Kalbe l Viele Menschen pflegen einen Angehörigen in dessen häuslicher Umgebung. Doch was längst nicht allen bewusst ist: Auch die Pflegenden haben einen Anspruch auf Urlaub. Wer für diese Zeit nicht weiß, wohin mit der pflegebedürftigen Person, der kann sich ab sofort auch an die Kalbenser Median-Klinik wenden.

Wie deren Verwaltungsdirektorin Angelika John-Exner informierte, werde das Angebot des Hauses auf die sogenannte Verhinderungspflege, gemeinhin auch "Urlaub von der Pflege" genannt, ausgedehnt. Sie greife dann, wenn der Pflegende aufgrund von eigener Krankheit oder eben aufgrund eigener Erholungsbedürftigkeit verhindert sei. Erst einmal sollen ab 1. April für diese besondere Art der Kurzzeitpflege zehn Plätze zur Verfügung gestellt werden. Das Angebot sei mit dem vorhandenen Personal gut abzufedern. Sollte es künftig aber noch erweitert werden, müsse durchaus über die Neueinstellung von Pflegekräften nachgedacht werden, wie Angelika John-Exner betonte.

Und sie machte auch deutlich, wie sie und ihr Team überhaupt darauf gekommen sind, das Angebot der Median-Klinik, bei der es sich ja um eine orthopädische und onkologische Rehabilitationseinrichtung handelt, um die Verhinderungspflege zu erweitern. Immer wieder, so die Verwaltungsdirektorin, gäbe es vonseiten der Patienten und Angehörigen entsprechende Anfragen. Denn es käme gar nicht so selten vor, dass Menschen nach der Akutbehandlung und der anschließenden Rehabilitation erst einmal weiter pflegebedürftig seien. Und vielfach würden dann die Angehörigen als Pflegepersonen einspringen. Doch auch sie hätten nach einer gewissen Zeit Anspruch auf Urlaub. Und der könne bis zu 28 Tage im Jahr betragen, wie Angelika John-Exner erläuterte.

Klinikpersonal hilft pflegenden Angehörigen bei Antragstellung

In dieser Zeit würde die Pflegekasse die Kosten für die aushäusige Betreuung der Pflegebedürftigen übernehmen. Und diese könne dann eben künftig auch in der Klinik stattfinden. Auf der dortigen Station 1 gäbe es dafür entsprechende Kapazitäten, seit der Aufenthalts- und Ruhebereich für ambulante Patienten dort ausgelagert und an anderer Stelle neu hergerichtet worden sei, betonte die Verwaltungsdirektorin.

Sie, die vorher die Median-Klinik in Hoppegarten geleitet hat, konnte auch dort bereits positive Erfahrungen mit der Verhinderungspflege sammeln. Das Angebot sei dort ebenfalls sehr gut angenommen worden, zumal die Angehörigen bei der Antragstellung ja auch vom Team der Klinik Unterstützung erhalten hätten. Und das werde künftig auch in Kalbe der Fall sein, sagte Angelika John-Exner.

Sie ist sich aufgrund der demografischen Entwicklung sicher, dass der Bedarf an Plätzen für die Verhinderungspflege künftig stark wachsen wird. Schon jetzt gibt es in der Kalbenser Median-Klinik auch eine ambulante Geriatrie, in der rehabilitationsbedürfigte, ältere Menschen tagsüber behandelt und betreut werden, abends aber in ihre häusliche Umgebung zurückkehren.

Bei der sogenannten Verhinderungspflege erfolgt allerdings eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung im Haus.