Ein besonderes Ehejubiläum feierten gestern Erika und Erhard Klewitz in Lindstedterhorst. Seit einem halben Jahrhundert ist das Paar nämlich verheiratet - und beide würden sich auch nach so langer Zeit wieder füreinander entscheiden.

Lindstedterhorst l Goldene Luftballons hängen am Tor, eine Tannengirlande mit goldenen Blüten umrandet die Tür. Davor - nanu? - stehen lauter goldene Schuhe. Erika Klewitz lacht: "Das haben sich die Kinder ausgedacht", sagt sie. "Wir sollen uns wohl jeder ein Paar aussuchen." Denn gestern ist kein gewöhnlicher Tag im Hause Klewitz, sondern ihr 50. Hochzeitstag. Und der soll zünftig gefeiert werden. "Das haben auch unsere Kinder beschlossen", erklärt Erhard Klewitz und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Wie seine Frau freut sich offenbar auch der 81-Jährige über den Trubel, der herrscht. Dennoch nehmen sich die zwei dann gern ein bisschen Zeit, um mal aus ihrem Leben zu plaudern. Von der Zeit, als alles begann.

Und das war im Jahr 1963. Da nämlich sitzt die damals 23-jährige Erika Fiedler gemütlich mit den Nachbarskindern in Thondorf - ein Ort nahe Eisleben - zusammen. Sie soll auf die Kleinen aufpassen, stöbert dabei ein bisschen in der Bauernzeitung, die dort liegt, und bleibt plötzlich an einer Anzeige hängen, die ihr sofort ins Auge fiel: Ein junger Bauer aus dem Altmärkischen suchte darin nach einem passenden Gegenstück, und das offenbar so sympathisch, dass sich die junge Frau gleich angesprochen fühlte. "Ich dachte mir, dem könnte ich doch mal schreiben", erzählt die heute 72-Jährige schmunzelnd.

"Ich finde es schön, dass ich mich immer auf ihn verlassen kann."

Genau das tut sie auch und hat die Zeilen bis heute nicht bereut. Denn aus dem Brief wird erst eine Freundschaft, dann ein Besuch - mit dem Trabi, später eine Liebe und schließlich eine Ehe, die mittlerweile ein halbes Jahrhundert währt.

Zu verdanken haben die zwei ihr Schicksal allerdings nicht nur dem Zufall, sondern auch ein kleines bisschen einer weisen Mama. Erhard Klewitz` Mutter hatte ihren über 30-jährigen Sohn damals nämlich wohl recht energisch ermuntert, die Suche nach einer Frau nun doch mal ein bisschen ernster zu nehmen. Und auch sie freute sich dann natürlich über die tüchtige Schwiegertochter, die auf dem heimischen Hof ordentlich mit zupackte. "Dabei musste ich alles erst lernen", verrät Erika Klewitz. Denn sie konnte nach einer Arbeit in hauswirtschaftlicher Stellung zwar hervorragend kochen, das allerdings übernahm in Lindstedterhorst, dem Heimatort ihres Mannes, die Oma. Dafür musste die junge Frau melken und die Tiere versorgen, denn Ehemann Erhard arbeitete auch für die LPG. "Wie das nun mal so war auf dem Lande." Bald warteten dann aber auch schon neue Aufgaben auf die junge Familie: 1967 kam mit Rita die erste, 1969 mit Ute die zweite und 1975 mit Heike schließlich die dritte Tochter zur Welt und machten aus dem mittlerweile eigenen Heim ein Dreimädelhaus, auf das Erhard Klewitz natürlich besonders stolz war.

Genau so wie sie heute beide auf ihre Enkelkinder sind. Zwei ihrer Töchter, Ute und Heike, schenkten ihren Eltern nämlich gleich noch einmal drei Mädchen.

"Ich mag an ihr, dass sie von Anfang an immer so fröhlich war."

Zwei Enkelsöhne "erbeutete" das Paar dann auch noch durch die Hochzeit von Tochter Ute, die mittlerweile - wie ihre ältere Schwester Rita - mit ihrer Familie in einen anderen Teil Deutschlands gezogen ist.

Froh sind Erika und Erhard Klewitz darüber, dass wenigstens ihre Jüngste in der Nähe, sogar in direkter Nachbarschaft geblieben ist. Und sie kümmerte sich denn auch in den vergangenen Tagen liebevoll um die lustige Dekoration vorm Haus und gestern auch um die Verpflegung der Gratulanten, die bei den Eltern ein und aus gingen. Und das waren einige. Schließlich engagiert sich Erhard Klewitz auch sehr im Schützenverein, war sogar zweimal Schützenkönig.

Gefeiert werde allerdings erst am Wochenende, dann aber mit der ganzen Familie, verrieten die Jubilare. Nach dem Gottesdienst in der Lindstedterhorster Kirche, in der sie vor 50 Jahren auch Ja zueinander gesagt hatten, lädt das Paar dann nämlich alle in den Berger Gasthof ein. Und auch, wenn sie "eigentlich gar keinen Trubel machen wollten", um ihr Ehejubiläum, freuen sie sich ganz offensichtlich nun doch schon sehr auf das Fest.

Und dass das ganz sicher eine fröhliche Party wird, ahnt selbst jemand, der Erika und Erhard Klewitz nicht kennt. Die zwei nämlich haben in 50 Jahren Ehe das Lachen ebenso wenig verlernt, wie das Lieben. Beide würden sich sogar "auf der Stelle wieder heiraten", versichern sie gestern glaubwürdig. Und beiden fällt auch spontan ein, warum: Sie schätzt an ihm, "dass er so zuverlässig ist und ich mich immer auf ihn verlassen kann". Er liebt an ihr, "dass sie von Anfang an immer so fröhlich war und es immer noch ist".

Dass sie auch sehr temperamentvoll sein kann, beweist Goldbraut Erika Klewitz schließlich, als sie ihren Geheimtipp für eine so lange Ehe verrät: "Wir haben uns auch mal angebrüllt", sagt sie augenzwinkernd. Allerdings "immer nur wegen Kleinigkeiten". Und der Ärger darüber hielt eben nie lange an.