Die Gardeleger Kinderklinik "Albert Schweitzer" wird es bald nicht mehr geben. Das Gebäude soll spätestens zum Jahresende leer gezogen, die Station in das Haupthaus des Gardeleger Altmark-Klinikums integriert und dort der Geburtshilfe und Frauenheilkunde angeschlossen werden. Diese Sparmaßnahmen sind laut Klinikleitung notwendig, um die medizinische Versorgung von Kindern und werdenden Müttern überhaupt weiterhin in Gardelegen anbieten zu können.

Gardelegen. Die Gerüchte kursierten schon lange. Dass es am Gardeleger Altmark-Klinikum Veränderungen geben würde, hatten Aufsichtsrat und Geschäftsleitung schließlich im Oktober bestätigt. Nun steht fest, wie diese Veränderungen aussehen werden: Bis zum Jahresende wird das Gebäude der Kinderstation "Albert Schweizer" in Gardelegen leer gezogen. Künftig wird es im Krankenhaus keine eigene Kinderabteilung und auch keine selbstständige geburtshilfliche oder gynäkologische Station mehr geben. Alle drei Abteilungen werden stattdessen zu einer gemeinsamen "Frau-Mutter-Kind-Station" zusammengeschlossen.

Der Grund für diese Umstrukturierung sei in der Hauptsache in der demografischen Entwicklung zu sehen, erklärt Direktionsassistentin Carolin Steinfeld am Freitag auf Anfrage: "Die Fallzahlen in diesem Bereich brechen uns weg." Laut Bevölkerungsprognose werde die Zahl der gynäkologischen Fälle bis zum Jahr 2018 um rund 17 Prozent zurückgehen, in der Kinder- und Jugendmedizin um 20 Prozent und "in der Geburtshilfe "sogar um rund 41 Prozent".

Mit solchen Zahlen vor Augen müsse das Klinikum "jetzt agieren, statt später nur zu reagieren". Es sei sinnvoller, die "Leistungen zu verdichten", damit aber alle drei Fachabteilungen weiterhin in Gardelegen zu erhalten, als später vielleicht sogar Stationen komplett schließen zu müssen, so Steinfeld. Und eine solche Zusammenlegung bringe durchaus auch Vorteile mit sich: "Der Kinderarzt ist so zum Beispiel viel schneller bei dem neugeborenen Säugling."

"Die Fallzahlen in diesem Bereich brechen uns weg"

Nachdem der Aufsichtsrat den geplanten Umstrukturierungen zugestimmt hatte, seien am vergangenen Donnerstag in einer Teambesprechung die Mitarbeiter der betroffenen Stationen unterrichtet worden. Den meisten von ihnen sei klar, dass die Maßnahme zur Standortsicherung notwendig sei. Das Team habe die Mitteilungen denn auch "positiv aufgefasst", so Steinfeld.

Alle Beteiligten seien nun aufgerufen, "Detailüberlegungen" dahingehend zu treffen, wie die Zusammenlegung umgesetzt werden könne: "Jetzt sind die Menschen an der Basis gefragt." Eine "interdisziplinäre Projektgruppe" wird die Zusammenlegung planen.

Entlassungen im Zusammenhang mit der Umstrukturierung schloss Steinfeld aus: "Durch Rente oder Arbeitsteilzeit ergibt sich möglicherweise ein geringerer Personalbestand." Möglich seien aber auch Umbesetzungen innerhalb des Hauses: "Die Teams werden vielleicht anders zusammengestellt. Es gibt darüber aber noch keine genauen Pläne."

Fest stehe ebenfalls noch nicht, wer Chefarzt der neuen Station wird. Bislang leitet Chefarzt Dr. Roberto Müller die Station für Frauenheilkunde (14 Betten) und Geburtshilfe (12 Betten) in Gardelegen. Da er aber auch der Chef der Salzwedeler Entbindungsstation- und gynäkologischen Station ist, pendelt er zwischen beiden Häusern hin und her. Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Gardelegen leitet seit vielen Jahren Dr. Reiner Genseke.

Genseke und sein Team betrifft die Zusammenlegung der drei Abteilungen indes in besonderer Weise. Denn mittlerweile steht fest, dass genau sie umziehen müssen. Die Klinik befindet sich räumlich getrennt vom Haupthaus in einem teilunterkellerten Flachbau auf dem Gelände des Krankenhauses. Genau diese separate Lage schätzten Eltern bislang immer besonders. In das Gebäude wurde in der Vergangenheit zudem erheblich investiert. Der Förderverein "Kindertraum", der sich seit fast zehn Jahren für die Kinderklinik engagiert, finanzierte zudem neben Spielzimmer oder Aufenthaltsräumen für jugendliche Patienten und Eltern sogar einen eigenen Spielplatz an der Klinik.

"Wir sind schon sehr enttäuscht darüber"

Nun soll die Kinderklinik mit einer Kapazität von derzeit 20 Betten ins Hauptgebäude des Krankenhauses umziehen. Diese Entscheidung sei bereits gefallen, so Carolin Steinfeld auf Anfrage. Der neue Standort wird der Bereich der ehemaligen Kinderchirurgie gegenüber der jetzigen Entbindungsstation. Dort befinden sich momentan die Bereitschaftszimmer für die Krankenhausärzte, in einem weiteren Bereich die Sekretariate und Büros der beiden Chefärzte von Entbindungs- und Gynäkologischer Station sowie der Anästhesie. Für insgesamt 34 Betten könnte es dort allerdings recht eng werden.

Dr. Genseke war am Wochenende für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. "Wir geben etwas auf, was gut war", sagt allerdings seine Mitarbeiterin, Fachärztin Ulrike Schulz. Und auch das Team sei natürlich traurig: "Wir sind schon sehr enttäuscht darüber, die idealen Räume in der Kinderklinik aufgeben zu müssen." Allerdings könne man wohl nicht die Augen vor den sinkenden Patientenzahlen verschließen, so die Diplommedizinerin. Die gingen nun mal messbar zurück. Mit einer Einschränkung indes: "Zu Infektionszeiten" würde es durchaus auch schon mal zu Spitzenbelegungen kommen, so Schulz. Wie die dann abgefedert werden könnten, müsste auf jeden Fall geklärt werden.

"Wir werden die Kinderabteilung weiter unterstützen"

Klären will auch Heike Kramer, Vorsitzende des Fördervereines der Kinderklinik noch in dieser Woche, wie die Vereinsmitglieder zu der neuen Situation stehen. Fest stehe aber, so viel könne sie schon sagen, dass "wir die Kinderabteilung weiter unterstützen werden". Ob und wie die geplanten Investitionen – der Verein wollte eine Muttiküche in der Kinderklinik und ein Begegnungshäuschen auf dem Spielplatz finanzieren – nun umgesetzt werden, will der Verein angesichts der neuen Situation erst besprechen. "Wir hoffen, dass der Spielplatz erhalten bleibt", so Kramer, und dass auch in den neuen Räumen Platz für Spielzimmer und Aufenthaltsräume sei, deren Ausstattung der Verein mithilfe vieler Spenden ermöglicht hatte.

Denn die Spendenbereitschaft der Menschen in der Region sei in den vergangenen Jahren sehr hoch gewesen, sagte Kramer: "Sie wussten, dass wir mit dem Geld Gutes vor Ort bewirken."

Viel Geld sparen wird hingegen das Altmark-Klinikum, wenn die Zusammenlegung umgesetzt sei, informiert Carolin Steinfeld. Rund 280 000 Euro jährlich soll die Maßnahme an Kostenersparnis bringen.