Es gibt wohl kaum einen Gardeleger, der ihn nicht kennt: Manfred Brandt im Otto-Reutter-Kostüm ist auf allen Stadtfesten dabei und dann muss ihn auch niemand zum Singen überreden. Brandt ist aber auch etwas anderes für Gardelegen, nämlich eine tolle Werbung, die niemand bezahlen muss.

Gardelegen l Erst neulich ist es ihm wieder passiert: Irgendwo an der Ostseeküste ruft plötzlich jemand hinter ihm ganz laut "Otto". "Und als ich mich umdrehe, geht da natürlich ein Gardeleger hinter mir", sagt Manfred Brandt und lacht übers ganze Gesicht. Da sitzt er gerade in der Redaktion und freut sich über den Blumenstrauß, der ihn zum "Gardeleger des Monats April 2014" macht. Etliche Leser der Volksstimme hatten den lebensfrohen Wannefelder nämlich für diese Ehrung vorgeschlagen. Denn so manches Mal schlüpft er schließlich ehrenamtlich in die Rolle von Gardelegens berühmtesten Sohn. Längst kommt er nicht nur zu privaten Feiern als Otto Reutter, er ist mittlerweile zum Repräsentanten der Stadt Gardelegen geworden. Ob auf Stadtfesten in, aber auch außerhalb der Region, zum Beispiel bei den Sachsen-Anhalt-Tagen, "überall kennt man mich schon als Otto Reutter", sagt er von sich selbst. Mittlerweile gehört "der Otto" einfach dazu, wenn man sich trifft. Sämtliche Heide-, Rosen-, Spargel- und Bierköniginnen des Landes sehen ihn schon als einen der Ihren an. Und die Gardeleger kennen ihn sowieso. Denn Brandt kommt nicht nur, wenn er offiziell gebucht wird, er kommt oft auch unentgeltlich - einfach so - als Überraschungsgast. Ehrensache für den 58-Jährigen, dass er da ist, wenn es in der Stadt offiziell wird. Ehrensache, dass er für Kinder in seinem braunen Köfferchen immer was Süßes dabei hat - und für die Erwachsenen auch. Ehrensache, dass er mit den Touristen plaudert, die die Stadt zu Festen besuchen, und dass er andernorts diejenigen über Gardelegen aufklärt, die die Stadt noch nicht kennen. Ehrensache, dass er alle, die es wissen wollen, über sein großes musikalische Idol, den großen Otto Reutter aufklärt, sowohl informativ als auch musikalisch.

Rund 20 der berühmtesten Reutter-Couplets - rund eineinhalb Stunden Programm - hat er nämlich mittlerweile drauf. Dass er sich noch an das Erste erinnern kann, hat mit der Brandtschen Familientradition zu tun: "Mein Opa hat auf Familienfesten immer Reutters `Ich habe Angst vor meiner eig`nen Frau` gesungen", erzählt der Wannefelder. Das habe ihm schon als Kind gefallen. Als Opa dann gestorben sei, habe er sich überlegt, "wie schade das doch wäre, wenn das keiner in der Familie weitermacht", so Brandt. Und so sei er in des Großvaters künstlerische Fußstapfen gestiegen, erzählt er.

Und dann kam das schicksalhafte Jahr 2001, mit Reutters 70. Todestag. Da hatten Fans bei der Stadt angefragt, wie denn der große Humorist in seiner Geburtsstadt geehrt werde. Brandt kaufte sich Frack und Fummel plus Melone, polierte die Lackschuhe, "und dann hatte ich am Grab von Reutter meinen ersten offiziellen Auftritt", erinnert er sich und fügt augenzwinkernd und grinsend hinzu: "Das war mein Karrierebeginn." Und genau das ist eigentlich das Sympathischste an dem stets gut gelaunten Mitarbeiter des Gardeleger Wasserverbandes: Er kann über sich selbst lachen. Ganz laut. Und das hat er ganz sicher mit dem echten Otto gemeinsam. Eines ist allerdings anders: Manfred Brandt hat keine Angst vor seiner eigenen Frau. "Sie hat sich schon daran gewöhnt, dass ich immer als Otto losziehe."