Immer mittwochs von 15.30 bis 17 Uhr öffnet die Gemeindebibliothek in Kloster Neuendorf. Nach fast 22 Jahren gab Vera Drebenstedt ihre ehrenamtliche Tätigkeit auf, die Waltraud Grzywotz übernommen hat.

Kloster Neuendorf l Wenn es mal zu lange dauerte, warf Vera Drebenstedt den Mahnzettel für das entliehene Buch persönlich in den Briefkasten des Säumigen in Kloster Neuendorf. Eine kleine Bibliothek, ein kleiner Ort, da geht es persönlich zu. Die Ausleihliste wird noch immer handschriftlich geführt. Fast 22 Jahre betreute die frühere Gemeindesekretärin die Bibliothek in Kloster Neuendorf, die es mehr als 50 Jahre gibt. Mit 77 Jahren ist nun Schluss mit dem Ehrenamt. Bereits seit Januar sitzt Waltraud Grzywotz (63) in der Bibliothek, wenn die Nutzer kommen, um sich neue Bücher - oder seit neuestem auch Hörbücher - auszuleihen.

Eine Kiste voller neuer Medien brachte gestern die Gardelegerin Bibliotheksleiterin, Christiane Bräu, zur offiziellen Übergabe mit.

Mit der Betreuung der Bibliothek, die immer mittwochs öffnet, begann Drebenstedt nach Ende ihrer beruflichen Tätigkeit als Gemeindesekretärin. "Fünf Bürgermeister habe ich erlebt, den fünften habe ich verlassen", schilderte sie schmunzelnd. Danach die Bibliothek zu betreuen, war für sie eine Herzenssache: "Ich lese selbst sehr gern und zwar fast alles, zurzeit noch einmal Anna Karenina." Wichtig sei bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit stets gewesen, dass "man den Leuten Bücher empfehlen kann, die man selbst gelesen hat". Dass mit Waltraud Grzywotz nun eine Nachfolgerin bereit steht, freut nicht nur Drebenstedt: "Für mich war das eine richtige Erleichterung, denn ich habe mich schon gefragt, was nach mir kommen soll."

"Das ist ganz wichtig, dass wir die Bücherei noch im Ort haben, denn so viel gibt es bei uns nicht mehr."

Auch Ortsbürgermeister Dieter Dreger ist froh, dass Grzywotz sofort zugesagt hat, als er sie gefragt hatte: "Das ist ganz wichtig, dass wir die Bücherei noch im Ort haben, denn so viel gibt es nicht mehr bei uns. Ich bin höchst dankbar, dass sie es macht."

Die Bibliothek ist eine von derzeit noch vier Ortsteilbibliotheken der Hansestadt, allerdings die einzige, die ausschließlich ehrenamtlich betreut wird. In Estedt, Jävenitz und Lindstedt werden die Aufgaben von Stadtbediensteten mit übernommen, in Letzlingen gibt es zurzeit keine Gemeindebibliothek, nur die Bibliothek für Kinder in der Grundschule.

Die neuen Bücher, die Bräu gestern mitbrachte, hatte noch Vera Drebenstedt mit ausgesucht. 690 Euro je Gemeindebibliothek stellten Stadt und Altmarkkreis dafür im vergangenen Jahr zur Verfügung.

Die ersten Kunden hat Grzywotz im Gemeindehaus bereits begrüßt: "Vor allem Kinder und Jugendliche, aber auch ein paar Rentner." Jeden Mittwoch von 15.30 bis 17 Uhr stehen die Bibliothekstüren für Gäste offen. 2000 Medien, von der Kinder bis zur Seniorenliteratur, stehen bereit. Waltraud Grzywotz macht ihre neue Aufgabe viel Spaß: "Auch ich lese selbst gerne und konnte mir das gut vorstellen, die Aufgabe zu übernehmen." Eingespannt ist die Kloster Neuendorferin ansonsten auch noch mit Nachhilfestunden, Chorprobe und als Babysitter fürs Enkelkind.

Für die beiden Damen gab es von Dieter Dreger je einen Blumenstrauß - zur Verabschiedung und zur Begrüßung. Vera Drebenstedt bekam vom Ortsbürgermeister noch eine Umarmung und herzliche Dankesworte für ihre jahrelange Tätigkeit dazu. Als Nutzerin werde sie der Bibliothek auf jeden Fall treu bleiben, versprach Drebenstedt.