Volksstimme: Im Haushalt 2014 ist zu sehen, dass die Freibäder Zichtau, Zienau und Potzehne im Verwaltungshaushalt aufgeführt sind. Mieste aber nicht. Sind Sie enttäuscht oder hatten Sie nichts anderes erwartet?
Thomas Güssefeld: Wir hatten nichts anderes erwartet. Dass wir dieses Jahr kein Geld aus dem Haushalt bekommen, um hier irgend etwas zu machen, das war uns schon klar. Wir warten, versuchen, hoffen, dass wir eine Fördermöglichkeit auftun - vielleicht auch mit diesem IGEK-Projekt. Dass man vom Bund, von der EU Geld locker machen kann, dass sich einer von der Stadt bemüßigt fühlt, da auch hinterherzugehen. Wir selbst können höchstens darauf zeigen und sagen, da könnte was gehen, aber machen muss es die Stadt, weil sie der Träger ist.

Der Verein ist im September 2010 gegründet wurden. Ist der Kampf um das Miester Freibad aus Ihrer Sicht und aus Sicht Ihrer 100 Mitglieder noch realistisch?
Wir geben nicht auf. Wir haben bei der Mitgliederversammlung als Vorstand ganz explizit die Frage gestellt, ob wir denn hier weitermachen wollen, weil auch verschiedene andere Angebote relativ schlecht angenommen werden - sei es das Ostereiertrudeln oder das Sommerfest, das wir gemacht haben. Die Arbeit, die wir hier machen, wird im Dorf nicht so richtig angenommen, weil auch viel im Hintergrund geschieht, ist mein Eindruck.

In Mieste wird eine Kita gebaut, die Grundschule saniert, ein neues Feuerwehrgerätehaus ist Thema, das Baufanit-Gelände ist beräumt, die Kasa womöglich bald auch. Haben Sie Sorge, dass für das Freibad gar nichts mehr übrigbleibt und auch gar kein Rückhalt von Stadträten aus der Region da ist?
Wir haben ein Freibadkonzept, wo der Erhalt des Freibades langfristig beschlossen wurde, nicht mehr und nicht weniger.

Wie bewerten Sie das Freibadkonzept von 2012 denn aus heutiger Sicht?
Das hat mit Freibadkonzept nichts zu tun, denn es steht nichts dazu, was, wo, wie gemacht wird. Da steht nur drin: Drei Freibäder gibt es, die entsprechen dem Stand, und die werden geöffnet. Und ein viertes Freibad gibt es, dazu gucken wir uns alle in die Augen und sagen, das wollen wir langfristig erhalten. Als was? Keine Ahnung, vielleicht als grüne Wiese? Dazu steht nichts Konkretes drin.

"Da haben die anderen Orte im Stadtgebiet Pech, dass sie so eine Ruine nicht hatten."

Der Umstand, dass schon so viel Geld nach Mieste geflossen ist, treibt Sie nicht um?

Überhaupt nicht, denn das ist eine völlig andere Geschichte. Wer auf die Idee gekommen ist, dieses Baufanit-Gelände zu sanieren, das ist mir völlig rätselhaft. Das jetzt platt zu machen und einen Park anzulegen, finde ich erstmal schick. Da haben die anderen Orte im Gardeleger Stadtgebiet Pech, dass sie so eine Ruine nicht hatten. Ich stehe auf dem Standpunkt, Gardelegen hat sich Mieste eingekauft, und das bezahlen sie jetzt, das ist so. Dass die Kita gemacht werden muss, ist zu sehen. Dass für die kleine Gemeinde Mieste in diesen Größenordnungen das Geld vorab nicht da war, müsste auch jedem klar sein, der halbwegs geradeaus denken kann. Und dass es jetzt so geballt nach Mieste gehen muss, das ist eben so. Vielleicht würde ich anders denken, wenn ich Jävenitzer, Letzlinger oder Estedter wäre. Aber es ist nun mal so, dass der größte bewohnte Flecken außerhalb Gardelegens Mieste ist. Und wenn von der Politik so ein Mist entschieden wird, dass man eine Gebietsreform so groß machen muss, dann muss man mit den Folgen leben, ganz klar.

2010 war es ja erst eine Bürgerinitiative und dann gab es Ihrerseits die Hoffnung, dass mit Hilfe eines Fördervereines mehr erreicht werden kann. Hat sich das bestätigt?
Nein, aus meiner Sicht nicht. Ich ging davon aus, dass man als Verein mehr darstellen kann. Wichtig war, dass wir die Gemeinnützigkeit erhalten. Denn damals haben wir noch gedacht, wenn wir hier Wasser reinkriegen, bekommen wir den einen oder anderen Handwerker dazu, hier eine Spende abzugeben.

