Das ist stets eine Antiraucherkampagne besonders wirkungsvoller Art: Der kehlkopflose Holger Barby beantwortet Fragen zu seiner Krankheit - so wie gestern vor 15 Jugendweihlingen.

Kalbe l Wer seine Geschichte hört und wer einmal in die Öffnung seines Tracheostomas (künstlich geschaffener Zugang zur Luftröhre) blicken durfte, hat erst einmal keine Lust mehr auf Zigaretten. Denn genau denen hat Holger Barby seine Tumorerkrankung und die anschließende Entfernung seines Kehlkopfes zu verdanken.

Der 51-Jährige aus Möser, der gestern 15 Jugendweihlingen der 8b der Kalbenser Sekundarschule Rede und Antwort stand, ist so etwas wie der Vorzeigepatient von Logopädin Elke Breitenfeldt. Sie ist in der Median-Klinik Kalbe tätig und Spezialistin bei der Betreuung Kehlkopfloser. Weltweit hält sie Vorträge. Und besonders gern macht sie dies vor Schülern. Denn bei ihnen lässt sich noch erreichen, dass sie vielleicht gar nicht erst zur ersten Zigarette greifen. "Die braucht Ihr nicht, um erwachsen zu werden", sagte gestern auch Holger Barby. Dass er überhaupt wieder gut verständlich reden kann, grenzt an ein kleines Wunder. Aber es funktioniert nicht ohne ein Stimmventil. Das muss alle paar Wochen vom Facharzt gewechselt werden.

Der Mann, der als Berufskraftfahrer tätig ist, hatte 2007 seine große Kehlkopfoperation, musste danach nicht nur das Sprechen, sondern auch das Essen und Trinken wieder neu erlernen. Seinen Geschmackssinn hat er eingebüßt. Auch riechen und husten funktioniert nicht mehr. Genauso wenig wie duschen und baden ohne Spezialverschluss für das Tracheostoma. Dennoch hat Holger Barby seine Lebensfreude wiedergefunden. Und die nutzt er dazu, andere zu mahnen, nicht dieselben Fehler wie er zu machen. Er hatte im Alter von 14 Jahren mit dem Rauchen angefangen.