Die Kämpfe der Vergangenheit schienen erledigt. In entspannter Atmosphäre fand am Mittwochabend der Neujahrsempfang der Stadt im Rathaussaal statt. Bürgermeister Konrad Fuchs hatte dazu alle alten und neuen Stadträte sowie alle Ortsbürgermeister eingeladen. Gekommen waren knapp 100 Gäste.

Gardelegen. "Gut, wieder hier zu sein, gut, euch zu sehn", sang Andreas Finger mit seiner Frau Kerstin und Sohn Johannes. Das Lied von Hannes Wader, das die Gruppe Hoahnenfoot den Gästen des Neujahrsempfanges zur Begrüßung vortrug, war programmatisch – obwohl manche der Gäste erstmals im Rathaussaal waren. Kennen lernen sollten sich die Gäste, sagte Bürgermeister Konrad Fuchs in seiner Ansprache. Auch deshalb waren die Anwesenden sämtlich mit Namensschildern ausgestattet worden. Das war nötig: Denn viele kannten sich noch nicht – die Stadt ist dazu noch zu neu und zu groß.

Den Musiker vorn indes kannten viele: Und der Dannefelder Andreas Finger wird demnächst noch mehr Auftritte im Rathaussaal haben: Er gehört zu den 24 neuen Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl im November gewählt worden waren. Nur zwölf bisherige Ratsmitglieder sitzen im neuen Stadtrat.

Fuchs bezeichnete das Jahr 2010 als das "erfolgreichste Jahr in Gardelegens jüngerer Geschichte" – auch wenn der städtische Haushalt nur mit einer Entnahme aus der Rücklage habe ausgeglichen werden können. Die Auftragsbücher der Industriebetriebe seien voll, die Arbeitslosenquote sei erstmals unter zehn Prozent gesunken (was auch mit der Zusammenlegung der Bereiche Gardelegen und Klötze bei der Arbeitsagentur zu tun habe). Dennoch sei das "ein gutes Zeichen".

"Ich freue mich auf innovative, aktive und schöpferische Stadträte und Ortschaftsräte"

<6>Die erste Etappe der Gebietsreform sei "ziemlich erfolgreich gemeistert" worden. Die Stadt habe "enorme Investitionen auf den Weg gebracht oder beendet". Das betreffe auch die Ortsteile, nicht nur die Stadt. Insgesamt sei das "20. Jahr der deutschen Einheit bisher das erfolgreichste der Nachwendegeschichte der Stadt". Der Sozialdemokrat Fuchs lobte den früheren christdemokratischen Bundeskanzler Helmut Kohl: "Das zeigt, dass derjenige Recht hatte, der sagte, es werden blühende Landschaften entstehen. Die ersten blühen schon."

Doch das neue Jahr stelle "gewaltige Aufgaben", betonte Fuchs. Die Gebietsreform müsse umgesetzt werden. Das werde gelingen, wenn alle "mit Vernunft, gegenseitigem Respekt und Umsicht die Aufgabe angehen". Ziel müsse sein, "dass es funktioniert und dass es der Bürger eigentlich gar nicht merkt". Fuchs weiter zu den Gästen: "Ich bin überzeugt, wenn wir das klug anstellen, wird das in etwa so laufen."

Dramatisch aber sei die finanzielle Lage der Stadt. Im Verwaltungshaushalt klaffe ein Loch von rund drei Millionen Euro, im Vermögenshaushalt eines von eins bis drei Millionen. "Eventuell sind sechs Millionen Euro nicht finanziert", sagte Fuchs und legte die Linie fest: "Aufgabe des Stadtrates wird sein, die Ausgaben so weit wie möglich zu reduzieren ohne drastische Einschnitte bei den weichen Standortfaktoren." Leider spüre die Stadt, was die Gewerbesteuereinnahmen angehe, den wirtschaftlichen Aufschwung "so gut wie gar nicht".

Die Stadt habe jetzt 14,7 Millionen Euro Schulden, die Rücklagen und der Aktienbesitz habe sich aufgrund der Eingemeindungen indes kaum erhöht. Fuchs, bemüht, keine Schuldzuweisungen an die Gäste zu verteilen: "Ich beklage das nicht, ich stelle fest."

Einnahmen müssten dort, wo noch Spielräume vorhanden seien, erhöht werden. Erhöhungen beim Gewerbesteuerhebesatz indes schloss Fuchs aus. Auch bei den anderen Hebesätzen sei die Stadt "ziemlich weit oben". Dennoch wollte sich Fuchs nicht festlegen: "Da müssen wir mal sehen."

Der Bürgermeister bat die Anwesenden: "Lassen Sie uns gemeinsam agieren, nicht abwarten und reagieren." Er freue sich auf "innovative, aktive und schöpferische Stadträte und Ortschaftsräte".

Diese applaudierten höflich, erfreuten sich dann an der kurzen, sehr gelungenen Vorstellung von Rupert Kaiser, der einen knappen Einblick in die Planungen für den Sachsen-Anhalt-Tag gab, bevor Hoahnenfoot mit dem Mitte des 19. Jahrhunderts geschriebenen Trinklied "Lustig, lustig, ihr lieben Brüder" den offiziellen Teil des Neujahrsempfanges beendete und – ungemein passend – den Übergang zum Büfett schufen: "Ja, lustig, lustig ihr lieben Brüder, so leget all eure Sorgen nieder, und trinkt ein Glas Champagnerwein."

   

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