Mehr als hundert Teilnehmer, Vertreter der Stadt Gardelegen, des Landkreises und verschiedener Institutionen gedachten gestern auf dem Gräberfeld der Gardeleger Gedenkstätte Isenschnibbe der Opfer des Nationalsozialismus. Die Ansprache hielt Holger Stahlknecht.

Gardelegen l "Es ist schön, so viele Menschen an diesem Tag an dieser Stätte zu sehen", lobte Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs. Wie schon in vielen Jahren zuvor am 27. Januar hatte der Stadtchef - und mit ihm viele andere - am Gräberfeld der Gedenkstätte Isenschnibbe gestern einen Kranz abgelegt, um die Toten des Feldscheune-Massakers stellvertretend für alle Opfer des Nationalsozialismus zu ehren. Die Rede anlässlich des Gedenktages hielt Fuchs diesmal allerdings nicht. Mit Innenminister Holger Stahlknecht hatte sich ein Mitglied der Landesregierung angesagt. Für die gab es im Vorfeld von Gardelegens Bürgermeister aber zunächst einmal ein Lob: "Um diese Stätte zu erhalten, spielte das Land immer eine wesentliche Rolle, auch finanziell", so Fuchs, "wir fühlen uns gut betreut."

Fuchs zweites Kompliment schließlich richtete sich an den Gardeleger Torsten Haarseim "für die Art, wie er das Thema Mahn-und Gedenkstätte besonders für die Jugendlichen aufgearbeitet" habe und für die Ergebnisse seiner Forschung, die in das Buch "Gardelegen Holocaust" eingeflossen seien, und "die selbst mich noch überraschten."

Und jenes Buch, dass der Gardeleger Autor im vergangenen Jahr herausgebracht hatte, hatte offensichtlich auch Stahlknecht berührt. Die fiktive Geschichte nutzte der Innenminister ebenfalls für seine Rede. Sie nämlich zeige, neben aller Tragik, auch die Aberwitzigkeit jener Zeit, in der ein "verbrecherisches Regime es schaffte, ein aufgeschlossenes Land im 20. Jahrhundert gleichzuschalten", aus "liebevollen Familienvätern oder virtuosen Geigenspielern" Mörder zu machen. Für ihn, so Stahlknecht, sei bei dem Gedanken an die Zeit des Nationalsozialismus letztendlich auch die "Banalität des Bösen" so erschreckend.

Auch darum sei es wichtig, sich zu erinnern und die Bitte des amerikanischen Generals Frank A. Keating nicht zu vergessen, der die Gardeleger gebeten habe, "die Gedenkstätte zu bewahren, und das auf unbestimmte Zeit". Es sei Verpflichtung daran zu erinnern, "dass niemand das Recht hat zu bewerten, das einer mehr wert sei, als der andere. Stahlknecht: "Ich verneige mich vor denen, die hier ihr Leben gelassen haben."

Das Land, so versicherte der Innenminister, werde die Gardeleger Gedenkstätte gern in die Landesgedenkstättenstiftung aufnehmen. "Die Pflicht zur Erinnerung lassen Sie uns aber gemeinsam tragen."

Dass sie dazu bereit sind, zeigten die Gardeleger gestern deutlich. Mit ihrer zahlreichen Anwesenheit und einer würdigen Umrahmung.

   

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