Ein einsamer Angler steht am See. Geht so Werbung? Nein, sagen viele Altmärker. In Berlin sehen das die Menschen anders. Volksstimme-Reporter Philip Najdzion wollte wissen, wie die Hauptstädter die neue Grüne-Wiese-Kampagne aus der Altmark finden und hat Passanten gefragt.

Berlin l Etwas unscheinbar hängt das Plakat von dem einsamen Angler bei einem Supermarkt in Berlins reichem Südwesten. Ein Regal mit Blumen verdeckt den Blick von der Straße. Doch die Stelle ist nur auf den ersten Blick schlecht gewählt. Hunderte Menschen laufen in einer Stunde daran vorbei. Direkt vor dem Plakat ist eine Abkürzung zum Supermarkt.

Und das Plakat kommt vor allem bei den Männern gut an. Ruhe und Entspannung - daran denken viele, wenn sie den einsamen Angler sehen. "Raus aus der Großstadthektik", bringt Stephan Mühlenberg (66) seine Gedanken auf den Punkt. Der in der Altmark umstrittene Slogan "Wenn Sie einmal niemanden mehr sehen wollen" funktioniert. Der 66-Jährige fragt sich sofort, wie lange es wohl dauert, einen Angelschein zu machen.

Auch Manuel Koca hält das Plakatmotiv für gelungen. Er ist auf einem Bauernhof groß geworden. Ab und zu braucht er einfach die Ruhe. "Niemanden mehr sehen - das ist gut. Da kommt man vom Stress weg", sagt der 27-Jährige.

Frauen finden das Motiv dagegen weniger ansprechend. "Zu trist", sagt eine Frau mittleren Alters. "Das sieht aus wie eine Traueranzeige", meint eine junge Mutter.

Attraktive Gesellschaft für Arendseer

Angenehme Gesellschaft gibt es für die Hoteliers Bannier aus Arendsee. Ihr Werbeplakat hängt direkt neben einer attraktiven Frau in Dessous. Der Ku`damm ist Luftlinie gut 200 Meter entfernt. Sekündlich rauschen Autos vorbei. Hier ist richtig was los. Zwei Bushaltestellen liegen an der Straße. Ein Busfahrer beginnt gleich mit seiner Schicht. Er schaut sich das Plakat an. "Das ist mir gleich aufgefallen", sagt er. Er verbindet das Motiv sofort mit Natur und Familienunternehmen. "Wir Berliner sind durstig nach Natur", sagt der 62-Jährige.

Kritik gibt es für den Slogan. Banniers werben mit dem Spruch "Familienunternehmen mit Zukunft". "Was soll ich mir darunter vorstellen?", fragt Dietrich Scharhag (69). Dass es um Tourismus geht, fällt erst auf den zweiten Blick auf, meint er. Der kleingedruckte Satz "Zwei, die wissen, wie man Gäste einquartiert" müsste wesentlich größer sein.

Und die Aufmachung gefällt nicht vielen. "Die Altmark finde ich aber schöner als das Plakat", meint etwa Burgel Schmitt (70).

Hübsche Frau, aber Aussage nicht klar

Schwach schnitt das Bild von Baumkuchenkönigin Saskia-Maria Franz ab. "Mein Königreich ist die Zukunft" ist der Slogan. "Eine hübsche Frau aber die Aussage ist nicht klar", meint Stephan Schmidt (58). Mit Tourismus brachte das Plakat keiner zusammen.

"Ich kapier` gar nicht, wozu mich diese Werbung bringen soll. Ein totaler Fehlgriff", meint die Stuttgarterin Lydia Eichler (31). "Design, Form, Farbe - alles stimmt. Aber so ein Bild muss sprechen und das tut es nicht", findet Salah Mohamad (43).

Da hilft es auch wenig, dass Salzwedels Baumkuchenkönigin bis auf eine Ausnahme prominent platziert ist. Mitten zwischen Hauptbahnhof und Bundeskanzleramt strahlt sie die Berliner an. Touristenbusse und vor allem Büroangestellte kommen an ihr vorbei. Ein Plakat hängt am Olympiastadion.

Und wie kommt das Schwarz-Weiß-Design der Kampagne an?

Hier scheiden sich die Geister der etwa 40 Befragten vor allem nach den Geschlechtern. Männer finden das mehrheitlich gut. "Die Nostalgie gefällt mir", sagt der 62-jährige Busfahrer. Bei vielen der Frauen trifft das Design auf Kritik. "Das ist mir zu Grau in Grau. Das spricht mich nicht an", sagt Beate Schulz (47).

Keiner verbindet Grüne Wiese mit Friedhof

Besonders der Widerspruch zu dem Spruch "Altmark - Grüne Wiese mit Zukunft" stört manche Frauen. "Da steht grüne Wiese und dann seh` ich nichts Grünes", sagt Judith Witte (24).

Was keinen gestört hat: Niemand brachte mit der Grünen Wiese einen Friedhof in Verbindung. Für die befragten Berliner ist der Begriff positiv besetzt. Er steht für freie Landschaft und Natur.

Dabei können gut ein Viertel der Befragten mit der Altmark durchaus etwas anfangen. "Wir waren schon mal da. Die Radwege sind schön ausgebaut", sagt Harald Krause (79). Und vielleicht gehe es dieses Jahr nach Tangermünde. Stephan Schmidt plant schon seit Längerem eine Radtour zum Arendsee.

Christian Hajer schwärmt von der Salzwedeler Altstadt. "Wenn man nichts` zu tun hätte, als freischaffender Künstler oder als Rentner, wäre das ein idealer Ort zum Leben", findet der 49-Jährige. Eine Kampagne für die Altmark in Berlin findet er durchaus sinnvoll. Aber sie sei nicht leicht. "Wir sind hier in Berlin. Da gehen nur die Kracher", meint er. Und ein Kracher sei das Plakat mit der Baumkuchenkönigin auf keinen Fall.

"Das Plakat mit dem Angler funktioniert schon besser", findet Hajer. Es sei provokant und eingängig. Während er das sagt, läuft ein Rentner vorbei und ruft dazwischen: "Zeigt ein schönes Landschaftsbild und schreibt: ,Besucht uns`!"

   

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