Putz ist nicht gleich Putz. Und weil an der Kalbenser Burg in verschiedenen Epochen gebaut wurde, müssen nun bei deren Sanierung auch verschiedene Materialien zum Einsatz kommen. Gestern wurde das Bauwerk von Fachleuten begutachtet.

Kalbe l "Die haben damals wirklich schon guten Mörtel hergestellt", sagt Restaurator Udo Drott und berührt vorsichtig den mittelalterlichen Putz des Kalbenser Burggiebels. Der Fachmann aus Bad Belzig hat sich dafür von Bernd Weisbach und mit dessen Hubbühne in Richtung Storchennest bugsieren lassen.

"Hier sind viele verschiedene Materialien zum Einsatz gekommen."

Bauforscher Thomas Langer

Dort oben in rund 20 Metern Höhe pfeift der Wind den beiden um die Ohren. Doch es gilt, den Burggiebel Stück für Stück in Augenschein zu nehmen. Schließlich soll das Gemäuer, dessen Ursprünge bis in das 13. Jahrhundert zurückreichen, an dem aber bis ins 17. Jahrhundert immer mal wieder gebaut wurde, saniert werden. Denn es bröckelt. Immer wieder lösen sich Teile aus dem Mauerwerk. Die Stadt hatte deshalb bereits im vergangenen Jahr 125000 Euro in den Haushaltsplan eingestellt, wobei allerdings 75 Prozent der Nettobausumme aus dem Leader-Programm gefördert werden sollen.

Jedoch kann an so einem alten Bauwerk nicht irgendein Material verwendet werden. "Deshalb erfolgt alles in Absprache mit der Oberen Denkmalschutzbehörde", betont Planer Bert Schulze.

Er erhält nun aber nicht nur entsprechende Zuarbeiten von Restaurator Udo Drott, sondern auch von Bauforscher Thomas Langer. Der ist ebenfalls vor Ort und sagt: "Wir bewerten hier die Putze und die Mauerstruktur. Denn hier sind ja viele verschiedene Materialien zum Einsatz gekommen. Die muss man auch unterschiedlich behandeln." Langer lässt sich kurz darauf ebenfalls von Bernd Weisbach in luftige Höhen befördern, um den Burggiebel genauer betrachten zu können.

Ihm hilft bei seiner Arbeit aber auch die sogenannte Photogrametrie. Dabei wurde bereits im Vorfeld das Mauerwerk mit speziellen Messkameras Schicht für Schicht aufgenommen. Bert Schulze händigt dem Bauforscher nun einen Datenträger mit diesen Bildern aus. Auf ihrer Basis lässt sich besser feststellen, wann welcher Teil der Burg entstanden ist. Denn im Zuge der geplanten Baumaßnahme soll nicht nur das Mauerwerk des Giebels ausgebessert werden, sondern auch das des Hausmannsturmes und der daneben befindlichen Kapelle. Es gelte, so Bert Schulze, die Anwohner künftig besser zu schützen. Aber nicht nur sie. Denn die Burg ist auch Anziehungspunkt für viele Besucher.

"Wir betreiben hier auch ein Stück weit Grundlagenforschung."

Planer Bert Schulze

Und die könnten künftig noch mehr über die Burg erfahren, als bislang bekannt war. "Denn wir betreiben hier natürlich auch ein Stück weit Grundlagenforschung", sagt der Planer und empfiehlt, die Ergebnisse später auch der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Noch ist dies aber Zukunftsmusik. Erst einmal gilt es, die Sanierungsmaßnahme bestens vorzubereiten. "Denn es muss nicht nur technisch passen, sondern auch optisch", erklärt Bert Schulze.

Und Bauamtsmitarbeiter Frank Wulff fügt an, dass die aufwendige Maßnahme zwar noch für dieses Jahr vorgesehen sei, "aber nicht mehr vor Juli". Erst einmal könne also noch das Burgfest über die Bühne gehen. Dessen Eröffnungsveranstaltung am 11. Juli findet traditionell ab Fuße der Ruine statt.