Mit einer Gegenstimme befürwortete am Dienstagabend der Letzlinger Ortschaftsrat den Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes für die Seniorenanlage Letzlingen. Zuvor hatte der Investor sein Projekt mit emotionalen Worten verteidigt.

Letzlingen l Es standen auch noch andere Punkte auf der Tagesordnung im öffentlichen Sitzungsteil. Um diese abzuarbeiten, brauchten die Räte indes nur wenige Minuten. Alles bestimmende Thematik am Dienstagabend im Übungsraum der Letzlinger Sänger: die geplante Seniorenanlage am Jagdschloss (wir berichteten mehrfach).

Wie sehr das Thema die Bürger bewegt, zeigte schon die Einwohnerfragestunde. Obwohl wegen der Thematisierung auf der Tagesordnung eigentlich nicht zulässig, baten mit Gerd Hinke und Georg Naumann gleich zwei Letzlinger um Aufklärung. Ortschaftsratsmitglied Thomas Genz, der in Abwesenheit von Ortsbürgermeisterin Regina Lessing die Versammlung leitete, erteilte dem anwesenden Investor Michael Hennigs deshalb auch gleich das Wort.

"Als ob plötzlich Bürgerwehr aufgestellt wird."

Und Hennigs nutzte die Chance, sein Projekt wortreich zu verteidigen. Nicht verwunderlich, denn er hatte am Vortag während der jüngsten Bauausschusssitzung erheblichen Widerstand erhalten. Hennigs hatte den Stadträten seinen Plan vor Ort erläutert. Wird der, so wie geplant verwirklicht, müssten etliche der uralten Eichen am Letzlinger Busch gefällt werden. Eine Option, die viele Letzlinger so nicht hinnehmen wollen.

Das wiederum sei für ihn völlig unverständlich, so Hennigs. "Ich hätte nie gedacht, dass das so ein arges Problem wird, und ich weiß nicht, wer da die ganze Bambule macht. Die eine Frau, die am Montag dabei war, hätte mir wohl am liebsten ein Messer zwischen die Rippen gestoßen", so Hennigs. Dabei wolle er gar nichts kaputtmachen. So wie er es einschätze, werde "höchstens eine Eiche weggenommen, oder auch zwei, ansonsten fassen wir den Wald nicht an." Die Beschuldigungen einiger Letzlinger, er würde den Busch roden wollen, sei "fast so etwas wie Rufmord", schimpfte Hennigs. "Das ist ja, als ob da plötzlich eine Bürgerwehr aufgestellt wird." Dabei sei er insbesondere von den Letzlingern enttäuscht, so Hennigs: "Die Gemeinde wusste das alles doch schon vorher. Das ist doch fürs Dorf und nicht von irgendwo her."

Ratsfrau Bianka Diwok wollte das genauer wissen: "Können die Letzlinger das wirklich nutzen oder wird das unbezahlbar?", fragte sie Hennigs. Der betonte, dass das Heim später allen offen stehen werde. "Das ist nicht nur für die gehobene Klasse", so Hennigs. Auch das geplante Therapiebad sei öffentlich nutzbar. Schon deshalb "hätte ich ein bisschen mehr Engagement erwartet".

Ärgerlich zeigte sich Hennigs zudem über Gegenwind aus ganz anderer Richtung. Eine Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde, die dem städtischen Bauamt seit kurzem vorliegt (wir berichteten), befürchtet mit der Umsetzung des Bauprojektes nämlich den Bestand geschützter Tier- und Pflanzenarten.

Angesichts solcher Einwände gegen sein Projekt müsse man sich doch fragen, ob Menschen oder Fledermäuse wichtiger seien, so Hennigs. Dennoch habe er sich mit dem Umweltamt in Verbindung gesetzt. Am 25. Mai werde Bernd Ohlendorf (Landesreferenzstelle für Fledermausschutz Sachsen-Anhalt - Anm. d. Red.) vor Ort sein. Hennigs resigniert: "Vielleicht finden sie ja da noch irgendeine Affenart, ich weiß es nicht."

"Der Eremit hat schon Stuttgart 21 gestoppt."

Mehr weiß da möglicherweise schon Ratsherr Horst Schulze, der sich als Förster in der Materie bestens auskennt. Er hatte sich die Stellungnahme nämlich schon mal angesehen. Die Behörde, so versicherte er Hennigs, nenne Tiere, die, wenn sie nachgewiesen würden, "absolute Totschlagargumente" seien. Neben zahlreichen geschützten Fledermaus- oder Vogelarten vermuten die Naturfachleute im Letzlinger Busch nämlich auch verschiedene Käferarten, "unter anderem den Eremit", so Schulze, "und wenn sie den finden, ist es vorbei. Der hat schon Stuttgart 21 gestoppt."

Ob er denn nicht auf einen anderen Standort ausweichen wolle, wollte angesichts solcher Einwände von verschiedenen Seiten am Ende nicht nur Horst Schulze von Michael Hennigs wissen. Der beantwortete diese Frage indes mit einem kategorischen "Nein". Der Bauplatz am Busch sei ruhig und dennoch zentral, betonte er. Er werde um den Standort kämpfen, möglicherweise auch auf das Angebot altersgerechten Wohnens verzichten. Hennigs erinnerte noch einmal an die Zahl von 35 zu erwartenden Arbeitsplätzen und den Bedarf. "Beim ersten Anhörungstermin", so argumentierte Hennigs, "hat sich kein einziger gegen den Standort ausgesprochen. Aber es waren 15 Leute da, die sich für einen Platz anmelden wollten."

Eine Argumentation, die Thomas Genz noch einmal veranlasste, einzulenken: "Niemand spricht dem Objekt die positive Bedeutung ab", versicherte er Hennigs. Und das bewiesen acht Ratsmitglieder denn auch, indem sie dem Projekt zustimmten. Horst Schulze konnte sich angesichts der Umstände dazu nicht durchringen.