In Kalbe soll es so etwas wie einen Begrüßungsabend, aber auch anderweitige Unterstützung für die Asylbewerber geben, die jetzt nach und nach in Wohnungen auf dem Petersberg untergebracht werden. Das ist das Ergebnis einer gut besuchten Veranstaltung, die am Dienstagabend im Gemeinderaum stattfand.

Kalbe l "Für uns stellt sich die Frage: Wie können wir die Menschen aufnehmen?" Mit diesen Worten machte Jens Eichenberg vom Verein der Altstadtnachbarn deutlich, worum es bei der Informationsveranstaltung am Dienstagabend im evangelischen Gemeinderaum Kalbe ging.

"Deutschkurse? Automatisch passiert da leider gar nichts."

Referentin Françoise Greve

Rund 30 Frauen und Männer, darunter Vertreter verschiedener Kalbenser Vereine und Institutionen, hatten sich dort eingefunden, um sich über das Asylrecht aufklären zu lassen, aber auch und vor allem, um darüber zu beraten, wie für die Neubürger - rund 30 Personen aus Krisengebieten werden bis April in der Milde-Stadt erwartet, elf sind bereits da - eine Art Willkommenskultur zu schaffen ist. Die Organisatoren, bei denen es sich um Ortsbürgermeister Mirko Wolff, um den Verein der Altstadtnachbarn sowie die evangelische Kirchgemeinde Kalbe handelte, zeigten sich mit der Resonanz jedenfalls sehr zufrieden.

Vertreter des Vereins "Miteinander", mit dessen Unterstützung Referentin Françoise Greve nach Kalbe geholt worden war, erklärten die Runde allerdings gleich zu Beginn zur "geschlossenen Veranstaltung" und sprachen ein generelles Fotografieverbot aus.

Greve informierte ganz allgemein über das Asylrecht und über den unterschiedlichen Status, den Menschen aus Krisengebieten haben können (siehe Bericht unten), beantwortete aber auch detaillierte Fragen aus der Runde. Zum Beispiel die nach etwaigen Sprachkursen. "Deutschkurse? Automatisch passiert da leider gar nichts. Deshalb", so die Referentin, "ist auf lokaler Ebene Engagement gefragt." Und genau das soll es in Kalbe geben, zum Beispiel in Form einer schulischen Begleitung der Asylbewerberkinder (siehe Info-Kasten).

Geplant ist allerdings auch, die Neuankömmlinge materiell zu unterstützen. Denn die Erstausstattung ihrer Wohnungen sei recht spartanisch und es fehle an vielem, wie Ines Bühnemann zu berichten wusste. Sie ist bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) für gesonderte Betreuung und Beratung zuständig und betreut in diesem Zuge auch die Kalbenser Neubürger.

"Wir sind zu der ganzen Sache ja gekommen wie die Jungfrau zum Kinde."

Bürgermeister Karsten Ruth

Ihnen könnte möglicherweise auch mithilfe des Künstlerstadt-Vereins Unterstützung zuteil werden, wie in der Runde am Dienstagabend deutlich wurde. Denn dieser verfügt über eine Art Zwischenlager und hat im Rahmen eigener Projekte bereits gebrauchtes Mobiliar und Elektrogeräte zusammengetragen.

Zudem soll es in absehbarer Zeit eine Art Begrüßungsabend für die Neubürger geben. "Aber lassen Sie sich nicht irritieren, wenn nicht alle sofort für ihre Angebote empfänglich sind", mahnte Françoise Greve die Anwesenden. "Jeder Flüchtling ist ein eigenes Individuum." Manche seien zurückhaltend oder auch traumatisiert.

Greve äußerte sich abschließend sehr begeistert über das Interesse an der Gesamtthematik. Allerdings mahnte Einheitsgemeinde-Bürgermeister Karsten Ruth: "Man muss dabei auch die Kalbenser mitnehmen." Denn es gäbe nicht wenige, die der neuen Situation in ihrer Stadt ängstlich gegenüberstehen würden. "Wir sind zu der ganzen Sache ja gekommen wie die Jungfrau zum Kinde", so Ruth. Jetzt gelte es, das Beste daraus zu machen. Und es sieht, zumindest für den Anfang, schon sehr gut aus.