Hunderte Hände hätte Oberst Dieter Sladeczek gestern zu schütteln gehabt, wenn er sich von jedem einzelnen Mitarbeiter des Gefechtsübungszentrums persönlich verabschiedet hätte. Nach 42 Jahre endete seine Dienstzeit bei der Bundeswehr mit einem großen Appell.

Letzlingen l Es war fast zum Schluss seiner Rede, als Oberst Dieter Sladeczek sagte, dass nun der Punkt gekommen sei, an dem man von einem lachenden und einem weinenden Auge beim Abschied spräche. Doch das werde er nicht, betonte der scheidende Leiter des Bereiches Ausbildung und Übung im Gefechtsübungszentrum Heer in Letzlingen. "Ich gehe mit großer Zufriedenheit, guten Gedanken und offenen Augen. Denn wer vorausschaut, kann sehen, was in der Zukunft kommt." Militärisch korrekt waren die letzten offiziellen Worte im Dienst des Obersts: "Ich melde mich ab."

Seit Oktober 2005 leitete der gebürtige Wolfsburger den Bereich der Ausbildung und Übung im Gefechtsübungszentrum Heer Letzlingen (GÜZ). "Sie waren erster Ansprechpartner für die Übungstruppe und damit das `Gesicht des GÜZ` und Motor und Ideengeber für die Durchführung und Weiterentwicklung der Einsatzausbildung aller Truppengattungen des Heeres", umriss Oberst Gunter Schneider, Leiter des GÜZ, den weiten Aufgabenbereich von Oberst Sladeczek.

Eineinhalb Erdumrundungen in acht Jahren

"Heute übergeben Sie nicht nur den Bereich Ausbildung und Übung, sondern wir verabschieden Sie auch ehrenvoll in den wohlverdienten Ruhestand", stellte Oberst Schneider klar. Für insgesamt 164 Übungsdurchgänge mit rund 100000 Soldaten in den etwas mehr als acht Jahren seiner Dienstzeit im GÜZ zeichnete Oberst Sladeczek verantwortlich. Unter dem Decknamen Husar habe er mit seinem ersten und einzigen Kraftfahrer dabei rund 66000 Kilometer auf dem Truppenübungsplatz zurückgelegt, berichtete der Leiter des GÜZ in seiner Rede. "Das sind eineinhalb Erdumrundungen", rechnete Gunter Schneider um. Humorvoll ging die Aufzählung einiger Fakten aus der Dienstzeit im GÜZ weiter. 16000 Besucher habe Oberst Sladeczek erlebt und manchmal auch erlitten, sagte Schneider. "Und man kann sagen, Sie haben sie alle gehabt. Vom Bundespräsidenten über die Bundeskanzlerin bis zu vier Verteidigungsministern und den diversen Inspekteuren des Heeres ganz zu schweigen", zog Oberst Schneider Bilanz. Und: "Alles in allem haben Sie eine erstklassige fachliche Visitenkarte für das GÜZ, für uns, aber auch für das deutsche Heer abgegeben."

Er habe die Ehre, sich bei diesem Appell an alle Mitarbeiter des Gefechtsübungszentrums wenden zu können, betonte Oberst Sladeczek, bevor er sich bei allen angetretenen Damen und Herren für die gute Zusammenarbeit und viel Verständnis bedankte. Das Bundeswehrdienstleistungszentrum vergaß er ebensowenig wie die Herren der Güteprüfstelle, die Mitarbeiter des zivilen Betreibers Rheinmetall und die Kameraden der Berufsfeuerwehr. Dank sprach er dem Ausbildungsbataillon, der Sanitätsstaffel und den Kameraden der Stabsstelle aus. "In dieser Konstellation habe ich den besten Dienstposten gehabt, den ich mir vorstellen kann - und zwar bis zum Schluss."

Bilder