Die ehemalige Bahnstrecke zwischen Salzwedel und Klötze wird freigeschnitten. Inzwischen gab es Gespräche im Landrats-amt zur Wiederbelebung des Schienenverkehrs.

Salzwedel l Zwischen Landrat Michael Ziche und dem Geschäftsführer der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE), Gerhard J. Curth, sowie Michael Schrader, Regionalvorsitzender des Bahnkundenverbandes Altmark-Wendland (DBV), hat es die Anfang Januar angekündigten Gespräche gegeben. Hintergrund ist die Wiederbelebung der Bahnstrecken zwischen Salzwedel und Klötze sowie Salzwedel/Arendsee. Schrader zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. Der Landrat stehe dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber.

Das bestätigte Michael Ziche: "Wenn sich das Vorhaben trägt, zu einer Verbesserung der Mobilität führt, in unser Nahverkehrskonzept passt und der Wirtschaft nützt, schließen wir uns nicht aus", sagt er. Allerdings habe er erwartet, dass die DRE und der DBV ein in Aussicht gestelltes Konzept für eine mögliche touristische Nutzung vorlegen. Das sei bisher nicht geschehen, so dass die Gespräche eher unkonkret verlaufen seien.

Das Konzept werde momentan erarbeitet, berichtete Michael Schrader. DRE und DBV haben sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, noch in diesem Jahr auf beiden Strecken Sonderzüge zu Veranstaltungen fahren zu lassen (wir berichteten). Ganz konkret gilt das für die Strecke Salzwedel/Klötze, auf der zum Martinimarkt Züge rollen sollen, wie Schrader bereits mehrfach angekündigt hatte.

Seit einigen Tagen werden die Bahngleise auf Höhe des Salzwedeler Kronsberges von Schrader und seinen Kollegen freigeschnitten. Die Meinungen der Anwohner darüber sind gespalten. "Von der Wiederbelebung halte ich absolut nichts. Das ist ein totgeborenes Kind", sagte einer. Eine gegenteilige Antwort gab ein älterer Herr: "Je mehr Güterverkehr passieren kann, desto besser. Die drei Züge am Tag werden kaum auffallen."

"Endlich wird die Strecke sauber gemacht."

Bettina Engelhardt

Familie Engelhardt, deren Haus knappe 20 Meter von den Schienen entfernt steht, nimmt die Umstände locker auf: "Endlich wird die Strecke sauber gemacht", sagt Bettina Engelhardt. Dass die Gleise des Öfteren schon als Müllhalde für Gartenabfälle genutzt wurden, ärgerte sie. Ihr Mann Andreas sieht das Projekt mit Skepsis: "Wer will denn hier Güter transportieren? Das muss sich ja auch rentieren." Ohne die Anbindung an Wolfsburg sei das Projekt dem Untergang geweiht, überlegt er weiter. Über den Lärm hingegen machen sie sich keine Gedanken: "Wir kennen das noch von früher, als der Zug auf Höhe unseres Hauses hupen musste, weil ein paar Meter weiter ein Bahnübergang ist." Wenn der Fahrbetrieb allerdings sehr hoch sein würde, so spekuliert Engelhardt, würde es sicherlich Widerstand von Anwohnern geben.

In einer benachbarten Kindertagesstätte wird das Ganze positiv gesehen. "Vorbeifahrende Züge sind hoch interessant für die Kinder", erzählt eine Erzieherin. "Dann haben sie was zu sehen und können Eindrücke sammeln." In einem Punkt sind sich alle einig: Viel schlimmer als der Güterverkehr wäre der Ausbau einer Straße für Kraftfahrzeuge.

Dass so ein Zug tatsächlich nicht viel Lärm verursachen würde, bestätigt Michael Schrader. Beim Freischneiden der Strecke stoßen er und sein Mitarbeiter immer wieder auf Probleme. Schrader: "Da hängt zum Beispiel ein Baum über den Schienen, der müsste abgesägt werden." Das müsse mit der Stadt abgesprochen werden. "Ein paar Meter weiter hat jemand einen Garten. Wenn wir den Baum einfach absägen, fällt er womöglich noch auf das Grundstück." Trotzdem liegen die Arbeiten im Zeitplan.