Sie drohte, brüllte und beschimpfte minutenlang. Als eine 44-jährige Gardelegerin zu ihrer Verhandlung von der Polizei vorgeführt wurde, rastete die Frau völlig aus und beschimpfte Richter Axel Bormann unablässig.

Gardelegen l Sie kam barfuß und brüllend. Begleitet von vier Polizeibeamten wurde am Montagvormittag eine 44-jährige Gardelegerin zu ihrem Prozess dem Strafrichter am Amtsgericht Gardelegen vorgeführt. Doch ehe Richter Axel Bormann nach den Personalien fragen oder die Staatsanwältin die Anklage wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung verlesen konnten, brüllte die Frau wütend rum: "Haben Sie einen Haftbefehl? Ob Sie einen Haftbefehl haben?" Das schrie sie mehr als zehn Mal.

"Sie haben ein Schwerstverbrechen begangen."

Das Gericht habe sich eines schweren Verbrechens schuldig gemacht, brüllte sie. "Sie gehören in eine Anstalt, Sie haben ein Schwerstverbrechen begangen, Bormann", fauchte sie dem Richter entgegen. Dieser merkte an: "Herr Bormann, bitte." Die Angeklagte darauf: "Nee, für mich nur Bormann." Sie verglich den Richter und die Polizei, die sie aus ihrer Wohnung geholt hatte, mit der "Hitlerschen Gestapo" und bezeichnete sich selbst als freie Bürgerin.

Dass sie von der Polizei zur Verhandlung gebracht wurde und kurzfristig auch in der Zelle des Amtsgerichtes saß, hatte einen einfachen Grund: Zu ihrer Verhandlung um 9.15Uhr war die Frau nicht erschienen, daher wurde sie dorthin gebracht. Ganz offensichtlich hatte die Polizei sie aus dem Bett geholt.

Sie habe Anzeige gegen Bormann erstattet, wetterte die Gardelegerin: "Wegen Kindesentführung." Davon hatte Bormann laut eigener Aussage keine Kenntnis. "Zutreffend ist, dass ich in meiner Tätigkeit als Familienrichter 2013 verfügt habe, dass ihre Tochter in einer anderen Familie untergebracht wird", gab der Richter zu Protokoll.

"... bevor ich von meinem Recht Gebrauch mache, Sie zu erschießen."

Unablässig beschimpfte die Frau den Richter: "Es interessiert mich nicht, was Sie zu sülzen haben. Sie gehören in eine Gummizelle." Sie werde jetzt gehen, "bevor ich von meinem Recht Gebrauch mache, Sie zu erschießen", drohte sie. Und dann hauchte sie plötzlich ganz leise: "Auf Wiedersehen. Ich gehe jetzt." Da rückten die Polizeibeamten sofort in ihre Richtung und versperrten die Tür. Wütend fügte sie hinzu: "Denken Sie nicht, dass Sie mich einweisen können." Bormann bat die Polizeibeamten, die Frau, die nur Jogginghose und T-Shirt trug, vor die Tür des Gerichtsgebäudes zu bringen, da eine vor der Saaltür sitzende Zeugin Angst vor der Angeklagten haben könnte. Bormann hob den Verhandlungstermin nach dem minutenlangen Gebrüll der Frau auf.

Hintergrund ist, dass er befangen sein könnte, wenn die Gardelegerin den Richter tatsächlich angezeigt hat. Um ihr Gerichtsverfahren wegen der angeklagten Körperverletzung und Sachbeschädigung, die sich im Oktober 2013 ereignet haben sollen, wird die Frau aber nicht herumkommen. Stattdessen wird sie sich nach ihrem Auftritt am Montag wohl wegen weiterer Straftaten verantworten müssen - wegen Beleidigung und womöglich noch Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.