Zehn Jungen der Gardeleger LB-Förderschule "Rosa Luxemburg" bekommen derzeit Zusatzunterricht der ganz besonderen Art: Heiko Nielebock, Chef der Letzlinger Angler, bereitet die Schüler zwei Wochen lang auf die Anglerprüfung des Landkreises vor.

Gardelegen. "Er ist einer, der unseren Gedanken mitträgt." Schulleiter Frank Kreißl ist die Begeisterung für seinen neuen "Kollegen" Heiko Nielebock förmlich anzusehen. Denn was Nielebock macht, ist nicht selbstverständlich, wie Kreißl betont.

Zwei Wochen lang bereitet der passionierte Letzlinger Angler Schüler der Gardeleger Förderschule auf jene Prüfung vor, die der Kreis von jedem verlangt, der an öffentlichen Gewässern angeln will. "Er ermöglich damit den Jungs die Teilhabe an Dingen, die ihnen sonst nicht möglich wäre", ist Kreißl überzeugt. Und das mache der Letzlinger freiwillig, und unentgeltlich, noch neben seinem Beruf.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Heiko Nielebock diesen ganz besonderen Kurs an der Förderschule angeboten. "Einfach eine tolle Sache", so Kreißl, der froh ist über jedes Angebot, das seinen Schülern hilft, ihre Freizeit mit einem sinnvollen Hobby zu füllen.

Und wie sehr die Siebt- bis Neuntklässler das zu schätzen wissen sieht jeder, der zurzeit Nachmittags mal in den Biologieraum der Schule schaut. Denn die zehn Jungen verfolgen den Unterricht von Heiko Nielebock aufmerksam, stellen Fragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben und arbeiten so begeistert mit, wie sich das wohl so mancher Fachlehrer immer von seinen Schülern wünschen würde.

Wünschen würde sich schließlich auch Frank Kreißl noch mehr solcher "Lehrer", wie Nielebock. "Eine Leseoma vielleicht, oder jemanden, der mit den Mädchen handarbeitet?" Möglichkeiten für solche Partnerschaften gebe es schließlich viele, findet der Schulleiter, der sich gemeinsam mit dem engagierten Förderverein seiner Schule seit Jahren für solche Partnerschaftsprojekte stark macht.

"Viele beklagen, dass die Kinder heute so wenig motiviert sind", so Kreißl. Ein Blick auf seine zehn Angler beweist das genaue Gegenteil.

Für eine besondere Motivation der künftigen Angler sorgt allerdings auch der Förderverein noch. Der nämlich spendiert den Schülern, die die Prüfung bestehen, eine Angler-Erstausrüstung. Fünf Schüler bekamen sie im vergangenen Jahr schon. Falls es in diesem Jahr alle schaffen werden, könnte es teuer werden, schmunzelt Kreißl.

Und vielleicht auch wieder im nächsten. Heiko Nielebock jedenfalls will auch weiterhin unentgeltlich Schüler unterrichten. Das nächste Mal vielleicht im Ferienlager Gager, wo jährlich Schüler der Förderschule eine erlebnisreiche Freizeitwoche verbringen. Derzeit klärt Nielebock gerade mit seinem Arbeitgeber, ob dieser sich dafür eine unbezahlte Freistellung vorstellen könnte.

Auf jeden Fall unbezahlbar seien Menschen wie Heiko Nielebock, findet Kreißl. Jeder, der gern auf ähnliche Weise mit Jugendlichen arbeiten würde, der ein tolles Hobby hat oder besondere Kenntnisse, die er gern weitergeben würde, findet unter der Telefonnummer der Schule (0 39 07) 71 21 01 immer einen Ansprechpartner.