Die Hansestadt Gardelegen wird Eigentümerin der jetzigen Bundesstraße zwischen Kloster Neuendorf und Hottendorf. Einer entsprechenden Umwidmung hat der Bauausschuss in seiner Sitzung in Letzlingen zugestimmt.

Gardelegen/Letzlingen l 210 Kilometer Straße besitzt die flächenmäßig drittgrößte Stadt Deutschlands. Und es sollen noch einige Kilometer dazu kommen. Es handelt sich um die jetzige Bundesstraße 188 zwischen Kloster Neuendorf und Hottendorf, die laut dem jetzigen Baulastträger, der Landesstraßenbaubehörde Regionalbereich Nord mit Sitz in Stendal, entbehrlich wird. Grund dafür ist der geplante Bau der Umgehungsstraße für Kloster Neuendorf, Jävenitz und Hottendorf. Derzeit läuft dafür das Planfeststellungsverfahren. Mit Fertigstellung der Umgehung verliere dieser Teilbereich der B188 seine überörtliche Bedeutung. Sie diene dann überwiegend dem nachbarschaftlichen Verkehr zwischen den Ortsteilen. Das betrifft auch ein Teilstück der Kreisstraße zwischen Jävenitz und Lindstedt, die künftig eine Anbindung an die Umgehung sein wird. Insgesamt sind das etwa 6,5 Kilometer Bundesstraße und knapp 1,2 Kilometer Kreisstraße, die in die Trägerschaft der Stadt Gardelegen wechseln sollen - mit allen Zuständigkeiten, was den Erhalt der Straßen betrifft. Die Landesstraßenbaubehörde hatte in dieser Angelegenheit zunächst auch den Kreis angeschrieben. Der habe jedoch eine Übernahme der Straßen in Kreishoheit abgelehnt. Unter anderem sei "ein Anschluss von räumlich getrennten Ortsteilen innerhalb des Gemeindegebietes der Stadt Gardelegen nicht notwendig", heißt es dazu in einem Schreiben der Straßenbaubehörde, das der Beschlussvorlage beiliegt.

"Wir kriegen zig Straßenkilometer aufgedrückt."

Mit dieser Thematik hat sich der Bauausschuss in seiner Sitzung am Montagabend im Letzlinger Kulturhaus befasst.

Peter Wiechmann, berufener Bürger im Bauausschuss für die SPD-Fraktion, lehnte den Vertrag in der vorliegenden Form ab. "Dass die Kreisstraße gleich zur Gemeindestraße abgestuft werden soll, das muss raus, das muss gestrichen werden. Die können nicht gleich der Stadt alles aufdrücken. Das geht auch erst dann, wenn die Umgehung fertig ist", stellte Wiechmann klar. Bis dahin, so sei zu vermuten, wären die zu übernehmenden Straßen dann sicher auch "fertig", was mit Blick auf das kommende Baugeschehen den Zustand der Straße betreffe. "Das sehe ich auch so", pflichtete Stadtrat Sieghard Dutz (Linke-Fraktion) seinem Vorredner bei. "Wir kriegen hier zig Straßenkilometer aufgedrückt", warnte auch Stadtrat Sven Grothe (Feuerwehr-Fraktion). Es sollte zunächst geprüft werden, ob der Kreis so einfach eine Übernahme ablehnen kann. "Wir haben dann ein riesiges Straßennetz zu unterhalten, was kaum finanzierbar ist", gab Grothe zu bedenken.

"Die Straßen werden erst dann übernommen, wenn die Umgehung fertig ist", stellte Daniel Langer vom städtischen Bauamt klar. Auch baulich würden sie zuvor in Ordnung gebracht. Darüber hinaus sei der bisherige Baulastträger noch weitere zwei Jahre für Reparaturen zuständig.

Bei einer Enthaltung stimmte der Bauausschuss der Umstufung zu. Am 27. Mai tagt dazu der Hauptausschuss und am 2. Juni der Stadtrat.

Der Bau der Umgehung für Kloster Neuendorf, Jävenitz und Hottendorf ist seit vielen Jahren Thema. Im Jahr 2007 hieß es noch, der Bau beginnt 2010, 2008 war dann der Baubeginn auf 2012 verschoben. Die Fertigstellung sollte 2014 sein. Im Laufe der Jahre sind auch die geschätzten Baukosten stetig gestiegen - von zunächst knapp elf Millionen auf nunmehr 16,5 Millionen Euro. Gebaut wird allerdings immer noch nicht. Zumindest aber hat das Land im September des vorigen Jahres schon mal die Aufnahme des Projektes in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes beantragt (wir berichteten).