Ein halbes Jahr Umstellungszeit gewährt die Post allen Kunden nach einer Straßenumbenennung. In Gardelegen ist sie seit November abgelaufen - wie einige Bürger derzeit - mit Verärgerung - feststellen.

Estedt l Ilja Heinrichs ist wütend. Das sagt sie selbst, als sie ihren Leserbrief in der Gardeleger Volksstimme-Redaktion einreicht, und das ist jenem Schriftstück auch deutlich zu entnehmen.

Es geht ums Thema Post. Die bekommt jeder gern, insbesondere zur Weihnachtszeit. Nicht überall jedoch kamen die Karten und Briefe offenbar an: "Jedwede Post, ob Weihnachtskarten von lieben Bekannten, Stromrechnungen, jährliche Kontoauszüge, Kfz-Versicherungen und so weiter haben ihren Empfänger in Estedt - wenn die Straßenbezeichnung Chausseestraße war - nicht erreicht", so die Estedterin. Die Post habe alle Sendungen, die noch darunter adressiert waren, nicht ausgeliefert, selbst wenn alle anderen Angaben, wie Ortsbezeichnung und Postleitzahl, richtig gewesen seien. Ihr sei teilweise erst mit der Belastung ihres Kontos aufgefallen, dass die Belege fehlten, schimpft Heinrichs, und fragt: "Wie kann man nur so verbohrt sein, seine eigenen Kunden mit dieser Maßnahme zu verprellen?"

Den guten Ruf, den die Post einst genossen habe, weil deren Mitarbeiter "den Empfänger auch ohne Straßennamen fanden", sieht die Leserin verspielt. Heinrichs: "Das Briefporto kann man ruhig zweimal hintereinander erhöhen, das müssen die Kunden einsehen, aber wehe, wenn der Straßenname - Chausseestraße statt Chaussee - falsch ist", dann werde die Post einfach zurückgeschickt.

Genau damit jedoch müssen von jetzt an alle Bürger rechnen, die ihre Kontaktpartner noch nicht über die geänderte Adresse informiert hätten, bestätigt Maike Wintjen, Pressesprecherin der Deutschen Post, auf Nachfrage.

Sie sieht die Schuld für die Rücksendungen bei den Bürgern: "Wenn sich ein Empfänger beschwert, hat er seine Kontaktdaten nicht auf den neuesten Stand gebracht. Nicht wir, der Absender ist für die korrekte Adressierung verantwortlich. Und: "Wir können ja nichts für die Gebietsreform."

Letztere war der Grund dafür gewesen, dass rund 60 Straßennamen der Einheitgemeinde Gardelegen umbenannt werden mussten, um Doppelungen zu vermeiden. Seither muss bei Adressen außerhalb der Kernstadt zudem generell der Ortsteil hinzugefügt werden. Seien diese Angaben nicht korrekt, werde der Brief oder die Karte von der Software der Sortiermaschinen nicht erkannt und ausgeworfen. Solche Postsendungen müssten dann per Hand nachsortiert werden. Und das koste Zeit. "Kommt die Post mit Verzögerungen an, beklagen sich die Kunden auch wieder", versichert Wintjen.

"Irgendwann muss man eben sagen, wir sind raus aus dem Spielbetrieb."

Briefe innerhalb Deutschlands würden innerhalb von 24 Stunden zugestellt. "Diesen hohen Standard wollen wir halten." Dies funktioniere aber nur bei korrekter Adressierung. Und die sei Pflicht, und zwar seit dem 1. November. Die Umbenennungen seien im März 2013 abgeschlossen, die neue Adressierung ab April vorgeschrieben gewesen, erläutert Wintjen. Von diesem festgelegten Zeitpunkt an gebe die Post ihren Kunden dann aber noch zusätzlich ein halbes Jahr Zeit, um alle betreffenden Briefpartner über die neue Adresse zu informieren, Briefbögen zu ändern und ähnliches. "Aber irgendwann muss man eben sagen, wir sind raus aus dem Spielbetrieb. Von jetzt an wird es ernst", so Wintjen. Es gebe nämlich auch immer wieder unbelehrbare Bürger, die sich gar nicht um die Pflege ihrer Kontaktdaten kümmern würden. "Und wir können ja nicht auf Verdacht zustellen."

Übrigens: Wer bezüglich seiner Adresse über wirklich jeden Verdacht erhaben sein will, sollte vorsichtshalber auf ein weiteres Detail achten: Korrekt heißt es laut Auskunft aus dem Einwohnermeldeamt Gardelegen nämlich Hansestadt Gardelegen und nicht nur Gardelegen. Bislang ist allerdings wohl noch kein Fall bekannt, in dem ein Brief deshalb nicht ankam.