Eigentlich wollte Choje Lama Palmo, buddhistische Priesterin aus Wien, am Dienstagnachmittag in Kalbe aus ihrem Buch "Shangrila meines Herzens" vorlesen. Stattdessen entwickelte sich ein Gespräch mit dem Publikum, aus dem sich allerdings am Ende nicht jeder der etwa 30 Zuhörer zufrieden verabschiedete.

Kalbe l Die Erwartungen waren hoch. Vielleicht zu hoch? Choje Lama Palmo, die am Dienstagnachmittag in Kalbe im Zuge einer Lesung Wege zu mehr innerer Gelassenheit, zu mehr Zufriedenheit aufzeigen wollte, gelang es offenbar nicht, jeden ihrer Zuhörer mitzunehmen. Zu abstrakt, zu entrückt wirkte einiges von dem, was die 43-Jährige da von sich gab. Erklärungen endeten mitunter in einem Kichern. Ein Ausdruck von Verlegenheit? Einordnen ließ sich das am Dienstagnachmittag jedenfalls schlecht.

Dabei hatte sich Choje Lama Palmo, die ranghöchste buddhistische Priesterin nichttibetischer Herkunft, gar nicht auf die Fahnen geschrieben, ihr Publikum zu missionieren. Stattdessen war sie nach Kalbe gekommen, um dort zu berichten, wie sie ihn für sich gefunden hat, den "Schangrila meines Herzens". Den eigenen Weg zu diesem paradiesischen Ort hat sie in einem Buch beschrieben. Und genau daraus wollte sie nun vorlesen.

Doch stattdessen entwickelte sich ein Gespräch mit den rund 30 Besuchern, die der Priesterin mit dem rasierten Kopf anfangs auch sehr aufgeschlossen entgegenlächelten. Dieser Frau im Gewand einer buddhistischen Nonne, die da im Schneidersitz auf einem Sessel saß, während alle anderen an Tischen und auf Stühlen Platz genommen hatten. Im Verlauf des Gespräches wurden einige Mienen jenseits des besagten Sessels jedoch zunehmend ernster, auch fragender. Denn offenbar vermochte es Choje Lama Palmo nicht, in die Tiefen jedes Herzens vorzudringen. Und nicht immer ergaben sich auf Fragen nach methodischer Aufarbeitung befriedigende Antworten.

Die Ausführungen der Priesterin handelten von ihr selbst, von einer sehr frühen Sehnsucht nach Spiritualität. Schon im Kindesalter sei die bei ihr so ausgeprägt gewesen, dass sie beim Beten des "Vaterunser" zuweilen ohnmächtig geworden sei. So tief habe sie gefühlt, berichtete Choje Lama Palmo, die mit bürgerlichen Namen eigentlich Sabine Januschke heißt. 1970 wurde sie in Österreich geboren und genoss anschließend eine katholische Erziehung. In den 1990er Jahren fand sie dann jedoch bei einer Asien-Reise - die Wienerin arbeitete damals als freie Journalistin an einer Reportage über buddhistische Zeremonien - den Weg zu dieser Religion. "Und das bedeutete den Einstieg in mein wahres Leben. Alles andere vorher war nur das Vorspiel", so Choje Lama Palmo.

Sie berichtete von der dreijährigen Gruppenklausur, die sie nach den ersten Gelübden in einem amerikanischen Kloster zu absolvieren hatte und durch die sie es letztlich vermochte, "die Neurosen, die dabei zum Vorschein kamen, zu Mitgefühl zu transformieren". Feste Regeln ermöglichten es ihr, komplette Hingabe zu entwickeln. Zudem habe diese Klausur sie vor allem eines gelehrt: "Vertrauen. Denn das ist der Sinn des Ganzen und ein sehr individueller Prozess, der sich immer weiter vertiefen lässt. Dabei entstehen dann auch neue Werte. Sie sind so etwas wie ein Nebenprodukt", berichtete die Frau, die es sich zum Ziel gemacht hat, irgendwann ein eigenes Kloster zu bauen.

Seit einiger Zeit leitet sie die europäische Dependance der Palpung Kongregation. Dabei handelt es sich um einen weltweiten Zusammenschluss von Klöstern und Tempeln. Und weil das eine Menge Arbeit und Verantwortung mit sich bringt, "darf ich eben nicht nur meditieren", so die Wienerin, die im Satus eines Choje besondere Aufgaben wahrzunehmen hat. Und dazu gehört auch organisatorischer Aufwand, der sich nur mit der Hilfe eines weltlichen Computers und des Internets bestreiten lässt.

Ansonsten, erklärte Choje Lama Palmo, brauche sie nicht viel zum Leben, erst recht keine Beziehung. Sie habe allem Materiellen abgeschworen. "Ich habe ein Bett und was zum Anziehen. Und ich esse, was man mir hinstellt", sagte die Frau, deren Zuhörer zuvor ein nicht ganz unerhebliches Eintrittsgeld gezahlt hatten. "Aber irgendwie", so meinte jemand aus dem Publikum hinterher, "hat bei dem Vortrag Herzwärme gefehlt." Der Funke der Inspiration für die Suche nach einem indivuellen Lebensmodell, er sei, sagte auch ein anderer, einfach nicht übergesprungen.