Die Volksstimme-Recherchen zum "OP-Skandal" in Gardelegen haben ein Nachspiel in der Kreispolitik. SPD-Fraktionschef Jürgen Barth fordert Aufklärung.

Gardelegen l Die Verantwortlichen des Gardeleger Altmark-Klinikums wollen nach den Volksstimme-Veröffentlichungen noch einmal die Gutachten prüfen, die ihnen vorgelegen haben. Sie zeigten sich gestern ungläubig, dass die Anschuldigungen so der Wahrheit entsprechen. "Ich halte den Eindruck für abwegig, dass falsche Schlussfolgerungen gezogen wurden", sagte Landrat Michael Ziche. "Wir müssen das überprüfen", fügte er hinzu.

Wie die Volksstimme gestern berichtete, hatten die Klinikum-Verantwortlichen bei der entscheidenden Pressekonferenz im Februar 2013 falsche Zahlen präsentiert. Aufsichtsratschef Michael Ziche behauptete damals, dass in 15 der 16 untersuchten Fälle "zumindest die medizinische Indikation nicht in der Qualität vorlag, um eine Operation zu rechtfertigen".

Ulrich Metzmacher, Vorstandsvorsitzender des Klinikum-Managers Paul-Gerhardt-Diakonie, erklärte damals, dass zumindest 14 der 16 "deutliche Hinweise" enthielten, "die die eben von Landrat Ziche dargestellten Schlussfolgerungen zulassen, dass hier keine ausreichende Indikationsqualität vorgelegen hat".

Dabei beantworten in vier Fällen die Gutachter, Neurochirurgen aus Hannover, die Frage, ob die Operation ausreichend indiziert war in vier Fällen mit einem eindeutigen "Ja".

"Ich habe in keiner Pressekonferenz irgendwas verneint."

Ulrich Metzmacher

Wie kamen aber die Zahlen zustande? Ziche konkretisierte jetzt die Situation, wie er an die Zahl 15 von 16 Operationen gekommen sei. Der damalige Geschäftsführer Matthias Hahn habe ihm das Ergebnis am Abend zuvor mitgeteilt, erläuterte der Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikums.

Und wer hat aus der Erinnerung von Metzmacher die Gutachten-Ergebnisse zusammengefasst? "Das kann ich nicht mehr sagen. Da waren mehrere Leute beteiligt, der Geschäftsführer, die Kanzlei, und bei uns nochmal zwei, drei Mitarbeiter intern", antwortete der Diakonie-Chef. Er habe die Gutachten damals überflogen und sich einen Gesamteindruck gemacht. "Ich habe wirklich nur einen Fall als sauber angesehen", sagte er.

Warum er bei der Pressekonferenz verneinte, dass die Gutachten Neuigkeiten in Sachen eines verstorbenen Patienten beinhalten? "Ich habe in keiner Pressekonferenz irgendwas verneint", antwortete Metzmacher. Der Volksstimme liegt allerdings ein Mitschnitt der Pressekonferenz vor. Der Todesfall hatte zuvor Schlagzeilen gemacht. Nachdem Metzmacher bestätigte, dass auch der Fall unter den Gutachten ist, will ein Journalist wissen: "Haben Sie dazu Näheres?" Metzmacher antwortet: "Nein."

Metzmacher und Ziche betonten, dass sie damals unter starkem Druck gestanden hätten. Sie wollten überprüfen, ob an den Vorwürfen gegen den Neurochirurgen Dr. T. etwas dran ist. "Selbst wenn vier Gutachten die Indizierung bejahen sollten, bleiben immer noch elf. Das rechtfertigt die Strafverfolgung", betonte Ziche.

Das Verhalten der Klinikum-Verantwortlichen wird wohl bald aufgearbeitet. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Jürgen Barth, will nach dem Volksstimme-Artikel beantragen, dass die Gutachten auch Thema im Kreisausschuss werden. "Diese Widersprüche müssen restlos aufgeklärt werden." Der Sozialdemokrat fordert eine konsequente und sorgsame Aufklärung der Vorfälle um den OP-Skandal. "Wir müssen damit das Vertrauen wieder herstellen. Nur so kommt das Klinikum wieder in ruhiges Fahrwasser und kann für die Zukunft gesichert werden", sagte Barth.

Es werden auch Rufe nach Konsequenzen laut. Das ehemalige Klinikum-Aufsichtsratsmitglied Hartmut Krüger forderte: "Soll Ziche das Mandat doch ruhen lassen. Das würde den Druck rausnehmen!" Viele Leute würden jetzt Konsequenzen erwarten, betonte Krüger, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins des Klinikums. Der Ruf der Klinik sei weitestgehend ruiniert."Warum übernimmt keiner die Verantwortung?", will er wissen.

 

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