"Falco garlebensis" ist der Titel eines Buches von Dr. Rosemarie Leineweber, das am Sonnabend im Rathaus vorgestellt wurde. Es beschäftigt sich mit der Brauerfamilie Falcke.

Gardelegen l Wer suchet, der findet - und manchmal findet er dabei auch Dinge, nach denen er - oder in diesem Fall sie - gar nicht gesucht hat. Denn Dr. Rosemarie Leineweber, Archäologin im Unruhestand, recherchierte gerade für eine andere Sache, als sie eine 1940 erstellte Stammtafel einer Gardeleger Familie Falcke in die Hände bekam.

Ein interessanter Zufallsfund, fand sie und erzählte davon so ganz nebenbei Friedhelm Heinecke, Leiter der Museen des Altmarkkreises Salzwedel, als er wenig später mit ihr darüber ins Gespräch kam, was die historisch Interessierte denn jetzt im Ruhestand so mache. Mit Heineckes Bitte, aus dem Falcke-Fund "doch ein bisschen mehr zu machen", ist wirklich mehr geworden: das Buch "Falco garlebensis", erschienen im Dr. Ziethen Verlag Oschersleben. "Dieses Buch war überfällig", sagte Heinecke am Sonnabend. Es passe sehr gut zu dem, was in diesem Jahr im Freilichtmuseum Diesdorf geplant ist. Dort wird eine aus Wollenhagen stammende Hopfendarre aufgestellt, zudem ist eine Hopfenausstellung geplant.

Am Sonnabendnachmittag stellte die Autorin im Rathaussaal das Werk vor, das von den Museen des Altmarkkreises Salzwedel herausgegeben wurde. Einen begeisterten Leser hatte des Buch schon vor der offiziellen Premiere gefunden, denn der Verlag hatte Bürgermeister Konrad Fuchs im Vorfeld einige Leseproben zukommen lassen. Und so lobte der Bürgermeister denn das Buch als "richtig spannend" und "populärwissenschaftlich geschrieben". Auch wenn er schon einiges über die Gardeleger Geschichte und deren Brautradition wisse, habe er viel Neues erfahren. Besonders über die Familie Falcke, deren Vertreter zwischen den Jahren 1400 und 1698 immer wieder als Bürgermeister, Ratsmitglieder und Kirchenvorsteher in den historischen Quellen auftauchen.

"Bürgermeister als Brauer, vielleicht auch umgekehrt, diese Konstellation finde ich gar nicht so schlecht", sagte Konrad Fuchs. Auch wenn es bis zum Jubiläum 700 Jahre Malzrecht in Gardelegen - das wurde der Stadt am 16. Juli 1314 von Markgraf Waldemar verliehen - vermutlich nicht mehr klappt mit einem in Gardelegen gebrauten Bier, so gebe es jetzt zumindest zum Jubiläum schon einmal das Buch über eine einflussreiche Bürgermeister- und Brauerfamilie im 16. und 17. Jahrhundert.

Dass Personen, um die es im Buch geht, vor Jahrhunderten in dem Raum herumgelaufen sind, in dem das Buch vorgestellt wird, das "ist schon ein merkwürdiges Gefühl", sagte Verleger Dr. Harry Ziethen. Er freue sich immer, wenn er ein Buch über die Altmark präsentieren kann, "einer geschichtsträchtigen Gegend, aus der es viel zu berichten gibt".

Am Sonnabend war es die Familie Falcke, wobei es in der Geschichte Variationen in der Schreibweise gibt, zum Beispiel Valke, Falconis, Falke oder Falco. Darüber berichtete Dr. Rosemarie Leineweber ebenso wie über die Zeugnisse, die es heute noch gibt: Familienwappen auf Grabsteinen oder Epitaphen, Verzeichnisse von Universitäten wie Rostock oder Tübingen, die Falcke-Söhne aus Gardelegen aufführen,die große Glocke von St. Marien, auf der der Familienname steht, von der Familie gekaufte Bücher, die der Bibliothek der Nikolaikirche zur Verfügung gestellt wurden. Auch wenn sie keine vollständige Familiengeschichte erzählt - was wegen fehlender Quellen auch nicht möglich ist - gibt die Autorin einen Einblick in das Leben einer bedeutenden Gardeleger Bürgerfamilie. "Falckes hatten entscheidende Aufgaben in der Stadt inne", berichtete Dr. Rosemarie Leineweber. Zudem besaß die Familie Brauhäuser.

"Ein erfrischendes Werk über unsere Stadt."

Bürgermeister Konrad Fuchs

Stichwort Bier: Für das Gespräch in lockerer Runde nach der Buchpremiere hatten Gardelegens Kulturverantwortliche Mandy Botzler und Rupert Kaiser gemeinsam mit Gastwirt Albert Hösl kulinarische Köstlichkeiten vorbereitet, und natürlich gab es auch frischgezapftes Bier. Damit wurde nicht nur einmal auf das gelungene Buch "Falco garlebensis" angestoßen. Oder wie Bürgermeister Fuchs es nennt: "Ein erfrischendes Werk über unsere Stadt."