In der Letzlinger Kita sprachen 36 Eltern der Erzieherin, gegen die die Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung ermittelt, das Vertrauen aus. Aus Sicht der Stadtverwaltung war die Versammlung ein erster Schritt zur künftigen, verbesserten Arbeit in der Kita.

Letzlingen l Mit einer Vertrauensabstimmung, die mit deutlichem Votum für die Erzieherin der Letzlinger Kita, gegen die die Stendaler Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt (wir berichteten), ausfiel, endete am 3. April eine Generalelternversammlung in der Letzlinger Kita Heideblümchen.

Aus Sicht der Stadtverwaltung war diese Versammlung "zur Deeskalation der ganzen Situation" in der städtischen Einrichtung, wie Fachdienstleiterin Manuela Dietrich-Beckers auf Anfrage erklärte. 38 Eltern, zwei Jugendamtsvertreter, zwei Stadtvertreter, acht Erzieherinnen der Einrichtung sowie der Moderator des Abends, Kita-Berater Siegfried Oeter, und eine Assistentin des Kita-Beraters nahmen daran teil. Eltern, die die zwei Vorfälle gesehen hatten, waren nicht dabei, weil nur die teilnehmen durften, die Kinder in der Kita betreuen lassen. Auch Eltern der Hortkinder - die Erzieher des Hortes gehören zur Kita, da es eine gemeinsame Leiterin gibt - waren nicht dabei.

"Sie gibt zu, dass es sich um pädagogisches Fehlverhalten handelt."

Die 60-jährige Erzieherin, gegen die ermittelt wird, schilderte laut Versammlungsmitschrift die zwei Vorfälle aus ihrer Sicht. Auf dem Spielplatz habe sie ein Kind mit sehr lauter Stimme zurechtgewiesen, sie sei kurz vor dem Anschreien des Kindes gewesen. Sie sei an diesem Tag nicht gut drauf gewesen und entschuldigte sich laut Protokoll bei allen Eltern, dass sie das gemacht hat. Weiter heißt es: "Sie gibt zu, dass es sich um ein pädagogisches Fehlverhalten handelt, aber es war keine Straftat." Zur zweiten Situation sagte die Erzieherin, dass Wutanfälle bei diesem Kind öfter vorkämen und sie entschieden habe, dass sich dieses Kind heute nicht die Zähne putzen darf, um die Eskalation zu beenden. Das Mädchen habe sich zuvor geweigert und den Zahnputzbecher auf den Boden geworfen. Im ersten Gespräch vom 9. Dezember hatte die Frau noch zu Protokoll gegeben, dass sie sich nicht erinnern könne.

Personalsachgebietsleiterin Susan Schulz sagte zu den Schilderungen der Erzieherin bei der Versammlung: "Es ist anerkennenswert, dass sie sich vor so eine große Masse stellt und einen Fehler zugibt."

Laut Protokoll erklären einige Eltern, dass "man für Frau ... inzwischen Hochachtung empfinden kann, dass sie immer noch zur Arbeit komme. Was alles über sie gesagt wurde, ist auch irgendwann Rufmord".

Außerdem heißt es im Protokoll, "dass 18 von 20 Elternhäusern zufrieden mit der Arbeit von Frau ... sind". Diskussionen gab es an dem Abend aber offensichtlich reichlich - auch zur Verantwortung des Trägers, der Stadt. Susan Schulz erklärte bei der Versammlung, "dass alle aus den Fehlern der Aufarbeitung der Vorwürfe in der Kita Heideblümchen gelernt haben". Manuela Dietrich-Beckers ergänzte auf Nachfrage, "dass wir sicherlich ein, zwei Sachen als Träger auch nicht mehr so machen würden". Konkret bezieht sie sich damit auf den Aushang in der Kita vom 19. Dezember, wo die Versetzung der betroffenen Erzieherin in den Hort mitgeteilt wurde (siehe unten). Schulz: "Der Aushang war nicht sehr eindeutig." Dabei war darin klar formuliert, dass die Erzieherin ab Januar 2014 im Letzlinger Hort tätig werden soll. Das trat jedoch nie ein, stattdessen ist sie seit 11.Februar wieder in der Einrichtung.

