Am Montag entscheidet der Stiftungsrat der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt über die Aufnahme der Mahn- und Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe in die Stiftung. Der Trägerwechsel könnte zum 1. Januar 2015 erfolgen.

Gardelegen l Im kommenden Jahr jährt sich zum 70. Mal das Feldscheunen-Massaker. Dann könnte der seit Jahren von der Hansestadt Gardelegen erhoffte Trägerwechsel vollzogen sein. Denn nachdem der Landtag sich bereits Ende 2012 dafür ausgesprochen hatte, dass die Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe in die Gedenkstättenstiftung des Landes Sachsen-Anhalt aufgenommen wird, steht nun eine Entscheidung des Stiftungsrates unmittelbar bevor. Am Montag kommt das Gremium zusammen - mit einer positiven Botschaft ist zu rechnen.

Er habe keine Veranlassung zu glauben, "dass es nicht angenommen wird", sagte Dr. Kai Langer, Direktor der Landesgedenkstättenstiftung, im Gespräch mit der Volksstimme. Sollte es am Montag ein positives Votum geben, muss noch die Landesregierung zustimmen. Dieses Prozedere beim Übernahmeverfahren ist im Gesetz über die Errichtung der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt geregelt. Die Hansestadt Gardelegen hat bereits ihr Einverständnis für die Übernahme erklärt.

"Das Geld für Investitionen ist da"

Als sich der Landtag Ende 2012 einstimmig für die Übernahme ausgesprochen hat, war ein Ziel vorgegeben worden: Im Landeshaushalt soll es Geld dafür geben, eine Gedenkstätte zu schaffen, die die modernen wissenschaftlichen und pä-dagogischen Standards erfüllt. "Das Geld für Investitionen ist da", sagte Dr. Kai Langer. Bis 2017 sollen rund 3,1 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt ausgegeben werden. Geplant sind ein Besucher- und Dokumentationszentrum, zu dem eine Dauerausstellung gehören soll. Für den Bau des Zentrums sind 2,6 Millionen Euro vorgesehen, für den Aufbau der Dauerausstellung 500000 Euro, informierte die Stiftungsdirektor.

Wenn Stiftungsrat und Landesregierung zustimmen, soll der Trägerwechsel formal zum 1. Januar 2015 erfolgen. Dazu werde ein Vertrag mit der Hansestadt Gardelegen geschlossen, in dem unter anderem die Übernahme der Grundstücke geregelt wird. Erste Gespräche dazu habe es bereits im vergangenen Jahr gegeben, sagte Dr. Kai Langer. Darin habe die Stadt erklärt, sich auch nach der Übernahme in die Gedenkstättenstiftung weiterhin finanziell am Unterhalt der Mahn- und Gedenkstätte zu beteiligen.

Wenn beide Seiten zustimmen, kann schon in diesem Jahr - also vor dem offiziellen Trägerwechsel - mit der Arbeit begonnen werden, zum Beispiel mit den Planungen für das Besucher- und Dokumentationszentrum. Zudem könnte die Stiftung schon die Stelle eines kommissarischen Leiters oder einer kommissarischen Leiterin ausschreiben, damit er oder sie den Bau begleiten und mit der konzeptionellen Arbeit beginnen können. Geplant ist zum Beispiel, dass künftig Pädagogen Schulklassen und andere Besuchergruppen betreuen.

Bürgermeister Konrad Fuchs freut sich, dass nun endlich eine Entscheidung ansteht. "Ich bin froh und zufrieden, dass es so klappt", sagte er gestern auf Nachfrage. Der Entscheidung des Stiftungsrates blickt er sehr optimistisch entgegen angesichts der guten Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Mit der Übernahme in die Stiftung und dem Bau des Dokumentationszentrums werde "es wohl so sein, dass die Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe an Bedeutung zunehmen wird, denn es wird Geschichte aufgearbeitet und präsentiert", sagte Fuchs. Die Bedeutung könnte seiner Ansicht nach wachsen, weil es bezüglich der Todesmärsche - auch die im Raum Gardelegen - noch erheblichen Forschungsbedarf gebe.