Gardelegen (iwi). Sie hat mit ihrer Größe von 3,50 Meter wahrscheinlich alles in der Aula des Gymnasiums im Blick: verzweifelte Schüler bei kniffeligen Klausurfragen, Schnellschreiber, die beim Aufsatz sofort loslegen, und die Abiturienten, die jedes Jahr im April und Mai über ihren schriftlichen Prüfungen brüten. "Sie ist wahrscheinlich eine kluge Palme", sagt Uwe Külper schmunzelnd.

Seit einigen Jahren hat seine chinesische Hanfpalme – mit dem lateinischen Namen Trachycarpus fortunei – ein besonders schönes Winterquartier: die Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Seitdem zieht die mehr als 30 Jahre alte Pflanze jedes Jahr kurz vor oder nach dem ersten Frost von ihrem Hofplatz an der Mühlenstraße bei Uwe Külper in die Schule um. "Das ist wirklich eine schöne Lösung für uns, denn so müssen wir sie nicht weit transportieren", sagt Külper dankbar. Mehr als 150 Kilo wiegt das Prachtexemplar mit Topf, auf einem kleinen Rollengestell schieben Külper und sein Schwiegersohn Ralph Hoffmeister das gute Stück zweimal im Jahr zu Fuß zum Gymnasium und im Frühjahr wieder zurück.

Vor mehr als 30 Jahren brachten Külpers Schwester Doris Oesterreich und ihr Mann Richard die Samen von einer Urlaubsreise mit. "Woher genau, ist nicht ganz klar, irgendwo wahrscheinlich aus Russland", erzählt Külper. Er bekam die Palme damals als 25 Zentimeter großes Pflänzchen. Beheimatet sei sie ursprünglich im asiatischen Hochgebirge bis zu 2500 Meter über dem Meeresspiegel. "Sie kann durchaus Frost ab, bis zu minus 15 Grad Celsius sind kein Problem." Aber ob sie auch bei minus 20 Grad draußen stehen könne, will Külper lieber doch nicht testen.

Als die Palme vor vielen Jahren zu groß für Külpers Winterquartier im hauseigenen Keller wurde, zog sie um, mal in die Brennerei auf dem Gut Isenschnibbe und auch ins Gewerbegebiet in die Halle einer Firma. Doch nirgendwo hatte sie einen so schönen Platz wie seit einigen Jahren in der Aula. Und dort ist auch noch Spielraum nach oben, denn das asiatische Gewächs kann eine Höhe von bis zu zwölf Metern erreichen. "Ob wir das dann noch schaffen, weiß ich aber nicht. Das ist ja jetzt schon eine Buckelei. Ohne meinen Schwiegersohn würde das gar nicht gehen", so der Palmenbesitzer.

Sechs weitere Pflanzen, die aber alle noch in seinen Keller passen, hat er zu Hause. Besonders freut sich Külper, dass er in diesem Jahr die Blüten seines Gewächses sehen konnte. "In den Ferien hat uns der Hausmeister, der sie immer gießt, erzählt, dass sie wieder treibt." Seit einigen Tagen sind nun vier herrlich gelbe – männliche – Blütenstände zu sehen. Külper hat nachgelesen: "Die weiblichen Blütenstände sind von der Farbe und Form anders." 2010 hatte die Palme die ersten Blüten, "aber die haben wir verpasst", weil sie auch damals in den Weihnachtsferien blühte.

Im Sommer bei Külpers auf dem Hof hat die Pflanze noch nie geblüht. Dass sie nun blüht "kommt bestimmt, weil sie nach dem Frost draußen die warme Umgebung in der Aula genießen kann", ist sich der Gardeleger sicher. Ab Anfang Mai wird die Palme auch 2011 wieder die Gardeleger Sonne auf Külpers Hof genießen. Bis dahin soll noch das Rollengestell ausgebaut werden, "denn auf drei Rollen geht es bestimmt deutlich besser als auf zweien".

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