Er stand wieder allen offen, der Bürgerempfang in Gardelegen. Etliche Plätze im Schützenhaus blieben dennoch leer. Die, die gekommen waren, erwartete nach der Rede des Bürgermeisters eine Stunde lang Blasmusik und danach viele Möglichkeiten zum Plaudern.

Gardelegen l Seit mittlerweile drei Jahren gibt es keinen offiziellen Neujahrsempfang mehr. Der ist einem sogenannten Bürgerempfang gewichen. Der Grund ist simpel: "In einem solchen Gebiet kann man gar nicht alle einladen", so Bürgermeister Konrad Fuchs. Aus diesem Grund seien in Gardelegen einfach alle eingeladen, "und wer kommt, signalisiert, dass er mit uns die Zukunft gestalten will".

Bevor es in "guten Gesprächen miteinander und nicht übereinander" - wie er es sich wünschte - allerdings um die Zukunft ging, schaute Fuchs zunächst noch einmal in die Vergangenheit, und zwar in die Jahre nach der Gebietsreform zurück, die keine Liebesheirat, nicht einmal eine Zweckehe, sondern eine vom Land arrangierte Verbindung gewesen sei. Zumal die Hochzeitsfeier den Brautleuten finanziell auch noch eine böse Mitgift beschert hatte: Rund 16 Millionen Euro tief war das Schuldenloch, erinnerte Fuchs.

"Ich finde, wir haben Kompetenz bewiesen."

Dafür, dass es aktuell mehr als zur Hälfte abgebaut wurde, aber auch für den gewaltigen Kraftakt, der geleistet werden musste, um aus zwei Verwaltungen eine zu machen, müsse er sich bei allen bedanken, die dazu beigetragen hätten, so Fuchs: "Ich finde, wir haben Kompetenz bewiesen."

Nicht verstecken müsse sich die Stadt aber auch in vielerlei anderer Hinsicht. So gab es Lob für die Gardeleger Wobau, die mit einem Durchschnittsquadratmeterpreis von 4,18 Euro "deutschlandweit" den günstigsten sanierten Wohnraum biete. "Mit diesem Pfund sollten wir wuchern", empfahl Fuchs. Das gelte ebenso für die gute und preiswerte Kinderbetreuung - um die ihn Amtskollegen aus den alten Bundesländern stets beneiden würden - oder die "hervorragende Schullandschaft". Hier und da gebe es zwar noch Sanierungsbedarf, "aber auch da sind wir auf einem guten Weg", so Fuchs. Als Beispiele nannte er die Baumaßnahmen an Kita und Schule in Mieste. Und für jeden der Besucher, der in diesem Moment an die reparaturbedürftige Grundschule Estedt dachte, machte Fuchs seine Meinung auch gleich deutlich: "Ich finde es richtig, dass wir Geld nur dahin geben, wo es nachhaltig eingesetzt wird."

Dass für ihn auch Themen wie Sport, Kultur und Brauchtumspflege zu den weichen Standortfaktoren gehören, machte Fuchs in seiner Rede ebenfalls klar. So lobte er die Bürger für ihr Engagement in den vielen Vereinen. Als besonders positive Beispiele nannte Fuchs den Verein Historische Region Lindstedt, den Förderverein der Gardeleger Bibliothek und den Jävenitzer Heimatverein. "Aber überall, wo sich Menschen einbringen, ist es lebenswert", sagte Fuchs und schuf damit gleich eine Überleitung zu den 687 aktiven Kameraden der 27 Ortswehren und drei Löschgruppen, die ihm am Dienstagabend besonders am Herzen lagen. Ihnen allen sei er außerordentlichen dankbar für ihre Einsatzbereitschaft, versicherte der Bürgermeister. Erst der jüngste Brand an der Notpforte habe ihm wieder die Bedeutung der Wehren vor Augen geführt.

Fuchs warb deshalb auch gleich um Nachwuchs. Seine Bitte an alle Gäste: "Wir brauchen aktive Kameraden zwischen 18 und 65 Jahren. Bitte nehmen Sie das mit nach draußen."

Sein Dank nach einer ganzen Stunde Blasmusik galt schließlich auch den Musikern des Feuerwehrmusikzuges Mieste, die in diesem Jahr für die Unterhaltung zuständig waren, bevor sich die Gäste des diesjährigen Gardeleger Bürgerempfanges ans Büfett und in gesellige Gesprächsrunden begaben.

   

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