Kalbe (cn) l Grundschul-Anfangsklassen sollen künftig mindestens 15 Schüler aufweisen, in dünn besiedelten Gebieten wie der Altmark mindestens 13. Diese Ankündigung des Kultusministeriums (Volksstimme berichtete) sorgte gestern für Wirbel im Land - und für die Frage: Ist auch die Grundschule Brunau davon betroffen?

Bürgermeister Karsten Ruth rechnete nach. Nach den ihm vorliegenden Zahlen käme die Bildungseinrichtung, für deren Fortbestand die Einheitsgemeinde Kalbe extra eine Änderung der Einzugsbereiche vorgenommen hat, in diesem Jahr auf eine Anfangsklasse mit 20 Schülern. Im nächsten und im übernächsten Jahr sieht es allerdings deutlich schlechter aus. Da wären es jeweils nur noch 13 Kinder in der ersten Klasse - und damit hätte die Grundschule gerade noch so eine Bestandsberechtigung. "Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Zahlen noch nach unten entwickeln, ist allerdings höher als die Wahrscheinlichkeit, dass es in die andere Richtung geht. Denn es braucht nur eine Familie wegzuziehen, was wir uns natürlich nicht wünschen", sagte der Bürgermeister gestern.

Ihm gibt der erneute Vorstoß des Landes-Kultusministeriums allerdings Rätsel auf. "Die künftigen Vorgaben hätten eigentlich schon in die jetzige Kalkulation mit einfließen müssen. Warum kommt man damit erst jetzt?", fragte Ruth. Immerhin ist die mittelfristige Schulentwicklungsplanung auf kommunaler Ebene so gut wie abgeschlossen. "Außerdem", so Ruth, seines Zeichens Volljurist, weiter, "finde ich es erstaunlich, was auf dem Erlasswege alles möglich zu sein scheint." Da werde offenbar am Parlament vorbeigearbeitet, mutmaßt der Kalbenser Bürgermeister. In dieser Annahme fühlt er sich von den Antwortbriefen, die er von einzelnen Landtagsfraktionen beziehungsweise -abgeordneten erhalten hat, bestärkt. So sprechen sich Grüne und Linke klar gegen die jetzigen Pläne zur komplexen Schließung von Minischulen und für flexiblere Schulmodelle aus.

Ruth hatte im Vorfeld im Auftrag des Stadtrates die altmärkischen Landtagsabgeordneten sowie den Landtagspräsidenten zum Thema Mindestschülerzahlen kontaktiert. Dieser wiederum hatte den Brief dann an sämtliche Fraktionen weitergeleitet.