Der Zensus, oder die große Volkszählung, erreicht nun auch die Gardeleger Bürger. Ab dem 9. Mai werden im Bereich Gardelegen, Mieste und in Klötze etwa 150 Interviewer, im Gesetz als Erhebungsbeauftragte bezeichnet, unterwegs sein, um die Bürger zu befragen. Eine zentrale Erhebungsstelle für den genannten Bereich wurde eingerichtet. Jetzt werden Freiwillige gesucht, die als Interviewer arbeiten wollen.

Gardelegen. Die Stabsstelle steht. Ganz neue Computertechnik ist auch schon vorhanden. Denn bald soll es losgehen mit der großen Volkszählung, mit der Erhebung zur Bevölkerung und deren Erwerbs- und Wohnsituation. Zensusstichtag ist der 9. Mai. Dann werden deutschlandweit etwa 80 000 Interviewer mit den Fragebögen unterwegs sein. Im Bereich Gardelegen, Klötze und Mieste werden es etwa 150 Frauen und Männer sein.

Beim wöchentlichen Pressegespräch gestern Vormittag im Rathaus hat Roswitha Blankau, Leiterin der Gardeleger Erhebungsstelle, das Verfahren vorgestellt. Die Erhebungsstelle Gardelegen befindet sich in den Räumen der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft Südliche Altmark in der Letzlinger Landstraße 6. Unterstützt wird Blankau von Christine Vogeley und Erika Theska. Die Gardeleger Erhebungsstelle ist für das Territorium mit den Postleitzahlen 3 84 86, 3 96 38 und 3 96 49 zuständig. Nach vorläufigen Informationen sollen 6650 Bürger befragt werden. Blankau geht indes davon aus, dass es eine Nacherhebung gibt mit dem Ergebnis, das etwa 8400 Bürger zu befragen sein werden. "Wir brauchen dafür 150 bis 170 Interviewer. Das können Schüler, Studenten oder rüstige Rentner sein, die aber auch bestimmte Voraussetzungen mitbringen müssen", betonte Blankau, denn immerhin gehe es um persönliche Daten, die dem Datenschutz unterliegen. Neben der Volljährigkeit sind die Kriterien Zuverlässigkeit, Verschwiegenheit und auch ein gepflegtes Äußeres. Die Interviewer werden im Vorfeld geschult.

Die Statistischen Landesämter sind für die Gebäude- und Wohnungszählungen zuständig. Die Betreffenden erhalten die Fragebögen mit der Post. Für die Haushaltsbefragung und die Befragungen in Sondereinrichtungen sind die Erhebungsstellen zuständig. Davon gibt es in Sachsen-Anhalt 37, im Altmarkkreis Salzwedel zwei (Gardelegen und Salzwedel).

"Wer befragt wird, darüber haben wir keinen Einfluss. Das wird nach einem mathematischen Zufallsprinzip ausgewählt. Wir bekommen dann nur die Anschriften", erläuterte Roswitha Blankau. Die Erhebungsstelle wiederum schickt dann die Interviewer los. Die Auserwählten müssen die Fragebögen nicht unbedingt mit den Interviewern ausfüllen. "Das können sie natürlich auch allein, und der Interviewer holt sie wieder ab. Die Fragebögen können auch online ausgefüllt werden", sagte Blankau.

Zu beantworten seien Fragen unter anderem nach dem Familienstand, Schulabschluss, Beraufsausbildung, Haupt- oder Nebenwohnsitz.

Hintergrund der aufwändigen Aktion sei es, den Datenstand EU-weit auf den neuesten Stand zu bringen. Zurück gehe der Zensus 2011 auf eine europäische Verordnung über Volks-und Wohngebäudezählungen vom 9. Juli 2008. Die letzte Zählung habe in der ehemaligen DDR 1981 stattgefunden, in der BRD 1987. "Seitdem gibt es keine aktuellen Daten", sagte Blankau.

Aufwändig ist die Aktion in der Tat. Jede Erhebungsstelle wurde aus Datenschutzgründen mit nagelneuer Computertechnik ausgestattet. Das Büro ist für die Öffentlichkeit nicht zugängig. "Dort darf niemand ohne unsere Begleitung rein. Nicht einmal der Bürgermeister", betonte Blankau. Die drei Mitarbeiterinnen seien geschult und vereidigt worden.

Nach Angaben der statistischen Ämter werden sich die Kosten für den Zensus auf 710 Millionen Euro belaufen. 250 Millionen Euro sollen die Länder vom Bund erhalten. Unterdessen gibt es von zahlreichen kommunalen Spitzenverbänden bereits die Forderung nach einer finanziellen Nachbesserung.

Auch die Stadt Gardelegen muss mitfinanzieren. Im vorigen Haushalt waren bereits 43 000 Euro für den Zensus eingestellt. Im Haushalt 2011 dürfte es allerdings etwas mehr werden, denn allein die Interviewer erhalten eine Aufwandsentschädigung, die laut Empfehlung bei der Haushaltsbefragung bei 7,50 Euro pro Befragung liegt und bei den Sonderbefragungen bei 15 Euro. Ob die Entschädigung in dieser Höhe gewährt wird, wird der Stadtrat mit dem Haushaltsbeschluss festlegen. Bürgermeister Konrad Fuchs hatte gleich mal die Rechnung überschlagen. "Bei 7,50 Euro sind das ja allein schon mehr als 60 000 Euro. Wo soll denn das herkommen? Sowas bringt mich auf die Palme. Da wird irgendwo was beschlossen, und wir bleiben auf den Kosten sitzen", schimpfte Fuchs. Roswitha Blankau zeigte sich da etwas zuversichtlicher. "Das wird die Stadt schon bezahlen können", meinte sie.

Wer als Interviewer arbeiten möchte, sollte sich bis spätestens Ende März im Zensus-Büro melden, das telefonisch unter (0 39 07) 77 29 40, 77 29 16 oder 77 29 15 oder per E-Mail unter zensus@gardelegen.info erreichbar ist.