Am Sonnabend fand im Zichtauer Ferienpark die elfte Jägerkonferenz des Altmarkkreises Salzwedel statt. Die Redner gingen auch auf das viel diskutierte Thema Wolf ein.

Zichtau l "Bei der Jagd bleibt vieles beim Alten, aber es kommt auch Neues hinzu." Für Anne-Marie Keding, Staatssekretärin im Landwirtschafts- und Umweltministerium, gehört der Wolf zu diesen neuen Herausforderungen. "Wir müssen uns bewusst sein: Es kommt auf uns zu", sagte sie während der Kreisjägerkonferenz in Zichtau. Denn weil die nachhaltige Jagd international als Naturschutz anerkannt sei, "müssen wir auch damit leben, dass der Wolf sich wieder ausbreitet". Die Staatssekretärin bezog klar Position: "Wir wollen ihn auch haben." Er gehöre in den europäischen Rahmen mit hinein.

Ihr sei klar, "dass es nicht ohne Konflikte" ausgehe, räumte sie ein und reagierte damit auf immer wieder zu hörende Kritik, dass die Wölfe in den Revieren Wild reißen. "Wildtiere sind herrenlos. Da kann man nicht sagen, dass der Wolf den Jägern etwas wegnimmt", sagte Anne-Marie Keding. Natürlich werde es auch Schäden an Weidetieren geben. Das Land werde bei solchen Fällen "nicht wegschauen", versprach die Staatssekretärin. Derzeit arbeite das Land an Managementplänen für den Umgang mit dem Wolf. Zudem werde die Entwicklung der Wolfspopulation mit einem Monitoring beobachtet - und die Jäger, die tagtäglich in der Natur sind, leisten dazu ihren Beitrag. Denn das Land hat Anfang des Monats mit dem Landesjagdverband Sachsen-Anhalt darüber eine Vereinbarung abgeschlossen.

Hans-Heinrich Jordan, Präsident des Landesjagdverbandes, rief während der Konferenz in Zichtau die Jäger auf, sich aktiv einzubringen und Wolfsbeobachtungen mitzuteilen. Denn so könnte für die weitere Debatte eine wissenschaftliche Basis geschaffen werden, auf der die Populationsentwicklung des Wolfes "neu eingestuft werden muss", sagte Jordan. Das sieht auch Gerhard Fiebig, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Heidau-Drömling, so. "Ich bin kein Experte, aber es gibt deutlich mehr Wölfe als man denkt", sagte er während der Vorstellung seiner Hegegemeinschaft.

Denn während der jährlichen Jägerkonferenzen bekommt immer eine Hegegemeinschaft die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Das gehört ebenso fest zur Tagesordnung wie ein Auftritt von Jagdhornbläsern. In diesem Jahr übernahmen den Part der musikalischen Begrüßung die Jugendgruppe der Gardeleger Jagdhornbläsergruppe Mildetal und die Kindergruppe, die es seit vier Monaten an der Estedter Grundschule gibt, beide betreut von Rüdiger Kass.

Tradition der Konferenz, zu der die Jägerschaften Salzwedel, Klötze und Gardelegen gemeinsam einladen, ist zudem ein Grußwort des Landrates. Darin ging Michael Ziche auf eine - wenn auch leichte - positive Entwicklung bei den Wildunfällen ein. Mit 1159 Wildunfällen im vergangenen Jahr im Altmarkkreis Salzwedel lag die Zahl drei Prozent unter dem Vorjahreswert. "Es war gut, die Arbeitsgruppe gegen Wildunfälle ins Leben gerufen zu haben", sagt der Landrat, denn noch immer gehören Wildunfälle zu den Hauptunfallursachen im Altmarkkreis, von dessen Fläche 91 Prozent Wald oder landwirtschaftlich genutzt sind.

Positiv schätzte Michael Ziche die Nachwuchsarbeit in den Jägerschaften ein. Im vergangenen Jahr haben 28 Jungjäger das sogenannte grüne Abitur bestanden, für dieses Jahr gibt es bereits 32 Anträge für die Teilnahme an der Jägerprüfung. Und im Mai endet ein Jägerausbildungskurs mit 24 Teilnehmern, ergänzte Kreisjägermeister Hans Ulrich Brückner. Er stellte am Sonnabend die Abschusszahlen für das Jagdjahr 2013/14 und die Entwicklung des Schalenwildbestandes vor (Bericht folgt).

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