Kalbe l Kalbe ohne die Milde? Nicht vorstellbar! Insofern war es nur eine Frage der Zeit, wann auch dem Fluss eine jener steinernen Tafeln gewidmet wird, die sich inzwischen überall im Stadtgebiet befinden. Sie machen auf bedeutende Gebäude und Anlagen aufmerksam, enthalten geschichtliche Erläuterungen dazu und stehen unter anderem am Rathaus, am Denkmalsplatz und auf der Burg. Acht dieser Tafeln, allesamt auf Initiative des Kultur- und Heimatvereins aufgestellt, gab es bisher. Am Mittwochnachmittag wurde Nummer neun ihrer Bestimmung übergeben.

"Die Flussverhältnisse sind nicht immer so gewesen wie heute."
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Hobbyhistoriker Henning Krüger

Sie befindet sich am sogenannten Friedenseck an der Stendaler Straße. Dort gibt es eine Brücke, die über jenen Fluss führt, dem Kalbe seine Existenz zu verdanken hat. Der hieß, weiß Hobbyhistoriker Henning Krüger zu berichten, allerdings nicht immer Milde, sondern Rodowe, was soviel wie Rote Aue bedeutet. Und sie stellte einst gemeinsam mit dem von ihr gespeisten Stadtgraben die natürliche Begrenzung des Ortes Kalbe dar.

"Die Flussverhältnisse sind nicht immer so gewesen wie heute", so Krüger. Schon früh seien natürliche Gegebenheiten durch Menschenhand verändert und das sumpfige Gebiet rund um Kalbe entwässert worden. So seien zum Beispiel im 12. Jahrhundert von Albrecht dem Bären Holländer ins Land geholt worden, die damit begonnen hätten, Milde, Biese und Aland - trotz unterschiedlicher Namen handelt es sich um denselben 97 Kilometer langen Fluss - zu meliorieren. Teilweise sei dabei auch das Flussbett verlegt worden.

"Die Milde, so wie sie jetzt ist, gibt es etwa seit dem 18. Jahrhundert", weiß Krüger. Allerdings habe es sogar noch in den 1960er Jahren Veränderungen gegeben. So sei ein Düker angelegt worden, der dafür gesorgt habe, dass die Wiepker Bäke unter der Milde hindurchfließe und so den Königsgraben begründe. Zur geschichtlichen Entwicklung des Flusses und seines Umlandes hat Krüger jede Menge Material zusammengetragen. Nachzulesen ist alles auf der Internetseite www.kalbe-milde.de.

Dass es für den Fluss nun eine eigene Steintafel im Wert von mehr als 1000 Euro gibt, das ist allerdings nicht nur dem Kultur- und Heimatverein sowie einem örtlichen Steinmetz zu verdanken, sondern vor allem der Firma Dornblüth. Aus Anlass ihres 50-jährigen Bestehens, das im September 2012 gefeiert worden war, hatten sich Senior-Chef Dieter und Junior-Chef Dirk Dornblüth entschieden, eine weitere dieser Tafeln zu sponsern.

Beide nahmen nun auch an der feierlichen Übergabe teil. Dort wünschte Henning Krüger nicht nur der Milde, dass sie stetig fließen und ihr kein Hochwasser und keine Trockenheit widerfahren möge, sondern dass auch für das örtliche Unternehmen alles im Fluss bleibe.