"Das Jugendamt konnte die Angelegenheit weiter nicht abschließen."

Fünf Tage zuvor hatte das Jugendamt, das bereits involviert war, davon erfahren und "forderte den Träger auf, vor Wiedereinsetzung unbedingt ein Gespräch mit den Eltern, inbesondere den Eltern, die gegen den Verbleib der Erzieherin waren, zu führen", heißt es in einem Schreiben von Landrat Michael Ziche an ein Elternteil. Weiter: "Der Träger habe jedoch versichert, dass die Leiterin der Kita damit beauftragt sei. Da dies jedoch nicht erfolgte, konnte das Jugendamt die Angelegenheit weiterhin nicht abschließen." Am 12. Februar gab es daher ein Gespräch mit Vertretern der Stadt, des Jugendamtes, der Kita-Leiterin und der Erzieherin. Daraus resultierten folgende Festlegungen: "Die Leiterin nimmt an einer Leiterinnenschulung teil (Sommer 2014). In der Einrichtung finden ab 24. Februar Hospitationen durch den Träger, das Jugendamt und ab März 2014 durch die Leiterin statt", schreibt Ziche. Ab September soll die Leiterin Jessica Winkelmann nun die Sozialmanagerausbildung absolvieren.

Handlungsbedarf gab es aber offensichtlich für das ganze Kita-Team, denn nach einer Jugendamtshospitation am 10. März legte die Mitarbeiterin eine "umgehende Schulung der Erzieher zum Thema `Das Bild vom Kind` und `Die Rolle der Erzieherin` fest", wie Ziche schreibt. Diese fand am 20. März in einer abendlichen Weiterbildung mit dem Kita-Berater statt, der am 3. April auch die Elternversammlung moderierte.

Bei der Elternversammlung regte der Kita-Berater eine Vertrauensabstimmung an, dies sollte keine namentliche Abstimmung sein. Die Gäste verließen dazu den Raum, der Moderator und seine Mitarbeiterin blieben auf Bitten der Eltern, heißt es im Protokoll.

Eine Mutter, die keine Abstimmung wollte, so lange die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen nicht abgeschlossen hat, schlug alternativ eine geheime Abstimmung vor. "Es gab keinen Unterstützer dafür", steht in der Mitschrift dazu. Auf Nachfrage erklärte sie: "Was sollten wir da abstimmen? Wir haben doch die Meinung der anderen Eltern, die alles gesehen haben, gar nicht gehört." Durch die öffentliche Situation "waren die Eltern eingeschüchtert". Sie selbst habe sich wie "allein unter Wölfen" gefühlt, berichtete sie. Außerdem fühle sie sich hintergegangen, weil ihre Aussagen im Protokoll falsch dargestellt worden seien. "Nimm doch deine Kinder und hau ab", habe sie sich sagen lassen müssen. Im Protokoll heißt es dazu nur: "Ein Vater empfiehlt den Eltern, die kein Vertrauen in die Erzieher haben, ihr Kind aus der Kita rauszunehmen." Grund für die Abstimmung: "Die Erzieher haben inzwischen ein total verunsichertes Verhalten und so können sie keine liebevolle Beziehungsarbeit mit den Kindern leisten", heißt es im Protokoll.

"Das ist doch mal ein Statement der Eltern, wenn sie so abstimmen."

Die Abstimmung mit der Frage "Sprechen Sie Frau ... das Vertrauen für die künftige Arbeit aus?" sei allein Sache des Moderators gewesen, erklärte Susan Schulz auf die Frage, warum bei einer Gegenstimme zu einer öffentlichen Abstimmung keine geheime erfolgte. Der Moderator war trotz mehrfacher Versuche gestern nicht zu erreichen, um diesen Umstand aufzuklären.

Schulz bewertete die öffentliche Abstimmung der Eltern positiv: "Die Erzieher sind daraus gestärkt hervorgegangen." Dietrich-Beckers ergänzte: "Das ist doch mal ein Statement der Eltern, wenn sie so öffentlich abstimmen."