Gardelegen (iwi) l Für 20,68 Euro klaute er in einem Gardeleger Einkaufsmarkt acht Flaschen Bier, zweimal Spaghetti, einmal Margarine und mehrere Dosen Energydrink. Das brachte einem 28-jährigen Gardeleger am Amtsgericht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung, ein. "Sie sind freundlich, gut aussehend, können sich gut artikulieren. Was läuft falsch bei Ihnen?", fragte Richter Axel Bormann den Angeklagten kopfschüttelnd.

Der junge Mann kennt sich aus mit Prozessen: Mehrere Male war er in den vergangenen sieben Jahren schon wegen Diebstahls geringwertiger Sachen verurteilt worden, saß sogar sieben Monate dafür im Gefängnis. Erst im Januar 2013 hatte er seine Strafe abgessen, zehn Monate später dann der Diebstahl in dem Einkaufsmarkt in Gardelegen.

Es war Monatsende, die Hartz IV-Unterstützung wegen eines verpassten Termins gekürzt, "und ich hatte kein Geld mehr. Ich weiß, das war Scheiße", erklärte der Gardeleger beim Prozess. "Warum trinken Sie nicht einfach Wasser, das kommt einfach aus der Leitung?", so Bormann fragend. Antwort: "Irgendwann hat man halt keine Lust mehr auf Wasser." Dafür, dass er nicht nur die Spaghetti für 70 Cent, sondern auch die Büchsen mit dem teuren Energydrink klaute, hatte der Mann eine Erklärung, die auch Richter Bormann kurzfristig erstaunte: "Ich wollte sie leer trinken und dann wieder abgeben, um Pfand zu bekommen." Doch statt Pfandgeld zu bekommen, gab es wieder mal eine Anzeige. Dass er ein Alkoholproblem habe, verneinte der 28-Jährige, auch wenn er Bormann erzählte, dass er am Vortag acht Halbe-Liter-Flaschen Bier getrunken habe. Er würde jedoch nicht zu denen gehören, die sich mit den Bierflaschen auf den Wall setzen. Und er könne auch ohne Alkohol den Tag verbringen.

Richter Bormann resümierte schulterzuckend, dass er den Angeklagten nicht "zur Entziehung und zum Arbeitsamt bringen kann". Aber vielleicht gelinge es dem Bewährungshelfer, der ihm nun zwei Jahren zur Seite steht, ein "bisschen Ordnung in Ihr Leben zu bringen". Denn schließlich gehen "bei jedem Vollrausch ein paar Zellen da oben verloren".

Ganz so viel Freizeit wie bislang dürfte der Gardeleger nun auch nicht mehr haben, denn eine Auflage des Urteils ist, dass er bis Mitte Mai 500 Arbeitsstunden ableisten muss. Macht er das nicht, muss er die sechs Monate im Gefängnis absitzen.