Die DB Vertrieb GmbH hat den mobilen Vertriebservice für Gardelegen aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Der Gardeleger Bahnhof wird nicht mehr angefahren. Fahrkarten gibt es jetzt nur noch am Automaten, über das Internet oder am Automaten in den Regionalzügen.

Gardelegen l Otilia Schmidt aus Gardelegen gehört zwar mit ihren 72 Jahren zu den Senioren, ist aber nicht nur in ihrem Aussehen jung geblieben, sondern auch in ihrer Unternehmensfreude. Sie hat das Reisen für sich entdeckt, und zwar mit der Bahn, denn nach dem Tod ihres Mannes hat sie kein Auto mehr. Ihr Sohn wohnt in Niedersachsen. Und sie reist gern mit der Bahn - quer durch Deutschland, zu ihrem Sohn oder zu Verwandten und Bekannten. Otilia Schmidt hat eine Bahncard und nutzt auch gern die Sparangebote der Bahn. So zum Beispiel das Quer-durchs-Land-Ticket. Damit möchte sie im Juli nach Regensburg und Aachen und dann auf den Spuren Karls des Großen wandern. Otilia Schmidt steht allerdings vor einem Problem. "Wo bekomme ich Fahrkarten her?", fragte sie, denn mit Bedauern hat sie zur Kenntnis nehmen müssen, dass der mobile Fahrkartenverkauf am Gardeleger Bahnhof eingestellt wurde. "Den habe ich regelmäßig genutzt, auch mein Bekanntenkreis", erzählt die 72-Jährige.

Zusätzliche Dienstleistung angeboten

Nach Schließung der Agentur im Bahnhof hatte sie sich gefreut, als diese Dienstleistung eingeführt wurde und Bahnreisende einmal in der Woche, freitags von 12 bis 14 Uhr, Fahrkarten kaufen und andere Serviceangebote nutzen konnten.

Der Fahrkartenautomat im Bahnhof wäre vor allem für Ältere nicht optimal. Die Automaten in den Regionalzügen seien auch nicht immer betriebsbereit. "Und wenn dann beispielsweise auf der Strecke nach Oebisfelde-Wolfsburg kein Zugbegleiter vor Ort ist, dann fahre ich ohne Fahrschein", so Otilia Schmidt. Und das sei schließlich auch nicht erlaubt.

Zuständig für die Vertriebsleistungen ist die DB Vertrieb GmbH mit Sitz in Magdeburg. Die Gesellschaft hat unter anderem mit dem Land Sachsen-Anhalt Verträge abgeschlossen. Und die regeln auch, an welchen Standorten personenbesetzte Servicestellen vorzuhalten sind, erläuterte auf Anfrage Sabine Läßig, Leiterin des Verkaufsbezirkes Sachsen-Anhalt/Thüringen. Da gehöre beispielsweise Wolmirstedt dazu. Dort sei der Fahrkartenverkauf über eine private Agentur erfolgt. Nach deren Schließung sei Wolmirstedt an mehreren Wochentagen mit dem Mobil angefahren worden - als Übergangslösung, bis im Bahnhof selbst ein modernes Reisezentrum geschaffen werden konnte. Gardelegen indes gehöre nicht zu diesen Standorten, die das Land vertraglich mit personell besetzten Servicebüros bestimmt hat.

"Wir haben diese Standorte wie Gardelegen zusätzlich zu unseren Pflichtaufgaben mit dem Mobil angefahren. Das war ein Test, aber es hat sich nicht gelohnt", räumte Sabine Läßig ein. Der Einsatz des Mobils sei wirtschaftlich nicht mehr vertretbar gewesen.

Unterdessen habe das Unternehmen das Konzept für seinen mobilen Vertriebservices überarbeitet. Das bedeute, dass für die DB Vertrieb GmbH die verkehrsvertraglichen Präsenzpflichten künftig im Vordergrund stehen würden. Das Fahrkartenmobil werde künftig vor allem dann eingesetzt, wenn Agenturen kurzfristig ausfallen.

Verkauf nur noch über Automaten und Internet

In Gardelegen wird es damit Fahrkarten nur noch am Automaten geben. Der ist momentan allerdings kaputt und abgebaut, nachdem unbekannte Täter das Gerät gesprengt und die Geldkassette gestohlen hatten. "Der Automat wird schnellstmöglich repariert", versicherte gestern Sabine Läßig. Wann der Automat wieder genutzt werden kann, sei derzeit aber noch unklar. Ansonsten seien die Fahrkarten über das Internet erhältlich.

Das Fahrkartenmobil kann aber künftig auch weiterhin für besondere Veranstaltungen, wie beispielsweise den Sachsen-Anhalt-Tag, geordert werden.