Gardelegen l Manche Sachen vergisst man einfach nicht. Und wenn man sich ihrer dennoch nicht erinnert, dann gibt es ja immer noch das Internet, in dem das weltweit gesammelte Wissen angeblich nur auf Abruf wartet. Gesagt, getan, gefunden - das hatte sich auch Wolfgang Schlagbauer gedacht, als beim Oldtimerstammtisch in Gardelegen eine Diskussion aufbrandete. Aber wenn es um so anscheinende Kleinigkeiten wie den Benzinpreis der 1950er Jahre geht, da stößt das größte world-wide-web an seine Grenzen, musste der Gardeleger feststellen. "Für die Jahre davor und auch ab den 1960er Jahren gibt es Angaben zu Spritpreisen. Aber ausgerechnet für den Zeitraum dazwischen ist nichts zu finden", erklärte der Oldtimerfreund. "Fast alle unsere Autos wurden in diesen Jahren gebaut, und daher interessierte uns einfach mal der damalige Benzinpreis. Das einzige, das wir in unserer Runde noch nachvollziehen konnten, war, dass der Sprit auf Marken um die 80 Pfennig je Liter kostete."

So wandte sich Wolfgang Schlagbauer vor einigen Wochen an die Redaktion der Volksstimme, um einen kleinen Aufruf zu starten, der zum Ziel hatte, eben jenen Spritpreis - möglichst nachweislich - in Erfahrung zu bringen. Doch nach der Veröffentlichung tat sich erst einmal nichts. Also reichten das Erinnerungs- und Archivierungsvermögen der Gardeleger wohl leider nicht weiter als das des Internets.

Doch den Herren vom Gardeleger Oldtimerstammtisch sollte schließlich noch die Diskussionsgrundlage entzogen werden. Rund zwei Wochen nach der Veröffentlichung stellte sich Friedrich Wilhelm Schulz in der Volksstimme-Redaktion vor. Er könne auf Heller und Pfennig genau sagen, wieviel der Kraftstoff Anfang der 1950er Jahre gekostet habe, erklärte der Lüffinger. "Zu Weihnachten 1952 habe ich mein erstes Motorrad bekommen. Eine RT 125. Und im Januar habe ich das erste Mal getankt", erzählte Friedrich Wilhelm Schulz. Dies allein war allerdings noch nicht der Grund, weshalb er sich so genau an den damaligen Benzinpreis erinnert. Der stolze Besitzer eines Motorrades hob nämlich seinen ersten Tankbeleg und auch noch einige aus den Folgejahren wohl verwahrt auf. "Ein Liter Benzin kostete 1952 genau drei Mark. Aber es gab noch kein Gemisch. Das heißt, es musste Öl separat gekauft und dazugemischt werden. Und für 100 Milliliter Öl wurden 60 Pfennig fällig", klärte Schulz über das Procedere auf. Auf zehn Liter "Fahrbenzin" gehörten 0,4 Liter "Autoöl". Also wurde das Benzin - damals nicht vom Tankwart - von der Säule in eine Kanne gezapft, die entsprechende Menge Öl dazugegeben und das Ganze mit einer Handpumpe vermischt.

In Gardelegen unterhielt die "Deutsche Handelszentrale Kraftstoffe und Mineralöle" Vor dem Salzwedeler Tor 17 eine Tankstelle, wie den Quittungen deutlich lesbar zu entnehmen ist. Denn die Belege, die Friedrich Wilhelm Schulz seit mehr als 60 Jahren aufbewahrt, sind in bewundernswert gutem Zustand. Stand anfänglich noch Paul Schönjahn als Betreiber auf dem Stempel, so wurde daraus ein paar Jahre später die VEB Minol Außenstelle Magdeburg Nr. 5129.

In den folgenden Jahren sank der Benzinpreis deutlich. So steht auf einer Quittung aus dem Jahr 1957, dass für fünf Liter Benzin zehn Mark zu zahlen waren. Und es wurde noch preiswerter. 1959 kostete ein Liter Sprit sogar nur noch 1,50 Mark. Alles in allem, mal abgesehen von der Währung, also ziemlich genau soviel wie - an einem guten Tag - heute.

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