Hat eine Mitarbeiterin des Asylbewerberheimes in Gardelegen unbefugt Briefe geöffnet und Räume durchsucht? Der Altmarkkreis widerspricht. Gegen eine Gardelegerin verhängte die Verwaltung ein Hausverbot.

Gardelegen l Eine albanische Familie erhebt schwere Vorwürfe gegen eine Mitarbeiterin des Asylbewerberheimes in Gardelegen. Diese soll private Briefe der Bewohner geöffnet und Räume durchsucht haben. Der Familienvater beschwert sich darüber hinaus: "Wochenlang hatte ich Zahnschmerzen". Doch statt ihn zum Arzt zu schicken, habe die Mitarbeiterin ihm geraten, Schmerzmittel zu nehmen.

Ihre Namen möchten der junge Mann und seine Frau nicht in der Zeitung lesen. In Albanien drohe dem Familienvater Rache. Sein Schwiegervater und er hätten sich geweigert, Schutzgeld zu bezahlen. Sein Schwiegervater sei daraufhin mit Schüssen verletzt worden. Ein paar Monate später erging es dem jungen Familienvater nicht besser. Mit Scherben, Eisenstangen und Feuer hätten sie ihn überfallen. Monatelang konnte die Familie aus Angst nur Zuhause bleiben.

"Wir wurden hier in Deutschland wie Idioten behandelt."

Kreis-Dezernent Hans Thiele widerspricht den Vorwürfen der Familie. Die betreffende Mitarbeiterin ist derzeit im Urlaub. Die Post würde geschlossen im Wachraum hinterlegt und nur auf Wunsch gemeinsam mit den Asylbewerbern geöffnet und besprochen. Durchsuchungen gebe es nicht.

Die Bewohner hätten natürlich ihre Privatssphäre. Sie haben Schränke zum Abschließen. "Aber das sind keine privaten Wohnungen", sagt Hans Thiele.

"Bei beschlagenen Fenstern lüften die Wachmänner und schließen bei Sturm die Fenster, wenn die Bewohner nicht da sind", sagt Thiele. Die junge Albanerin schüttelt den Kopf. "Ich habe selber gesehen, wie eine Mitarbeiterin in unsere Wohnung gegangen ist. Das Wetter war da wunderschön."

Von Deutschland sind sie und ihr Mann enttäuscht. "Wir wurden hier in Deutschland wie Idioten behandelt", sagt er im gebrochenen Englisch. "Keiner will uns hier." Und er will seine Landsleute warnen. Denn in Albanien glauben viele, sie seien in Deutschland willkommen, verkaufen in Albanien Haus und Hof und stehen dann vor einem Schock. Denn die Chancen hierzubleiben sind gering, Asylbewerber aus Albanien werden kaum noch anerkannt. Zurück in Albanien drohen ihnen dann Restriktionen.

"Wir wollen den geflüchteten Menschen Rat und Hilfe geben."

Unterstützt wird die Familie von dem Runden Tisch in Gardelegen. Dort hatten sie den Mitgliedern ihr Leid geklagt. Daraufhin verfassten die Gardeleger eine Presseerklärung mit den Vorwürfen (Volksstimme berichtete).

Einen Vorwurf aus der Presseerklärung mussten die Gardeleger allerdings zurücknehmen. Sie hatten behauptet, dass ein Sozialamts-Mitarbeiter dem Mann aus Albanien einen Krankenschein verweigert habe. Doch das stimmt nicht, sagt der Albaner auf Nachfrage. Ein Missverständnis, sagen Mitglieder des Runden Tisches.

Eine der Unterzeichnenden der Erklärung vom Wochenende ist Vivien Schmidt. Sie ist Inhaberin einer Kneipe in der Gardeleger Innenstadt. Doch seitdem sie sich für die Flüchtlinge engagiert, komme es zu Konflikten mit mutmaßlich Rechtsradikalen. Sie wurde sogar bedroht. Der Staatsschutz ermittelt.

"Wir wollen den geflüchteten Menschen Rat und Hilfe geben", sagt sie. Die Beratung in Gardelegen sei einfach nicht ausreichend. Doch ihre Hilfe ist im Heim nicht mehr gerne gesehen. Der Altmarkkreis Salzwedel hat ihr vor knapp zwei Wochen ein Hausverbot ausgesprochen. Sie soll Heimbewohner aufgefordert haben, eine Familie zu überzeugen, sich vor der drohenden Abschiebung zu verstecken. Schmidt weist jede Schuld von sich. Ähnliche Vorwürfe erhebt der Runde Tisch stattdessen gegen die Betreuerin der Asylbewerber.