Die Großeltern in der Nähe und sichere Kinderbetreuungsplätze - das waren für Lena Grunack und ihren Mann Tobias entscheidende Gründe, nach Letzlingen zu ziehen. Die junge Mutter will nun auch beruflich wieder aktiv werden.

Letzlingen l Sie sind wohl so ein Beispiel dafür, wie es sich Politiker und Wissenschaftler, die mit Sorge den Bevölkerungsrückgang in der Altmark betrachten, öfter wünschen würden. Lena und Tobias Grunack aus Letzlingen kehrten in die Region zurück - und das mit Kind und Kegel. Zurzeit baut sich die Familie in Letzlingen ein Haus. Jetzt will die 28-Jährige ihren Beruf als Hebamme wieder aufnehmen, ihr Mann ist im Außendienst tätig. Lena Grunack stammt aus Letzlingen, besuchte bis 2005 das Gardeleger Gymnasium und fing nach dem Abitur die dreijährige Ausbildung zur Hebamme an - in Ulm. "Ich hätte das in Magdeburg machen können, wollte aber in die Nähe von Tobias." Ihr Mann, der aus Beese bei Bismark stammt, studierte dort in der Nähe.

"Spätestens mit Kindern zurück"

Dass Grunack Hebamme werden will, "stand eigentlich schon fest, seitdem ich zwölf bin - mit einigen kleinen Unterbrechungen", erzählt sie. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie in einem Klinikum in der Oberpfalz. Schon damals stand fest, "dass wir irgendwann wieder zurückwollen, spätestens mit Kindern". 2010 kam Grunacks Sohn Paul zur Welt. "Eigentlich müsste jede Hebamme mindestens ein Kind bekommen", sagt Lena Grunack lachend. Denn man könne den Frauen unter der Geburt dann doch ein bisschen besser nachfühlen, wenn "man selbst eine Geburt erlebt hat". Ihre Ausbildung als Hebamme "sei die beste Vorbereitung auf die Geburt gewesen, die man haben kann". Nach der Elternzeit begann Grunack als freiberufliche Hebamme in einer Klinik in Cham, ebenfalls in der Oberpfalz. Und mit Kind merkt man "dann schon, ob Oma und Opa in der Nähe sind oder nicht", sagt Grunack. Die Kita war 25 Kilometer entfernt, manche Einrichtungen öffneten nur stundenweise. Auch die Kinderbetreuung war ein Grund, warum die junge Familie zurück in die Altmark wollte. "Das ist hier ein Riesenvorteil", betont die junge Mutter. Viele Mütter in der Region seien zu Hause, weil sich Beruf und Kinder nur schwer vereinbaren ließen, weil die Kinderbetreuung nicht so ausgebaut sei wie in Sachsen-Anhalt. Jetzt ist es ein morgendlicher Spaziergang, wenn die 28-Jährige Sohn Paul in die Kita Heideblümchen bringt.

Auf der Entbindungsstation in Cham arbeitete Grunack bis zur zweiten Schwangerschaft, Sohn Michel kam im vergangenen Jahr aber schon in Gardelegen zur Welt. "Ich habe mich dort super betreut gefühlt auf der Entbindungsstation", so Grunack. Die Familie war vor knapp einem Jahr nach Letzlingen zurückgezogen, nachdem ihr Mann eine Arbeit gefunden hatte.

"Die Arbeit ein bisschen besser einteilen"

An ihrem Beruf hat Grunack im Jugendalter zunächst vor allem der Umgang mit Babys gereizt, doch das hat sich relativiert. "Es macht mir unheimlich Spaß, Schwangere über den langen Zeitraum in dieser besonderen Zeit zu begleiten." Deshalb bietet sie ab sofort Kurse zur Geburtsvorbereitung, Rückbildung und Babymassage sowie Wochenbettbesuche an. "Der Nachteil in einer Klinik ist, dass man die Frauen immer erst in einer Ausnahmesituation - und das ist eine Geburt nun einmal - kennenlernt." Deswegen hat sie sich nun zunächst für die Tätigkeit als freiberufliche Hebamme entschieden. Auch wegen ihrer zwei Kinder, "denn dann kann ich meine Arbeit doch ein bisschen besser einteilen". Und ihre Eltern Annette und Manfred Grunack springen bei der Betreuung der Enkel nur zu gerne ein.

Ganz in Sichtweite ihrer Wohnung hat die junge Familie zurzeit noch ein Großprojekt: den Hausbau. Wenn es gut läuft, kann die Familie im Herbst einziehen. "Und dann sind wir wieder richtig hier angekommen", freut sich Grunack bereits.