2014 ist die vierte Saison, die das Miester Bad geschlossen ist. Es geht also ohne?
Ja.

Und der Kampfesgeist ist trotzdem da?
Ja. Es sind zwar immer die selben 20 Gesichter, in die ich schaue, und wir haben auch genug eigene Hobbys, um die wir uns kümmern können, da müssen wir uns nicht als Freibadförderverein treffen. Es kamen einzelne Wortmeldungen, ob es uns überhaupt noch gibt. Aber ich habe danach mit Leuten gesprochen, die ganz andere Sachen gesagt haben: Es ist schön, dass ihr euch immer noch engagiert.

Sie kümmern sich als Verein um die Außenanlage des Freibades?
Die Idee war, dass wir die Außenanlagen pflegen, auch weil wir hier Veranstaltungen machen wollen. Wir haben jetzt mit der Stadt einen Nutzungsvertrag abgeschlossen. Da steht drin, dass sich die Stadt einmalig um die Außenanlage kümmert, alles andere ist Sache des Vereines. Es wachsen ja mittlerweile Birken im großen Becken. Aber die einstimmige Meinung war, dass man sich ein bisschen kümmern muss, deswegen werden wir dieses Jahr den einen oder anderen Arbeitseinsatz fahren. Wir wollen auch einen Raum hier im Freibad gestalten, damit er für sportliche Aktivitäten genutzt werden kann.

"So kann man ein bisschen mehr Druck gegenüber der Politik aufbauen."

Soll der neue Raum mehr Besucher ins Bad locken?
Wir glauben, dass wir mehr Rückhalt bekommen, wenn hier jede Woche Leute kommen und sich das anschauen und sehen, dass es schade ist, dass man nach dem Turnen nicht eine Runde schwimmen kann. So kann man ein bisschen mehr Druck gegenüber der Politik aufbauen.

Wie fällt Ihr Rückblick 2013 zu den Vereinsaktivitäten aus?
Im vorigen Jahr waren andere Sachen wichtig. Jeder, der geradeaus denken kann, sagt dann auch erstmal, wir halten den Ball flach. Und so sind wir letztes Jahr gefahren. Es lief alles im Hintergrund. Wir waren in Magdeburg, haben versucht Geldquellen zu finden, die wir nicht gefunden haben, weil es sie nicht gibt, wenn es darum geht, ein Freibad zu sanieren. Egal in welche Richtung, ob man jetzt ein Naturbad gestalten will oder ein anderes mit Chemiefilteranlage. Der Ansatz war, dass wir aus ökologischen Gesichtspunkten eine biologische Filteranlage nutzen wollen, damit wir vielleicht an Fördermittel rankommen. Es ist immer noch eine schöne Idee, aber es bringt keinen Vorteil.

Der Haushalt der Stadt konnte nur durch eine Million Euro aus Rücklage ausgeglichen werden. Der Bürgermeister hat bereits angekündigt, dass alle freiwilligen Aufgaben auf dem Prüfstand stehen werden. Wie sehen Sie unter diesem Aspekt die Zukunft des Bades?
Mit dem Argument, dass alle freiwilligen Aufgaben auf dem Prüfstand stehen, schlagen wir uns seit dreieinhalb Jahren rum. Das höre ich immer wieder. Gardelegen hat auch ein Freibad, das ist auch eine freiwillige Aufgabe. Zwei Jahre Gardelegen zugemacht und das Miester Freibad ist von dem Geld, was dann gespart werden würde, saniert. Das muss man ganz klar so sehen. Wir haben nicht das Ziel, dass 2016 das Freibad offen sein muss.

"Hut ab vor den Mitgliedern, die immer dabei sein und sagen, wir machen das trotzdem."

Wie ist Ihre Sicht zu den Aktivitäten des Stadtrates und der Verwaltung?
Der jetzige Stadtrat und der jetzige Bürgermeister haben uns ganz klar gesagt, dass sie sich darum nicht kümmern werden. Als das Freibadkonzept beschlossen wurde, hat man uns gesagt, dass wir uns gerne darum kümmern können, aber sie machen da nichts. Von daher Hut ab vor den Mitgliedern, die immer dabei sind, sich auf den Weihnachtsmarkt stellen und die sagen, wir machen das jetzt trotzdem. Bei manchen mag schon Trotz dabei sein, im Sinne von "Jetzt erst recht".

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