Ein Tag der offenen Tür wurde am Wochenende wohl zum größten Ereignis in Gardelegen: Hunderte Besucher schauten sich am Sonnabend im frisch sanierten Wobau-Objekt Bahnhofstraße 31 um.

Von Gesine Biermann

Gardelegen l "Dort war das Geschäft der Familie Goethe", sagt Ingrid Pilz und zeigt von ganz oben auf den rechten Hofbereich. Ihre Schwester Gerda Martin nickt versonnen. "Ja, und da waren die Schuppen für das Feuerholz." Die beiden Frauen, die am Sonnabend aus Stendal, Pilz sogar aus Zwickau angereist sind, schwelgen in Erinnerungen. "Weißt du noch, wie die vornehme alte Nachbarin immer ihren Nachttopf ausgeleert hat?", fragt Ingrid Pilz schmunzelnd.

Als Kinder haben sie in diesem Haus gewohnt, Gerda Martin sogar noch als erwachsene Frau. "Das Zimmer unten rechts, das mit der Deckenmalerei, war das Wohnzimmer meiner Mutter", sagt sie. "Und dort, im Lichthof, haben meine Kinder immer gespielt.

"Es ist schon ein besonderes Haus."

Es sind die kleinen Geschichten, die am Sonnabend immer wieder zu hören sind, die dem frisch sanierten Wobau-Wohnhaus ein Gesicht geben. Geschichten, wie die der Gardelegerin Ingrid Köhn, die hierher immer zum Klavierunterricht kam, mit ordentlich Respekt vor der Musiklehrerin, denn es gab schon mal was auf die Finger...". Oder die, die Dietmar Weinhold erzählt: "Hier habe ich als junger Maler gearbeitet, immer wenn mal wieder ein Zimmer renoviert werden musste", sagt er. Schon damals sei er von den Stuckrosetten an den Decken beeindruckt gewesen. "Es ist schon ein besonderes Haus", sagt auch er versonnen.

Seit wenigen Tagen erst strahlt das Gebäude in neuem Glanz. Dass so vielen gefällt, was hier die Architekten planten und die Handwerker umsetzten, freut nicht zuletzt Wobau-Chef Wolfgang Oelze und seinen Bauabteilungsleiter Peter Ast. "Irgendwann bei rund 250" haben wir aufgehört zu zählen, sagt Ast zufrieden. Viel Lob hören die beiden am Sonnabend vor allem für den gelungenen Spagat zwischen Alt und Neu, der trotz schwieriger Vorgaben unterschiedlichster Behörden gelang. So mancher Besucher lässt sich von einem der beiden schließlich auch noch Details erläutern.

Zum beliebtesten Transportmittel wird am Sonnabend der gläserne Aufzug an der Rückseite des Hauses. Zum meistbestaunten Detail wohl das sanierte Deckenbild im Hausflur. Nur die knallrote Abdeckkappe des Rauchmelders mittendrin sticht so manchem Besucher unschön ins Auge. "Bauvorschriften", bedauert auch Oelze. "Der rote Deckel kommt aber noch ab", verspricht er.

Für die meisten Besucher ist es aber schon ein Erlebnis, die vielen kleinen Wohnungen zu besichtigen, die in den Obergeschossen entstanden sind, oder sich im Erdgeschoss umzusehen, wo eine Tagespflege einziehen wird. Unternehmenschefin Karola Kuke ist am Sonnabend natürlich auch vor Ort. Auch sie freut sich auf den Einzug in die neuen Räume.

Wer künftig über ihr wohnt, steht übrigens schon längst fest: Jeder einzelne Quadratmeter ist nämlich schon vermietet, wie fast immer, wenn die Wobau in Gardelegen Altbausubstanz saniert hat.

Wäre es nicht so, dann wären die letzten Verträge aber wohl spätestens am Sonnabend zustande gekommen. Seit diesem Tag hat das Haus ganz sicher etliche Gardeleger Fans mehr.

   

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