Die Leitung der Berufsbildenden Schulen in Lüchow hat ihren Schülern verboten, Kleidung der bei Rechtsextremen beliebten Marke Thor Steinar zu tragen. In Salzwedel ist so eine weitreichende Maßnahme kein Thema.

Salzwedel l "Nein zu Thor Steinar" heißt es an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Lüchow. Kleidung dieser Marke ist dort seit vergangener Woche verboten, nachdem sich einzelne Schüler darüber beschwert hatten, dass Altersgenossen diese Sachen tragen.

Auch an der Salzwedeler BBS gibt es junge Leute, die mit Thor-Steinar-Kleidungsstücken zum Unterricht kommen. Die Marke ist äußerst umstritten, ist sie doch besonders in der Neo-Nazi-Szene beliebt. "Wir gehen an unserer Schule bisher nur gegen Symbole vor, die offiziell verboten sind", sagt Schulleiter Peter Lahmann auf Nachfrage der Volksstimme. Die Kleidung gehöre nicht dazu. "Soweit, dass wir bestimmte Marken verbieten, sind wir noch nicht", ergänzt er.

"Wir wollen den demokratischen Weg vorleben."

Schulleiter Peter Lahmann

Wenn Lehrer merken, dass sich Schüler mit rechtsradikalem und verfassungsfeindlichem Gedankengut identifizieren stehe die pädagogische Arbeit an erster Stelle. Dazu werde zunächst ergründet, wie die Schüler dazu kommen und was dahinterstecke. "Wir wollen den demokratischen Weg vorleben und mit Argumenten gegen jegliche extremen Haltungen vorgehen", informiert der Schulleiter.

Kein Pardon gebe es jedoch beispielsweise beim Zeigen des Hitlergrußes oder ähnlichem. Erst kürzlich sei so etwas geschehen. Es habe sich aber in Gesprächen mit dem Betroffenen herausgestellt, dass kein politischer Hintergrund vorlag, sondern es sich um eine gedankenlose Tat handelte. Der Schüler habe sich entschuldigt.

Um so einen weitreichenden Schritt wie in Lüchow zu gehen, müsste es zuvor Gespräche mit Lehrern, Sozialpädagogen und dem Schülerrat geben. Das Ganze müsse von einer breiten Mehrheit getragen werden, betont der Schulleiter.

Zumindest die Auszubildenden zum Anlagenmechaniker für Sanitär- und Heizung- und Klimatechnik im dritten Lehrjahr sehen das Thema entspannt. Sie bezeichnen das Verbot einmütig als "Schwachsinn". Sie halten nicht viel davon, Marken wie Thor Steinar oder Lonsdale in die "rechte Ecke zu schieben", meinen Oliver Kläschen, Gino Tanke, Jeremy Heizmann, Daniel Zabel und Pierre Welz. Rechtes Gedankengut lasse sich mit dem Verbieten von Kleidung nicht eliminieren.

Alle gaben an, die Marke nicht zu tragen. "Aber wenn sie jemandem gefällt, weil die Qualität stimmt, kann es ihm doch nicht verboten werden", wirft Jeremy Heizmann ein. Verfassungsfeindliche Symbole hätten sie darauf noch nicht gesehen und dass "andere die Klamotten tragen", störe sie nicht. Alles andere würde die persönliche Freiheit einschränken, befinden die Auszubildenden. Das Fazit der Klasse: Thor-Steinar-Sachen seien akzeptabel, rechtsradikale Einstellungen nicht.

"Immerhin zeigt die Schule in Lüchow damit Flagge."

Lehrerin Jutta Demitrowitz

Lehrerin Jutta Demitrowitz sieht das differenzierter. "Immerhin zeigt die Schule in Lüchow damit Flagge", argumentiert sie. Und auf eine entsprechende Frage der Schüler erklärt sie, dass der Schulleiter in Lüchow mit dem Verbot von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht habe. Auf alle Fälle sei es aus ihrer Sicht richtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.