Ein langgehegter Wunsch der Mitglieder der Landsmannschaft der Gardeleger Ost- und Westpreußen ging gestern in Erfüllung: Feierlich enthüllten sie das Straßenschild an der neu benannten Immanuel-Kant-Straße am einstigen Heinrich-Heine-Weg.

Gardelegen l Tausche Dichterfürst gegen Philosophen. Aus dem Gardeleger Heinrich-Heine-Weg wurde vor einigen Monaten die Immanuel-Kant-Straße. Was indes nur wenige wissen: Der Namensvorschlag kam von einer Gruppe Menschen, die schon lange den Wunsch hegt, mit einem Straßenamen in ihrer Heimatstadt einen Bezug zu ihren Wurzeln herzustellen: Gestern ging für die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen dieser Wunsch in Erfüllung. Sie enthüllten das Straßenschild mit dem Namen des berühmten Philosophen Immanuel Kant und ein zusätzliches Schild, das auf den Namensgeber aus dem ostpreußischen Königsberg hinweist.

Die Idee zu einer "eigenen Straße" habe vor Jahren Karola Werner gehabt, erinnerte gestern Dieter Hetebrüg in seiner kleinen Ansprache. Aber auch er selbst sowie Gerhard Busch und Herbert Goldenberg als Vorsitzender der Landsmannschaft hatten das Ansinnen unterstützt und waren damit auch bei der Stadt auf offene Ohren gestoßen. Er habe den Wunsch nachempfinden können, "sich auch in der neuen Heimat zu Hause zu fühlen", bestätigte gestern Bürgermeister Konrad Fuchs. Denn auch die Vertreibung vieler Deutscher "in einem Krieg, den die Deutschen vom Zaun gebrochen haben", sei schließlich ein Unrecht gewesen. Das, so Fuchs, würde manchmal vergessen. Den Vorschlag, dass es in Gardelegen eine Straße geben soll, die an die einstigen Gebiete im Osten erinnert, habe er deshalb von Anfang an begrüßt. Zunächst hatte er auf einen Straßenneubau orientiert, dann aber bot sich die Möglichkeit im Rahmen der Straßenumbenennungen innerhalb der Gebietsreform. Um Doppelungen zu vermeiden, hatte es in der Einheitsgemeinde einige Namenswechsel geben müssen. "Den Heinrich-Heine-Weg gab es mehrfach", erinnerte Fuchs. Das sei die Chance gewesen, den Wunsch der Ost-und Westpreußen zu erfüllen. "Danke für Ihre Geduld und auch für Ihre Hartnäckigkeit", so Fuchs augenzwinkernd. "Aber was lange währt, wird gut."

"Ihre" neue Straße weihten die Mitglieder dann schließlich auch gleich zünftig ein, nämlich mit dem Ostpreußenlied "Land der dunklen Wälder" und "Ännchen von Tharau".

Dass nur ein kleiner Straßenzug künftig an ihre Heimat erinnert, fand Dieter Hetebrüg übrigens nicht schlimm. Denn die Umgebung sei doch herrlich grün, schwärmte er, und schließlich hatte schon Kant selbst zur Bescheidenheit aufgerufen: "Reich ist man nicht durch das, was man besitzt, sondern mehr noch durch das, was man mit Würde zu entbehren weiß", zitierte Hetebrüg schmunzelnd.

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