Lange waren sie erwartet, am Sonnabend waren sie endlich da: Trompeter Kurt Sandau und einer seiner ehemaligen Kollegen der Dresdner Staatskapelle, Klaus Bender, gaben in Zichtau ein Benefizkonzert zugunsten der dortigen Kirchenorgel - und die hat eine Sanierung dringend nötig.

Zichtau l Die große Freude über die so hochrangigen Gäste in der kleinen Zichtauer Dorfkirche war Gisela Pfeil deutlich anzusehen. "Wir versuchen das schon so lange", verriet sie kurz vor dem Konzert. Immer wieder war der Auftritt von Startrompeter Kurt Sandau vorschoben worden: Mal war die Witterung daran schuld, mal war kein Termin zu finden. Doch am Sonnabend war er nun endlich da, mitgebracht hatte Sandau zudem seinen ehemaligen Kollegen, den Pianisten Klaus Bender. Der, so informierte Pfeil die zahlreichen Besucher im Gotteshaus, habe nicht nur jahrelang in der Dresdner Staatskapelle mit Sandau zusammen gespielt, sondern sei auch Korrepetitor in der Dresdner Semperoper gewesen. Bender hatte also mit Solisten die perfekten Töne einstudiert. Sein geschultes Gehör hatte unter den doch recht eigenwilligen Tönen, die die Zichtauer Orgel von sich gab, deshalb auch besonders zu leiden: "Eigentlich kann man darauf gar nicht spielen", so Bender resigniert. Die Orgel habe kein einziges Pedal und nur ein Manual, dafür aber "fünf Register, von denen sechs nicht gehen", scherzte Sandau.

Doch Profis sind eben Profis: Gemeinsam stellten die Herren während der Probe einfach ein Programm zusammen, bei dem auch die altersschwache Orgel in Zichtau mithalten konnte.

"Wir haben Stücke herausgesucht, die man ertragen kann", so Sandau schmunzelnd an das Publikum gewandt. Das allerdings war natürlich viel zu tief gestapelt, denn was die beiden Musiker den Gästen boten, war trotz der eingeschränkten Orgeltöne ein großer Kunstgenuss. Das war schon bei dem ersten Stück - das berühmte Largo von Georg-Friedrich Händel - zu hören. "Es wird bei Beerdigungen genau so gespielt wie bei Hochzeiten", erläuterte Sandau. Und offenbar passte es auch zur Zichtauer Orgel.

Damit diese auch bei kommenden Veranstaltungen in dem kleinen Dorf, etwa zu Hochzeiten oder Beerdigungen, oder auch nur zu ganz normalen Gottesdiensten vernünftig klingt, muss sie dringend saniert werden. Und dazu könnten die Spenden, die die Konzertgäste ins Körbchen am Kirchenportal legten, ein guter Grundstein sein.

Orgelsanierung wird rund 20000 Euro kosten

Denn eine solche Maßnahme werde rund 20000 Euro kosten, bezifferte der Gemeindekirchenratsvorsitzende Hans-Henning Weichert am Sonnabend. Er hatte für die Besucher auch noch einige Fakten zur Orgel zusammengestellt. Die sei etwa um 1760 in Halle gebaut worden, so Weichert. Es handele sich um eine echte Wäldner-Orgel. Die Orgelbauerfamilie Wäldner, speziell Friedrich Wilhelm Wäldner (1785 bis 1852) stammte aus Olberslebe. Von den Instrumenten, die Wäldner baute, existieren weltweit nur noch rund 50.

Dass sich eine Reparatur durchaus lohnen könnte, bestätigten zudem die Künstler. Am Sonnabend holten sie aus der in die Jahre gekommenen Königin der Instrumente aber zunächst einmal das Beste her-aus. Und mit der grandiosen Begleitung von Sandau auf der Trompete klangen selbst einfache Kirchenlieder wie "Lobet den Herrn" wunderschön. Bei Stücken wie der "Hamburger Suite" von Johann Christian Schickhardt ging dann allerdings doch nicht alles: "Wir spielen zwei Teile daraus", kündigte Sandau an. "Die anderen sind leider nicht machbar, aber die sind auch sehr schön!"

Manches lässt sich eben nur mit ein bisschen Humor ertragen. Die Gäste freute das - schon wegen der kurzweiligen Moderation - umso mehr.

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