Eis und Schnee lasteten zwischen Weihnachten und Neujahr auf den Bäumen im Bereich des Letzlinger Betreuungsforstamtes. Ersten Einschätzungen zufolge sind durch Schneebruch 100 000 Festmeter Holz gefallen. Zum Vergleich: Planmäßige Holzeinschläge bei Forstbetriebsgemeinschaften belaufen sich im vierstelligen Bereich.

Letzlingen. Wer beim Durchqueren der Reviere des Betreuungsforstamtes Letzlingen in die Wälder blickt, dem bietet sich ein unheimlich anmutendes Bild. Teilweise sieht es aus, als wären die Bäume wie Mikadostäbchen ausgeschüttet worden – Baumstämme liegen kreuz und quer übereinander, ganze Baumkronen liegen auf dem Boden. Schuld daran sind Schnee und Eis, deren Gewicht die Bäume im Bereich des Forstamtes nicht standhielten und deshalb umstürzten. Im gesamten Gebiet des Forstamtes Letzlingen sind durch sogenannten Schneebruch über Weihnachten zirka 100 000 Festmeter Holz gefallen, berichtete der Leiter des Betreuungsforstamtes, Gerhard Henke.

"Es ist davon auszugehen, dass sich die Zahl noch vergrößert"

"Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es schon einmal Schneebruch in solchen Ausmaßen gegeben hat", sagte der erfahrene Amtsleiter. Schneebruch habe es immer wieder mal gegeben, aber was zwischen Weihnachten und Neujahr an Holz gefallen war, sei damit kaum zu vergleichen. Bei den 100 000 Festmetern handele es sich lediglich um eine erste Einschätzung. "Es ist davon auszugehen, dass sich die Zahl noch vergrößert", sagte Henke.

Indes ist die Gefahr durch herabstürzende Äste in den Wäldern der Region noch nicht gebannt, warnte Henke. "Der Schnee ist zwar zum großen Teil weggetaut", aber abgebrochene Äste oder Baumkronen könnten noch immer in dem Geäst nebenstehender Bäume hängen und zu einem späteren Zeitpunkt herabstürzen. Deshalb rät Henke Spaziergängern vom Betreten der Wälder ab.

Für die Waldbesitzer in der Region ist der Schneebruch mit finanziellen Schäden verbunden. Denn die Wege, die von umgestürzten Bäumen, herabgefallenen Baumkronen und Ästen blockiert werden, müssen von ihnen auf eigene Kosten geräumt werden. Unter den derzeitigen Witterungsbedingungen ein schwieriges Unterfangen.

"Wenn überhaupt, kann das Holz als Brennholz vermarktet werden"

Die Wälder seien mit einem normalen Pkw kaum noch zu befahren, selbst Kollegen mit Geländefahrzeugen hätten Schwierigkeiten, die Waldwege zu nutzen, ohne stecken zu bleiben, sagte Henke. Außerdem seien die herabgestürzten Baumteile inzwischen am Boden festgefroren und ließen sich nicht entfernen. Henke hofft deshalb auf Tauwetter, das den Waldarbeitern die Arbeit erleichtern würde.

Einnahmen hätten die Waldbesitzer aus dem Schneebruch-Holz kaum zu erwarten: "Wenn überhaupt, kann das Holz höchstens noch als Brennholz vermarktet werden", sagte Henke.

Der Schneebruch sei im Bereich des Forstamtes gleichmäßig und flächendeckend erfolgt. Besonders stark betroffen sei aber der Großraum Gardelegen. Mit dem Schädlingsbefall im vorletzten Jahr und dem massenhaften Kiefernsterben im vergangenen Jahr habe das aber nichts zu tun, sagte Henke. Im Gegenteil: Gerade vitale Bäume mit ausgeprägtem Nadelwerk seien vom Schneebruch betroffen. "Zum Teil sind 100-jährige Kiefern umgestürzt", sagte Henke. Wieso? In den Bäumen mit ausgeprägtem Ast- und Nadelwerk hatte sich der Schnee gefangen, statt zu Boden zu fallen. Dazu kam dann der Regen, der zu einer dicken Eisschicht rund um die Nadeln führte, so dass das auf den Bäumen lastende Gewicht stieg.

Stärker betroffen vom Schneebruch seien zudem Bäume an Waldrändern, da diese zur Lichtseite hin ein stärkeres Geäst vorweisen, so dass Schnee und Eis ungleichmäßig auf den Kronen lasteten. Nicht selten hatten sich Bäume an Waldrändern vom Wald weggebogen. "Wenn es wieder schneit, können Bäume, die jetzt noch wie Bogenlampen aussehen, auch noch fallen", sagte Henke.

Laubbäume könnten sich von Schneebruch erholen, sagte Henke. Nadelbäume aber, von denen nur noch der Stamm stehengeblieben sei, könnten sich nicht regenerieren.

"Bäume, die wie Bogenlampen aussehen, können beim nächsten Schnee fallen"

Die Aufräumarbeiten in den Wäldern haben inzwischen punktuell begonnen. Die Waldarbeiter würden zunächst die Hauptwege freiräumen, dann die Wege, an denen Holz liegt, das abtransportiert werden muss. "Die Industrie braucht ja das Holz", begründete Henke, wieso die Räumung zügig erfolgen müsse. Henke sagte, dass die Waldwege und Feuerschutzstreifen bis März beräumt sein müssten, denn bei langanhaltender Trockenheit, steige dann bereits die Waldbrandgefahr. Wichtig sei aber auch, dass Lerchen- und Fichtenbestände möglichst bald beräumt würden, denn sie seien anfällig für Schadinsekten wie beispielsweise den Borkenkäfer.

Beräumt werden auch all jene Flächen, die für die Winterbodensuche von Bedeutung sind. Dabei wird die Zahl der Insekten, die im Boden überwintern, von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen untersucht, so dass Rückschlüsse auf die zu erwartende Vermehrung der Insekten gezogen werden können. Wegen der massenhaften Vermehrung der Insekten im Jahr 2009 und im vergangenen Jahr wird die Winterbodensuche in diesem Jahr auf mehr Flächen als üblich ausgeweitet. Bislang seien noch keine Ergebnisse vorhanden, die auf eine erneute massenhafte Vermehrung hindeuteten, sagte Henke, allerdings seien auch erst zehn Prozent der Flächen untersucht worden.

"Das ist verboten. Jeder Baum, der dort steht, gehört jemandem"

Die Winterbodensuche war im Dezember begonnen worden, wurde dann aber wegen starker Schneefälle ausgesetzt. Inzwischen wird sie fortgeführt – gezählt werde allerdings im Forstamt und nicht wie üblich im Wald.

Einen Hinweis hatte Henke für all jene, die der Meinung seien, sie könnten sich das gefallene Holz aus den Wäldern holen. "Das ist verboten. Jeder Baum, der dort steht, gehört jemandem", sagte er. Deshalb bittet er Interessenten für das Holz, sich entweder mit dem jeweiligen Waldbesitzer oder aber mit dem Revierförster in Verbindung zu setzen, um sich eine Erlaubnis einzuholen.

Vor weiteren Schäden durch Schneebruch seien die Waldbesitzer nicht gefeit. "Der Winter hat ja gerade erst die Halbzeit erreicht", sagte Henke, "und wir wissen nicht, was noch auf uns zukommt." Schützen könnten sich Waldbesitzer vor Bruchschäden, indem sie ihre Wälder regelmäßig durchforsten. Aber selbst das biete keinen 100-prozentigen Schutz.