Der Unbekannte kam des Nachts und auf leisen Sohlen: Gleich zwei HSV-Fahnen wurden dem Jävenitzer Udo Spengler gestohlen - innerhalb von nur vier Wochen. Nun hängt die dritte und ihr Besitzer ist auf der Suche nach einem Dieb ohne Ehrgefühl.

Jävenitz l Blau ist der Himmel, blau-weiß-schwarz ist die Fahne, die fröhlich im Wind vor dem Haus weht, und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit, egal ob im Hause Spengler "alle Mann an Bord" sind, wie das Flaggensymbol, der Blaue Peter, verspricht.

Der Jävenitzer Udo Spengler ist, genau wie sein Jüngster Elias (13) Fan des Hamburger Sportvereines. Und zwar "solange ich denken kann".

Schon zu DDR-Zeiten drückte er den Kickern des Vereines die Daumen, "mindestens 20 Mal" war er schon selbst dabei, wenn seine Mannschaft spielte. Selbst gestern, nach dem enttäuschenden Ergebnis des Relegationsspiels, schlägt Spenglers Herz für die Hanseaten. "Ein echter Fan ist immer Fan", sagt er, und ein echter Fan wie Spengler hält natürlich die Fahne seines Vereines hoch...wenn ihm nicht Diebe dazwischenfunken würden. Denn genau das ist dem Fußballtrainer des SV Heide Jävenitz innerhalb der letzten vier Wochen gleich zwei Mal passiert.

Zum ersten Mal war die Flagge am zweiten Aprilwochenende verschwunden. Fein säuberlich abgeknüppert vom schmucken Aluminiummast. "Und zunächst habe ich das Ganze noch sportlich gesehen", sagt Spengler. "Ich dachte, da hatte einer wohl keine Fahne und konnte sich auch keine leisten."

"Kein Fan klaut dem anderen seine Fahne, das ist einfach unkollegial."

Geschenkt die Sache. Spengler kaufte eine neue für 29,95 Euro und hisste sie wieder auf seinem Grundstück. Dort wehte sie über allem. Alles schien in Ordnung zu sein. Doch dann glaubte der Jävenitzer Familienvater seinen Augen nicht zu trauen: Denn am Morgen des vergangenen Sonnabends stand sein Fahnenmast bereits wieder unbeflaggt da. Genau vier Wochen hatte die neue Fahne gehalten, bevor sie wieder jemand einholte und mitnahm, am selben Wochentag wie beim vergangenen Mal. "Als ob der vom Bahnhof kommt" - der Weg führt nämlich nahe an seinem Haus am Lausebach vorbei - "und dann unterwegs einfach mal die Fahne mitnimmt."

Diesmal kann Spengler allerdings keinerlei Verständnis für den dreisten Dieb mehr aufbringen - dass es ein und derselbe war, steht für ihn außer Frage - denn "schließlich braucht niemand zwei Fahnen". Und ohnehin weiß der Jävenitzer nicht, ob der Täter überhaupt unter Fußballfans zu suchen ist. "Egal, wen ich gefragt habe, egal, für welchen Verein jemand ist, alle haben mir bestätigt: Das macht man nicht unter Fußballfans, kein Fan klaut einem anderen seine Fahne, das ist einfach unkollegial."

Und deshalb hat er diesmal auch die Polizei eingeschaltet. Zumal er eine ungefähre Uhrzeit angeben kann: "Mein Nachbar hat gegen Mitternacht gehört, wie jemand weggelaufen ist."

Seit einigen Tagen hängt eine neue Fahne vor seinem Haus. "Sie weht wieder, zum dritten Mal." Udo Spengler hat noch mal 29,95 Euro für die Flagge berappt und dieses Mal noch ein bisschen mehr investiert und den Mast besonders gesichert. Mehr als der finanzielle Verlust ärgert ihn aber die Dreistigkeit des Diebes. Wer ihm hilft, denjenigen ausfindig zu machen, soll deshalb nicht leer ausgehen. "Ich habe eine Belohnung ausgesetzt", sagt der Jävenitzer. Wie hoch, darüber bewahrt er Stillschweigen. Auf jeden Fall werde er sich die Info etwas kosten lassen, versichert er. Und er würde den Informanten auch gern zu einem Spiel seiner Mannschaft mitnehmen: "Das wäre keine Hürde."