Mitglieder der Europa Philharmonie Magdeburg haben am Sonntag auf Gut Zichtau ein beschwingtes Neujahrskonzert geboten. Dabei erklangen auch Stücke des Bismarker Komponisten und Musikverlegers Wilhelm Lüdecke.

Zichtau l Die Bismarker kennen ihn natürlich, ihren Wilhelm Lüdecke. Schließlich ist eine Straße nach dem bekannten Sohn ihrer Stadt benannt, der ein guter Freund Paul Linckes und zu Lebzeiten (1868-1938) ein sehr bekannter Komponist gewesen ist. Ein Komponist von zeitlos schönen Melodien, wie die Musiker unter der Leitung von Reinhard Seehafer am Sonntagabend in Zichtau mit ihrer mitreißenden Darbietung bewiesen haben. Sie spielten "acht Gebrauchsstücke", wie Seehafer sie vorstellte, darunter eine Polka und Märsche, eine Polonaise und ein Rheinländer. So mancher Zuhörer in der mit gut 150 Besuchern vollbesetzten Orangerie des Zichtauer Gutes wäre sicher gern zum Tanze aufgestanden. "Das ist Musik, entstanden mitten in der Altmark", frohlockte Reinhard Seehafer, Gründer und Chefdirigent der Europa Philharmonie Magdeburg. Für das Neujahrskonzert hatte er aus dem international bekannten Ensemble Yiochi Yamashita (1. Violine), Marco Reiß (2. Violine), Ingo Fritz (Viola) und Emma Lomakowa (Cello) mitgebracht.

Gemeinsam luden sie ihr Publikum ein zu einem Drei-Gänge-Menü. Als erster Gang wurde leichte Klassik serviert, im zweiten dann mit Lüdecke altmärkische Musikkost und zum Dessert Melodien aus Amerika. "Da haben Sie eine ganze Palette zu verdauen", scherzte Reinhard Seehafer, der nicht nur am Klavier zu hören war, sondern auch charmant und sehr informativ das Konzert moderierte.

Im ersten Gang servierten die fünf Virtuosen unsterbliche Melodien der Klassik, darunter Joseph Haydns "Serenade" und Luigi Boccherinis "Menuett". Violinist Yiochi Yamashita spielte dann, am Klavier begleitet von Reinhard Seehafer, die "Meditation" aus der heute selten gespielten Oper "Thais" von Jules Massenet. Dass Musik, die 200 und 300 Jahre alt ist, noch heute "die Menschen erfreut, das ist toll", freut den Leiter der Europa Philharmonie Magdeburg, der selbst seit fast 40 Jahren Musiker ist.

Nach dem Hauptgang Wilhelm Lüdecke rundeten die Instrumentalisten ihr Menü mit leichter Dessertkost ab. Dafür hatten sie Stücke des Amerikaners Leroy Anderson ausgewählt. Sein Markenzeichen war es, Nicht-Instrumente wie Sandpapier und imitiertes Katzenjaulen in seine kurzen Stücke einzubauen. Das wohl bekannteste Werk ist "The Typewriter", unsterblich durch eine Filmszene mit Jerry Lewis. Reinhard Seehafer griff in ostdeutscher Verbundenheit zu einer alten Robotron-Schreibmaschine. Doch zuvor hatten die Zuhörer viel Spaß mit Andersons "The syncopated clock" und "Blue Tango". Dieser Titel hielt sich 1951 38 Wochen in den US-Charts. Warum, ließ sich am Sonntag auch an der Begeisterung der Besucher in der Orangerie erkennen. Die Gäste erklatschten sich noch zwei Zugaben: Leroy Andersons "Pling, pleng, plang" und "The Ragtime" von Scott Joplin.

Den langanhaltenden Beifall fasste Magnus Staehler, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Zukunft Altmark, so zusammen: "Ich glaube, die Europa Philharmonie Magdeburg darf wiederkommen." Und das wird sie auch, denn seit dem ersten Auftritt von Musikern dieses Klangkörpers vor einem Dreivierteljahr auf Gut Zichtau gab es schon mehrere Veranstaltungen, darunter "Klassik - I like it", eine Vivaldi-Unterrichtsstunde für mehr als 300 Grundschüler.

Für den Start ins Veranstaltungsjahr 2014 sei bewusst ein Neujahrskonzert mit der Europa Philharmonie Magdeburg gewählt worden, erklärte Magnus Staehler. Denn "in einer Zeit, in der es immer nur um das Abspecken bei der Kultur geht, wollen wir als Stiftung Gas geben". Staehler: "Hier wird Kultur gesät, daraus wird dann Nahrung für die Seele." Solche Töne würde er gern von Landesregierung hören, reagierte Reinhard Seehafer.

Kulturell soll es in Zichtau in diesem Jahr zum Beispiel eine Fortsetzung bei den Ausstellungen geben. Und nach "Altmark trifft Toskana" im Jahr 2013 wird diesmal für einige Wochen die Karibik zu Gast sein. "Ich denke, es wird ein ähnlich buntes Spektakel werden", sagte Staehler. Auch mit den Neujahrskonzerten soll es nach der Premiere am Sonntag weitergehen. Denn im Rheinland, wo Magnus Staehler zuhause ist, heißt es: "Alles, was zweimal stattfindet, hat eine Tradition. Wir beginnen hier und heute eine Tradition."

 

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