Die Stadt Gardelegen will das Projekt Friedenszentrum in der polnischen Stadt Oswiecim (Auschwitz) unterstützen - auch mit einem ganz speziellen Stein für die Ausstellung. Das sagte Bürgermeister Konrad Fuchs gestern dem ehemaligen Oswiecimer Stadtpräsidenten, Janusz Marszalek, zu.

Gardelegen l Ein Stein aus der Verkündigungskapelle in Nazareth, einer von der zerstörten Halberstädter Synagoge, ein Stein aus Theresienstadt, einer vom Magdeburger Dom, Steine aus dem Mausoleum der russischen Stadt Wolgograd (Stalingrad), Steine gestiftet von Mitgliedern des US-Repräsentantenhauses, vom Zentralrat der Sinti und Roma in Deutschland, von Privatpersonen, von ehemaligen Häftlingen - viele besondere und symbolische Steine warten darauf, im künftigen Friedenszentrum in Oswiecim ausgestellt zu werden. Hinzu kommen soll auch ein Stein aus Gardelegen.

"Ihr müsst aus der Vergangenheit lernen."

Janusz Marszalek, Stadtpräsident a.D.

"Da muss Gardelegen einfach dabei sein", sagte sich Konrad Fuchs, als Torsten Haarseim ihm vor einigen Wochen von dem Projekt berichtete. Haarseim, der sich seit Jahren mit dem Massaker an der Feldscheune Isenschnibbe und den Todesmärschen in der Region beschäftigt, war bei Internetrecherchen auf das Friedenszentrum aufmerksam geworden - und auf Janusz Marszalek. Dieser war von 2002 bis 2011 Präsident der Stadt Oswiecim, ist heute unter anderem Präsident der polnischen Senioren-Union - sie ist federführender Organisator des Friedenszentrums - und Vizepräsident der europäischen Senioren-Union. Derzeit weilt er in Deutschland und hat darum gern die Einladung von Torsten Haarseim nach Gardelegen angenommen.

Im Rathaus traf sich Janusz Marszalek am Vormittag mit Mitgliedern des Fördervereines der Mahn- und Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe, mit Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums und der Karl-Marx-Schule, Verwaltungsmitarbeitern, Vertretern des Rotary Clubs und interessierten Gardelegern. "Ich bin positiv bewegt, dass so viele Menschen der Einladung gefolgt sind", freute sich Konrad Fuchs, besonders beim Anblick der Schüler: "Es ist ganz wichtig, dass gerade ihr hier seid."

So sah das auch der Gast aus Polen. "Ihr müsst aus der Vergangenheit lernen, damit junge Menschen heute nicht mehr erleben müssen, was junge Menschen damals erleben mussten", sagte der ehemalige Stadtpräsident und erzählte über seine Eltern, die als Zwangsarbeiter in Bitterfeld und Wolfen arbeiten mussten. Dazu zeigte er einige Fotos - von seinen Eltern in jungen Jahren, aber auch von einer jungen Frau aus Syrien, die im Dezember 2013 wegen ihrer Religion getötet worden ist.

"Einig, dass wir das Vorhaben unterstützen."

Bürgermeister Konrad Fuchs

Diesen Bogen von den NS-Verbrechen zu den heutigen Kriegen und ihren Opfern schlug Janusz Marszalek, um seine Botschaft optisch zu untermauern: "Es geht darum, dass nie wieder etwas wie in Gardelegen und in Auschwitz passiert. Gerade junge Leute müssen dies begreifen." Darum soll das Friedenszentrum ein Andenken sein an alle Opfer von Völkermord, Diktaturen und Kriegen.

Dies zu vermitteln, soll eine Aufgabe des Friedenszentrums sein. Seit 2005 unterstützt Janusz Marszalek das Projekt, das wegen seiner Form auch Erinnerungs- und Friedenshügel genannt wird. Zwischen dem Stammlager Auschwitz I und dem Konzentrationslager Auschwitz II-Birkenau soll das Begegnungs- und Kongresszentrum gebaut werden. Es werde keine Gedenkstätte, erklärte Marszalek. Rund 170000 Euro wurden bereits an Spenden gesammelt von den Ehrenamtlichen, etwa 300000 Euro fehlen noch für die Architektenleistung und für die Baugenehmigung. Ist dieser Schritt gegangen, dann kann EU-Fördergeld genutzt werden für das Friedenszentrum, das insgesamt zirka 17 Millionen Euro kosten soll.

Ob und wie sich die Hansestadt Gardelegen finanziell beteiligt, ist noch offen. "Wir sind uns aber einig, dass wir das Vorhaben unterstützen, nicht nur mit Gedanken, sondern auch mit Taten", sagte Konrad Fuchs zum Abschluss der Gesprächsrunde im Rathaus. Auf jeden Fall möchte sich Gardelegen mit einem Stein an der Ausstellung beteiligen. "Macht Euch Gedanken, wie Gardelegen dort vertreten sein könnte", rief der Bürgermeister auf, Ideen einzubringen.

Eine wäre, einen Originalstein aus der Feldscheune Isenschnibbe zu nehmen und mit einer entsprechenden Plakette zu versehen. An die Stelle des fehlenden Steines könnte ein Platzhalter kommen mit dem Hinweis, dass sich das Original im Auschwitzer Friedenszentrum befindet. Fuchs: "Ich bin tief beeindruckt von dem, was vorgesehen ist. Da gehört Gardelegen ganz einfach hin. Denn Gardelegen hat die Verpflichtung, dafür zu arbeiten, dass Frieden ist."

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