661 Personen haben sich gegen gewerbliche Massentierhaltung in Kakerbeck ausgesprochen. Die Unterschriftenliste dazu wurde am Dienstagabend im Zuge einer Einwohnerversammlung an Bürgermeister Karsten Ruth übergeben. Der Stadtrat entscheidet im Mai über die Einstellung des Planverfahrens.

Kakerbeck l "Wir haben nichts gegen Landwirtschaft. Aber wir wollen keine weitere Verschlechterung unserer Lebensqualität." Das hat Frank Wienecke als einer der "Besorgten Bürger von Kakerbeck" am Dienstagabend im Zuge einer Einwohnerversammlung erklärt. Dort ging es um gewerbliche Massentierhaltung, wie sie von der örtlichen Agrargenossenschaft angestrebt wird. Diese will ihre Schweineproduktion von derzeit 3000 auf 18200 Plätze erweitern.

"Der Stadtrat hat Ihre Sorgen wahrgenommen."

In Erwartung etlicher Besucher war vorsorglich in die Turnhalle eingeladen worden. Eine Entscheidung, die sich letztlich als richtig erwies. Denn längst nicht nur Kakerbecker wollten die rege Diskussion verfolgen, zumal auch kompetente Ansprechpartner wie Oliver Wendenkampf, Landesgeschäftsführer des BUND, anwesend waren.

Den meisten Applaus erntete allerdings Einheitsgemeinde-Bürgermeister Karsten Ruth. Denn er machte deutlich, dass "alles wieder zurück auf Start" gehen müsse. Soll heißen: Das Verfahren für einen vorzeitigen Bebauungsplan, für den der Stadtrat im Mai 2013 den Aufstellungsbeschluss gefasst hatte und auf dessen Grundlage schließlich die Vergrößerung der Schweineproduktion erfolgen sollte, muss demnächst aus bauordnungsrechtlichen Gründen wieder eingestellt werden (Volksstimme berichtete). Dies geschieht voraussichtlich bei der Stadtratssitzung im Mai. Schon heute befasst sich aber das vorgeschaltete Gremium, der Hauptausschuss, mit dem Thema und gibt letztlich eine Empfehlung ab. Ruth versicherte den Kakerbeckern in dem Zusammenhang: "Der Stadtrat hat Ihre Sorgen wahrgenommen." Gleichzeitig erklärte er aber auch, wie es überhaupt zu dem Aufstellungsbeschluss gekommen war und dass die frühzeitig und auch öffentlich vorgebrachten Argumente der Agrargenossenschaft damals "sehr schlüssig" für den Rat geklungen hätten. Inzwischen gäbe es jedoch, basierend auf einer Stellungnahme des kreislichen Bauordnungsamtes, eine neue Rechtssituation. Sofern nach dem Einstellen des aktuellen Verfahrens seitens der Agrargenossenschaft ein erneuter Antrag auf einen Bebauungsplan gestellt werde, "wird sich der Stadtrat sehr intensiv mit der Materie befassen und eine Abwägung der Argumente vornehmen", sagte Ruth.

Andere Redner hatten zuvor bereits deutlich gemacht, warum in Kakerbeck keine gewerbliche Massentierhaltung stattfinden sollte. So hatte Klaudia Lüdecke, Diplom-Ingenieurin für Landeskultur und Umweltschutz, erläutert, wie sich das Ausbringen riesiger Güllemengen auf den Nitratgehalt des Grundwassers auswirken würde. Und Oliver Wendenkampf hatte in dem Zusammenhang aufgezeigt, wie viele Hormone und Antiobiotika, die in der Massentierhaltung ja nun einmal angewendet würden, damit ins Erdreich und in den Wasserhaushalt gelangen würden. "Es geht darum, mögliche Eintragspfade zu minimieren und nur das zuzulassen, was der Standort vertragen kann", so Klaudia Lüdecke weiter. Aber schon jetzt seien im Grundwasser Fäkaleinträge nachweisbar. Die Fachfrau forderte deshalb: "Man muss bei den Ursachen ansetzen und nicht die Folgen bekämpfen."

Frank Wienecke erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass das Wasser in weiten Teilen Niedersachsens inzwischen wegen der dortigen Massentierhaltung ungenießbar sei. "In 20 Jahren haben wir hier das Gleiche. Und die Investoren ziehen weiter."

Henning Lüdecke, ebenfalls ein "Besorgter Bürger von Kakerbeck", machte zudem deutlich, dass sowohl die Ferkel als auch das Eiweißfutter für die Kakerbecker Schweineproduktion von außerhalb kämen und dass die fertig gemästeten Tiere dann zur Schlachtung ins Ausland gingen. Was vor Ort bliebe, sei die Umweltbelastung.

Da wirkten auch die Argumente von Stefan Middendorf, Vorstandsmitglied der Agrargenossenschaft, wenig entkräftend. Er unterstrich jedoch noch einmal, dass sich das Unternehmen frühzeitig darum bemüht habe, die Öffentlichkeit in den Planungsprozess einzubeziehen. "Wir wollen kein zweites Binde", wo die Bürger quasi vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien. "Unser Ziel ist es, die Agrargenossenschaft Kakerbeck", in der es aktuell 18 Mitarbeiter gäbe, "für die Zukunft auszurichten". Deshalb die geplante Erweiterung der Schweineproduktion, so Stefan Middendorf.

"Hat das noch etwas mit Landwirtschaft zu tun?"

Dorothea Frederking, Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, sprach in diesem Zusammenhang allerdings von einer "gigantischen Größenordnung", die da auf Kakerbeck zukommen würde. Und sie stellte die Frage: "Hat das dann noch etwas mit Landwirtschaft zu tun, in der alles in einer vernünftigen Kreislaufwirtschaft funktioniert?" Klaudia Lüdecke meinte dazu: "Es geht hier um den Ausverkauf von natürlichen Ressourcen. Deshalb ist ein Umdenken in der Landwirtschaftspolitik gefragt." "Aber eben auch in der Gesellschaft", erwiderte Frederking.