Letzlingen l Gegen eine 60 Jahre alte Erzieherin der Letzlinger Kita wird wegen Körperverletzung ermittelt. Oberstaatsanwältin Brigitte Strullmeier bestätigte auf Anfrage, "dass die Ermittlungen andauern". Der Tatbestand Körperverletzung sei eine vorläufige Bewertung, betonte Strullmeier.

Die Anzeige ging direkt an die Staatsanwaltschaft Stendal. Hintergrund ist, dass die Erzieherin am 12. November und Anfang Dezember sehr ruppig mit ihr anvertrauten Kindern umgegangen sein soll. Im ersten Fall vom 12. November hatte eine Mutter nach Volksstimme-Informationen auf dem Spielplatz beobachtet, wie die Erzieherin ein Kind mit beiden Händen im Bereich des Oberkörpers rüttelte und es anschrie, ob es nicht wisse, wo die Wand wäre, und es dann an diese gestellt habe.

Protokoll nur von Kita-Vertretern unterschrieben

Am 9. Dezember gab es nach dem mehrfachen Drängen der Zeugin ein Gespräch mit der betroffenen Erzieherin, ihrer Kollegin, der Kita-Leiterin Jessica Winkelmann, Gabriele Pitzner von der Gardeleger Stadtverwaltung, einer Vertreterin des Elternkuratoriums der Einrichtung, der Zeugin und deren Mannes. Darüber gibt es ein zweiseitiges Protokoll, das jedoch nur von den Kita-Vertretern unterschrieben und auch inhaltlich eher eine Mitschrift ist, die sich jedoch nicht mit den Aussagen der Eltern deckt.

Ein zweiter Vorfall soll sich laut Schilderung einer anderen Mutter im Bad der Einrichtung im Dezember zugetragen haben. Dabei habe die Frau ein jammerndes Mädchen am Arm gepackt und fast an die Wand geschubst. Die Erklärung der Erzieherin zur geschockten Zeugin: "Sie war böse und darf zur Strafe keine Zähne putzen."

Am 19. Dezember schilderte die Frau ihre Beobachtungen laut Volksstimme-Information Gabriele Pitzner von der Stadtverwaltung. Noch am selben Tag wurde die Mutter von der betroffenen Erzieherin und einer Kollegin in einem Nebenraum zu einem Gespräch gedrängt, wo sie sich rechtfertigen musste, warum sie den Vorfall erst so spät gemeldet habe. Die betroffene Erzieherin habe sich dabei versucht zu erklären. Ihre Kollegin habe gesagt, dass Kind hätte einen Wutanfall gehabt und hätte deswegen keine Zähne putzen dürfen.

"Ab Januar 2014 in den Hort Letzlingen umgesetzt"

Mit Aushang der Stadt vom 19. Dezember gab es folgende Information für die Eltern der Kita Heideblümchen: Am 17. Dezember habe es ein Gespräch mit der Erzieherin, der Sachgebietsleiterin Personal und Organisation der Stadt, Susan Schulz, Kita-Leiterin Jessica Winkelmann und zwei Sachbearbeiterinnen für Kitas gegeben, "um den Vorfall am 12.11.2013 in der Kindertagesstätte Heideblümchen aufzuklären". In dem Schreiben, das von Bürgermeister Konrad Fuchs unterschrieben ist, heißt es, dass es folgende Entscheidung im Ergebnis des Gesprächs gebe: "Frau ... wird ab Januar 2014 in den Hort der Grundschule Letzlingen umgesetzt, gleichzeitig wird sie nicht mehr als stellvertretende Leiterin der Kindertagesstätte Heideblümchen tätig sein."

Mit dem Tag des Aushangs war die Erzieherin zunächst im Urlaub und sollte dann in den Letzlinger Hort. Dazu kam es nach Protesten nicht, sie arbeitete für kurze Zeit stattdessen in einem Gardeleger Hort. Ab Anfang Februar war sie plötzlich wieder in der Letzlinger Kita tätig. "Dass die uns das zumuten", sagt eine Mutter entsetzt. Aufgrund der Rückkehr der Erzieherin gab es zwei Abmeldungen von Kindern, das bestätigte Personalsachgebietsleiterin Susan Schulz auf Anfrage. Die Eltern mussten überraschenderweise keine Kündigungsfristen einhalten.

Dass die 60-Jährige wieder im Heideblümchen ihre Arbeit aufgenommen hat, begründete Bürgermeister Konrad Fuchs damit, dass sich die "Vorwürfe, die im Raum standen, als haltlos erwiesen haben". Es habe Gespräche mit den Betroffenen gegeben. Fuchs: "Wir sind der Sache nachgegangen. Die Sache ist vom Tisch." Die Stadt habe auch keine arbeitsrechtlichen Schritte eingeleitet. Eine Kita-Mutter ist über das Verhalten der Stadtverwaltung fassungslos: "Warum wird uns Eltern nicht geglaubt?"

Unterschriftensammlung für versetzte Erzieherin

Schulz bestätigte, dass es eine Unterschriftensammlung für die Erzieherin gegeben habe: "Es war gewünscht, dass sie dort verbleibt." Nach Information der Volksstimme handelte es sich bei der Versammlung um eine Initiative von Eltern der Kita. Die Erzieherin ist nach wie vor in der Einrichtung tätig, nicht mehr jedoch als stellvertretende Leiterin. Dies begründete die Personalsachgebietsleiterin damit, "dass diese Tätigkeit ursprünglich sowieso nicht über einen so langen Zeitraum geplant war". Fuchs sagte, dass es regelmäßig Hospitationen in der Kita gebe.

"Das Kindeswohl war nicht gefährdet"

Auch der Landkreis war in den Letzlinger Fall involviert. Kreissprecherin Birgit Eurich teilte mit: "Dem Landkreis sind seit Dezember 2013 die geschilderten Vorfälle bekannt, und insbesondere das Jugendamt ist seitdem auch in ständigem Kontakt mit dem Träger, der Einrichtung, mit einigen Eltern und dem Landesjugendamt." Weiter heißt es, dass "im Ergebnis zahlreicher Gespräche, Vor-Ort-Terminen, einer Hospitation und einer Veranstaltung mit Erziehern, Eltern sowie Träger- und Jugendamtsvertretern festgestellt werden konnte, dass das Kindeswohl nicht gefährdet war und kein Anlass zur Tätigkeitsuntersagung gegeben war".

Zu den gravierenden Äußerungen zum Umgangston im Aushang für die Eltern vom 19. Dezember (siehe Infokasten) sagte Susan Schulz, dass das von "außen so wirken kann, aber die Betroffenen es schon richtig verstehen". Nächste Woche steht für die Eltern eine große Elternversammlung an. Das Thema: "Aktuelle Situation in der Kita Heideblümchen". Moderiert wird das ganze von einem Kita-Berater.