Durch zahlreiche Ausstellungen machte sich der Dannefelder Wolfgang Hartung einen Namen als Drömlingsmaler. Nun, mit den ersten Sonnenstrahlen im Frühling, beginnt für den 76-Jährigen wieder seine schönste Zeit des Jahres.

Dannefeld l Hundertfach hält Wolfgang Hartung den Drömling mit Pinsel und Farbe auf der Leinwand fest. Jeder Strich sitzt und alle Striche zusammen spiegeln das natürliche Vorbild wider. In seinem Atelier stehend, fühlt sich der Betrachter inmitten der Natur, vor den Augen hat er die Weiten des Drömlings. Der Naturalist Hartung bezeichnet seine Werke scherzhaft als "Abfallprodukte". Schließlich fallen sie als Ergebnis seiner fast täglichen Streifzüge in die Umgebung ab. Oft findet er ein Motiv spontan, greift zur Kamera und fängt es ein, um es schließlich zu Hause in einer zum Atelier umgebauten Waschküche für die Nachwelt in Acryl zu konservieren. "Oft suche ich aber auch wochenlang, ehe ich etwas gefunden habe", sagt er und begründet: "Das Motiv muss mich schließlich stimulieren." Ist der Künstler aber erst einmal stimuliert, hat er das fertige Bild schon im Kopf, ist er von der Staffelei kaum wegzubekommen. Er malt Tag und Nacht, bis er das Bild aus seinem Kopf vor Augen hat, was ab und an schon mal mehrere Wochen beanspruchen kann.

"Im Sommer malt sich der Drömling nicht gut, dann ist alles nur grün."

Die ersten Frühlingstage sind für Hartung die ergiebigsten Tage. Die Knospen brechen auf und die Bäume zeigen ihre gewachsenen Strukturen. "Im Sommer dagegen malt sich der Drömling nicht gut, dann ist alles nur grün." Erst der Herbst schaffe wieder Motive, die malenswert seien. So wertet ein Künstler die Jahreszeiten aus seiner Sicht.

Während seiner Exkursionen in den Drömling kann der Dannefelder gleich mehreren Hobbys frönen. Neben der Malerei und der Fotografie ist es die Ornithologie. Derzeit ist für Hartung, der zu den wenigen Naturschutzbeauftragten im Drömling gehört, Zugvogelzeit. "Die ersten Kraniche und einige Reiher sind da und in einer Senke bei Mieste haben wir einen kleinen Trupp Singschwäne gesehen", verrät Hartung begeistert seine jüngsten Beobachtungen. Im Bezug auf eine weitere seiner Leidenschaften zeigt sich der Drömling allerdings weniger ergiebig. "Mineralien findet man in dieser Landschaft kaum", sagt der Dannefelder und zeigt auf seine Mineraliensammlung, die zu den größten der Altmark zählt.

Dass auf dem Hof gegenüber der Dannefelder Kirche auch ein großer Pflanzenliebhaber wohnt, ist nicht nur am prächtigen Garten zu erkennen. Klatschmohn- und Sumpfdotterblüten hält Hartung vergrößert ebenso auf seinen Leinwänden fest wie Distelköpfe. Hier mache sich sein Wechsel von der Aquarell- zur Acrylfarbe bezahlt, schwärmt Hartung von seiner neuen Maltechnik.

"Man muss die Farben genauso beherrschen wie die Pinsel."

Denn nur Acryl lasse seine Sumpfdotterblüte auf der Leinwand so strahlen wie in der Natur, wenn die Sonne daraufscheint. "Man muss die Farben natürlich genauso beherrschen wie die Pinsel", beginnt der Fachmann zu erklären und macht in Folge schnell klar, dass ein Gelb nicht gleich ein Gelb ist und die Malerei eine Wissenschaft für sich.

Der gebürtige Stendaler, der in Wolfsburg aufwuchs, wurde bereits in der Schule an diese Wissenschaft herangeführt. Sein Zeichenlehrer habe ihn gefordert und gefördert. Der junge Hartung gewann interne und externe Schulwettbewerbe, erhielt in Folge sogar ein Stipendium der Stadt Wolfsburg. Das Zeichnen bestimmte auch seinen späteren Beruf. Auf dem Papier musste er mit Farben die Formen und Dimensionen herausarbeiten, die er später als Steinmetz und Bildhauer umsetzte.

Vom Drömling und dessen Natur war Wolfgang Hartung schon vor Jahrzehnten fasziniert. Nur verhinderte ein eiserner Zaun, dass er vor 1989 in dieser Landschaft auf Motivsuche gehen konnte. Dann war ihm das Glück doppelt hold. Der eiserne Vorhang fiel und in Dannefeld fand er seine heutige Ehefrau.

Angst, dass ihm die Ideen ausgehen, hat Hartung nicht. Ein Motiv, aus verschiedenen Standorten betrachtet, ergibt schon mehrere Bilder. Und dann sind da noch die verschiedenen Jahreszeiten, welche die Motive verändern, von denen der beginnende Frühling für den Drömlingsmaler die schönste ist.

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