Die Künstlerstadt Kalbe hat seit gestern, wenn auch nur vorübergehend, einen Sekretär. Der 50-jährige Klötzer Ronald Teschner übernimmt die anfallenden Verwaltungsaufgaben im Zuge einer sogenannten beruflichen Erprobungsphase.

Kalbe l Das Büro hat Künstlerstadt-Initiatorin Corinna Köbele im Atelier ihres privaten Wohnhauses eingerichtet. Hier, wo sie sonst in ihrer knapp bemessenen Freizeit an verschiedenen Kunstwerken arbeitet, stehen nun ein Computer und einige Möbel. Ab sofort ist dies der Arbeitsplatz von Ronald Teschner. Der 50-Jährige, der vom Salzwedeler Verein zur Förderung der beruflichen Bildung in der Region Altmark West (kurz VFB) betreut wird, befindet sich in der beruflichen Erprobung. Dies ist gleichzusetzen mit einem Betriebspraktikum. Teschner ist gelernter Gärtner, kann diesen Beruf aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Eine Bürotätigkeit wäre eine Option für ihn. Denn er kennt sich gut mit der Arbeit am Computer aus und traut sich die umfassenden Verwaltungsaufgaben, die nun auf ihn zukommen dürften, durchaus zu.

Diese Aufgaben wurden bisher von Corinna Köbele erledigt. "Aber eigentlich habe ich null Zeit dafür", so die kunstaffine Diplom-Psychologin. Ihr ist es zu verdanken, dass sich Kalbe im vergangenen Jahr entgegen allen Unkenrufen zur Künstlerstadt und nachfolgend sogar zum "Ausgezeichneten Ort im Land der Ideen" entwickelt hat. Und auch in diesem Jahr soll die Stadt wieder vorübergehender Wohn- und Arbeitsort für Studenten verschiedener Kunstrichtungen sein, und zwar nicht nur im Zuge des Sommercampus (nebenstehender Bericht). Die ersten Studenten werden bereits im März erwartet. Es handelt sich dabei um eine Gruppe um die ehemalige Künstlerstadt-Stipendiatin Katrin Parotat. Und natürlich muss nicht nur deren Aufenthalt verwaltungstechnisch vorbereitet werden.

Es geht für Roland Teschner unter anderem auch darum, die vielen Akten, die sich bisher im Zuge des Künstlerstadt-Projektes angesammelt haben zu sortieren und ein System für die Belegung der Stipendiaten-Wohnungen und -Ateliers zu entwickeln. Außerdem warten Rechercheaufgaben auf ihn. Denn das Künstlerstadt-Projekt braucht auch im neuen Jahr Förderer und Partner.

Ein solcher Partner ist der VFB. Dessen zuständige Sozialarbeiterin Doreen Karger kennt Corinna Köbele schon länger. Und die junge Frau begleitete Ronald Teschner gestern an seinem ersten Arbeitstag auch nach Kalbe. Bereits im Vorfeld hatte es dort allerdings erste Absprachen gegeben.

Wie Karger erklärte, laufe das Gesamtprojekt, in dessen Zuge Ronald Teschner tätig sei, erst einmal bis zum September. Es trage den offiziellen Namen "Phönix" und werde mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert. Es diene dazu, individuelle Perspektiven für Menschen mit Beeinträchtigung zu finden. Der Künstlerstadt entstünden dadurch keine Zusatzkosten.

Da es sich um eine berufliche Erprobung handelt, wird Ronald Teschner dort erst einmal bis zum 28. Februar tätig sein. Allerdings kann sein Einsatz im gegenseitigen Einvernehmen verlängert werden, und zwar mehrfach und bis zum Ende des Gesamtprojektes "Phönix". "Wir sehen ja, dass die Arbeit hier gebraucht wird", sagte Doreen Karger. Und Ronald Teschner, der täglich mehrere Stunden für das Künstlerstadt-Projekt arbeiten wird, freut sich auf die neue Herausforderung. "Denn es geht mir", betonte er, "natürlich auch darum, Referenzen zu erhalten", mit denen sich dann neue Perspektiven öffnen könnten.