Seit 2007 präsentiert er seine Tiere einmal jährlich auf der Bundesausstellung des Verbandes der deutschen Rassetaubenzüchter. Seither kommt er jährlich mit einem Meistertitel nach Hause. In diesem Jahr reichte Christian Päleke das nicht: Leipzig bescherte ihm gleich drei Ehrenbänder.

Gardelegen l Langsam wird es eng im Büro von Christian Päleke. Unzählige Wimpel hängen an den Wänden. Eigentlich sei "Ehrenbänder der richtige Name dafür", verbessert er lächelnd. Auf den meisten sind neben Zahlen und Daten Tauben eingestickt oder aufgedruckt. Denn um sie geht es bei allen Auszeichnungen: Pälekes Tauben sind vielfach preisgekrönt. Deutsche Meisterschaften, Kreis- und Landesschauen, Sonderausstellungen - überall räumt der Algenstedter Preise ab. Und das schon seit vielen Jahren. Seit 2007 bringt er zum Beispiel in jedem Jahr einen Deutschen Meistertitel nach Hause - und zwar ohne Unterbrechung.

"Mittlerweile schütteln alle nur noch mit dem Kopf."

Als er Ende 2012 gleich doppelter Deutscher Meister für seine Zucht von zwei verschiedenen Farbschlägen der Deutschen Schautaube wird, glaubte sich Pälecke schließlich schon auf dem Zenit seines Züchtererfolges. Dann jedoch kam das Jahr 2013. "Und mittlerweile schütteln alle nur noch mit dem Kopf", sagt Päleke fröhlich. Denn im vergangenen Jahr heimste der passionierte Rassetaubenzüchter nicht nur auf Landes- und Sonderschauen acht Ehrenbänder, drei Ehrenteller und fünf Pokale ein - nach der Hauptsonderschau der bundesweiten Rassetaubenzüchter "musste ich meine Preise fast mit der Schubkarre rausfahren", beschreibt Päleke augenzwinkernd - auch von der Deutschen Meisterschaft in Leipzig, auf der immerhin rund 50000 Tiere präsentiert wurden, kam er diesmal so erfolgreich wie noch nie nach Hause. Seine Jungtiere der Deutschen Schautaube in den Farbschlägen dunkel, dominant rot und gescheckt gefielen nämlich in diesem Jahr den Preisrichtern am besten. Und somit werden Päleke demnächst gleich drei Ehrenbänder zugeschickt, die ihn als Deutschen Meister auszeichnen.

"Dass dieses Tier gewinnen wird, wusste ich von Anfang an."

Für die Bewertung werden übrigens jeweils fünf Tauben eines Farbschlages begutachtet und deren Punktzahl addiert. Pälecke nennt also gleich etliche Schönheiten sein eigen. Und eine der Tauben kürten die Experten am ersten Dezemberwochenende sogar zum schönsten Einzeltier des Farbschlages. Erstmals in seiner Züchterkarriere erhielt Päleke die Ehrenmedaille des Bundes der deutschen Rassegeflügelzüchter für seine gescheckte Rassetaube.

Und die ist wirklich eine Schmucke. Stolz reckt sie gestern das Köpfchen extra fürs Foto in die Höhe, als wüsste sie, das sie ein Model ist. Für das Volksstimme-Interview hatte Päleke die Hübsche nämlich extra aus ihrem Schlag geholt. "Dass dieses Tier mal einen Preis gewinnen wird, wusste ich übrigens von Anfang an", versichert der Fachmann. "Mein Vater wollte das zwar nicht glauben, mittlerweile sehe ich aber so was schon ziemlich früh."

Solche Fachgespräche gibt es im Hause Päleke übrigens regelmäßig. Das Taubenzüchten liegt bei ihnen nämlich in der Familie. Schon Vater Horst züchtet seit vielen Jahren - er begleitete den Sohn auch wieder zur jüngsten Meisterschaft -, Päleke junior bekam mit neun Jahren sein erstes Täubchen geschenkt.

So richtig mit Leidenschaft widmet sich der Inhaber eines Tierfachgeschäftes allerdings erst wieder seit rund zehn Jahren seinem Hobby. Angetan hat es ihm wie schon beschrieben die Rasse der Deutschen Schautaube. Seit 2007 präsentiert er sie schließlich bei den deutschen Meisterschaften mit dem erwähnten Riesenerfolg.

Der ist übrigens auch daran zu messen, wie begehrt Pälekes Züchtungen mittlerweile sind. Denn längst hat der Algenstedter aufgehört zu zählen, wieviele Exemplare er schon an andere Züchter verkauft hat. In den nächsten Tagen gehen wieder Lieferungen nach Meißen, Rügen, an die Nordsee und in den Harz. Und einige wechselten sogar schon die Staatsbürgerschaft: Pälekes Tauben gurren unter anderem schon in Bulgarien und Spanien. Erst gestern musste der Züchter wegen des großen Interesses eine Anfrage von den Philippinen ablehnen. Einige seiner Schönsten gingen nämlich direkt von der Bundesschau über den großen Teich: Ein Amerikaner kaufte in Leipzig zwei seiner Champion-Tauben. Vorher hatten sich Päleke und der Interessent allerdings schon mal übers Telefon verständigt. Nun ist das Taubenpaar bereits auf dem Weg nach Arizona.

"Auch eine Portion Glück gehört natürlich immer dazu."

Allein der Transport der Tauben kostet den Neueigentümer übrigens 200 Euro - pro Taube. Zudem sind die Tiere rund ein halbes Jahr unterwegs. Bevor sie der Züchter in seinem Heimatbundesstaat abholen kann, müssen sie nämlich in Amsterdam und auch noch einmal in den USA einige Wochen in Quarantäne. So viele Umstände nimmt ein Züchter wohl nur auf sich, wenn es sich um wirklich exquisite Tiere handelt.

Wie aber macht er das, der Taubenflüsterer aus Algenstedt? Ist es nur die langjährige Erfahrung, die ihm sagt, welche Tiere die besten "Vererber" sind, oder gibt es so etwas wie einen geheimen Zaubertrank?

"Ich habe natürlich eine Spezialfuttermischung", verrät Päleke schmunzelnd. Geheim sei die aber nicht. Dass auch der fachmännische Blick für die Paarungen eine Rolle spielt, streitet er indes nicht ab. "Und dann gehört natürlich auch immer noch eine Portion Glück dazu."

Ob er die in diesem Jahr bei der Bundesschau in Ulm wieder hat, wird sich zeigen. Steigerungsmöglichkeiten gebe es aber durchaus noch: Vier Farbschläge züchtet Pälecke derzeit. Neben den schon genannten sind auch ganz weiße dabei. Auch sie hatte er Anfang Dezember mit nach Leipzig und ungekürt wieder mit nach Hause genommen. Aber was nicht ist, kann schließlich noch werden...