Selten ist ein Thema vom Finanz- und vom Sozialausschuss so kontrovers diskutiert worden wie die Nutzung der Dorfgemeinschaftshäuser. Sie wird in den einzelnen Orten der Einheitsgemeinde Kalbe völlig unterschiedlich gehandhabt. Eine schnelle Lösung scheint nach wie vor nicht in Sicht.

Kalbe l "Ungerecht" finde sie es, sagte Sozialausschussmitglied Ortrun Cyris aus Brunau, dass die Seniorensportgruppe ihres Heimatdorfes für die Nutzung der Sporthalle Geld bezahlen müsse, dass andernorts aber die Dorfgemeinschaftshäuser für solche Treffen herhalten würden - und zwar kostenfrei.

Das Thema beschäftigte am Montagabend den Finanz- und den Sozialauschuss bei einer gemeinsamen Sitzung im Rathaus Kalbe. Und selten wurde so ausufernd diskutiert wie zu diesem Tagesordnungspunkt.

"Müssen zu einheitlichen Bedingungen kommen."

Wilfried Hartmann

Das Problem: Die Unterhaltung der Dorfgemeinschaftshäuser verursachen ein jährliches Defizit von rund 118000 Euro im Haushalt der Stadt. Sie werden aber nicht nur unterschiedlich stark frequentiert, zum Beispiel für private Feiern, sondern es gibt auch unterschiedliche Handhabungen, was die kostenfreie Nutzung durch Vereine, Sport- und Kulturgruppen betrifft. Hinzu kommt, dass die Häuser in einigen Orten auch als Aufenthalts- beziehungsweise Versammlungsobjekt der Feuerwehren genutzt werden und dass es keine Trennung zwischen den Kostenstellen gibt. "Wir müssen klären, wo sind die Kosten besonders hoch und wodurch entstehen sie", sagte Ortrun Cyris. "Und dann müssen wir gucken: Ist das Verhältnis von Kosten und Nutzen überhaupt gerechtfertigt. Wir sind nun einmal eine Kommune. Und wir müssen zu einheitlichen Bedingungen kommen", meinte Finanzausschussvorsitzender Wilfried Hartmann.

"Die Vielschichtigkeit ist viel zu groß."

Otto Wienecke

Hier aber hakte Ausschussmitglied Otto Wienecke ein: "Die Vielschichtigkeit ist viel zu groß", als dass sich eine einheitliche Lösung herbeiführen ließe. Vielfach seien die Gemeinschaftshäuser der letzte verbliebene Treffpunkt im Ort.

Kämmerin Ingrid Bösener machte dazu deutlich: "Wir als Verwaltung wissen aber teilweise gar nicht, was da los ist. Deshalb sollte die Nutzung grundsätzlich angezeigt werden", so Böseners Empfehlung.

Konkret bedeutet das: Gemeinnützige Vereine, die künftig die Gemeinschaftshäuser kostenfrei nutzen wollen, sollten einen Antrag darauf stellen und eine entsprechende Vereinbarung mit der Kommune unterzeichnen. Die beiden Ausschüsse gaben dazu mehrheitlich eine Empfehlung an den Stadtrat ab. Ebenfalls mehrheitlich empfahlen sie, dass die Jagdgenossenschaften einmal jährlich die Gemeinschaftshäuser für eine Versammlung nutzen dürfen. Einstimmigkeit herrschte hingegen, als es darum ging, das Thema in die Ortschaftsräte zu tragen. Dort soll die Nutzung der Dorfgemeinschaftshäuser genau auf den Prüfstand und geschaut werden, wo sich sparen lässt.