen. Und noch eines setzt Bürgermeister Kay Gericke hinzu: "Die Mindeszahl für Grundschulen in Sachsen-Anhalt beträgt 40 Schüler.

Eva Marquardt, die stellvertretende Ortsbürgermeisterin, sagte gestern auf VolksstimmeNachfrage, ihr sei beim Ansinnen aus der UWG-Fraktion fast der Atem gestockt. Spitzbübisch fügt sie hinzu, sie nehme an, dass Herr Ehlert wohl die Biederitzer Grundschule gemeint haben würde. Rein rechnerisch gehe die Sache gar nicht auf. "Hier wird ohne Grund ein Ball durch die Gegend geschoben. Die Diskussion ist fatal." Mit Blick auf die Zukunft sagte die SPD-Politikerin, in der Gemeinde seien die Kindertagesstätten proppenvoll. Es werden eine neue in Gerwisch und eine neue in Biederitz gebaut. Die Kinderzahlen steigen. "Es ist ein Giftpfeil, der da abgeschossen worden ist", urteilt die Gerwischer stellvertretende Ortsbürgermeisterin.

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